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Wir leben in einer seltsamen Zeit, in einer Zeit, in der die Wahrheit entmachtet scheint und jeder seinen eigenen Gesetzen folgt.

Grundgesetz

Ein Traum vom Grundsätzlichen

Losgelöst von Religion, Herkunft und Geschlecht.

Ich habe jetzt zwei Wochen über das Grundgesetz nachgedacht, über die tatsächliche Einhaltung der einzelnen Artikel, ich habe abgewogen und mir viele Fragen gestellt. Manche kann ich beantworten, andere gar nicht, obwohl mir klar ist, dass ich in einem Land lebe, das zu den wenigen zehn Prozent der Länder zählt, die den demokratischen Weg gehen. Ich weiß, dass wir viele Freiheiten haben und ich weiß diese zu schätzen. Ach, liebes Tagebuch, doch selbst hier, im Schoße dieses kleinen „Staates“, beißen viele Missstände um sich.

Anna Thalbach ist Schauspielerin. Zu sehen ist die Tochter einer Theaterfamilie im Kino, im Fernsehen und auf der Bühne. Sie wurde unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Wo auf der Welt hält wer wie die Gesetze ein? Was sind denn die unbedingten Grundbedürfnisse eines Menschen? Ja, und wäre es nicht konsequent, in der heutigen Welt, die durch Technik, Mobilität, Kommunikation und Handel die einzelnen Länder so eng miteinander verknüpft, eine Verfassung, ein Grundgesetz zu schaffen, das für alle Menschen gilt? Losgelöst von Religion, Herkunft und Geschlecht. So klar und einfach formuliert, dass es überall gültig sein kann, bei jedem Wetter, in der Stadt, auf dem Land, am Meer, der Wüste und den Bergen. Eine Verfassung die auf Rücksicht, Empathie und Großzügigkeit achtet, die Egozentrik und Narzissmus ausschließt, eine, die teilt, die Maß hält, die nimmt, was sie gibt und das Leben achtet und liebt.

Liebes Tagebuch, wahrscheinlich ist das naiv und furchtbar romantisch. Wir leben in einer seltsamen Zeit, in einer Zeit, in der die Wahrheit entmachtet scheint und jeder seinen eigenen Gesetzen folgt. Umso mehr sehne ich mich nach einer Verfassung, die mich nicht fassungslos macht, die nicht betrügen und lügen, sich bereichern muss, eine die nicht mit Fingern auf andere zeigt, die sich nicht am Schwachen misst. Ich sehne mich nach einer Verfassung, die allen Menschen das Schlafen, Essen, Wohnen, das Lernen, das Arbeiten und zum Arzt gehen, das Reisen und das Lieben möglich macht. Wie du merkst, liebes Tagebuch, fange ich schon an zu träumen vom Grundsätzlichen … Ich lösch das Licht, Gut Nacht!

Von Anna Thalbach

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