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Auffallend viele Trauergäste bei der Beerdigung eines Nazi-Hooligans in Chemnitz.  

Rechtsextremismus in Chemnitz

Trauermarsch als Machtdemonstration

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  • Matthias Puppe
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Bei der Beerdigung des Rechtsextremen Haller zeigen die Teilnehmer offen Nazisymbole und stoßen Drohungen aus. 

Knapp 1000 Menschen haben am Montag in Chemnitz von dem jüngst verstorbenen Neonazi Thomas Haller Abschied genommen. Der Gründer des berüchtigten rechtsextremen Netzwerks HooNaRa („Hooligans, Nazis, Rassisten“) wurde am frühen Nachmittag auf dem Friedhof der St.-Michaelis-Kirche im Stadtteil Altchemnitz beigesetzt. Haller, neben seiner einflussreichen Tätigkeit in der rechtsradikalen Fanszene des Chemnitzer FC auch jahrelang Chef der Stadionsecurity des Vereins, war Anfang März an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben.

Bereits am Vormittag hatte sich auf dem Parkplatz eines nahen Einkaufszentrums ein Trauerzug gebildet, der nach Schätzungen der Polizei allmählich auf 800 bis 1000 Menschen anwuchs. Eine Mobilisierung Tausender Hooligans, so wie es die Behörden im Vorfeld befürchtet hatten, blieb allerdings aus.

Chemnitz ist gespalten

Schweigend zog der Trauermarsch der Hooligans eine Chemnitzer Ausfallstraße entlang. Man trug Sonnenbrillen, grimmige Mienen und Szene-Kleidung, zudem Blumen und Gestecke. Auf einer Schleife prangte ein Reichsadler ein Eisernes Kreuz in der Mitte. „Möge die Heimaterde dir leicht sein“, stand auf der Schleife. Politisch kann das alles nicht eindeutiger sein.

Vor dem Eingang zum Friedhof bleibt der Trauerzug stehen, im Blick der Kamerateams und einer Berliner Polizei-Hundertschaft in Schutzausrüstung. Die Senioren am Fenster recken die Köpfe. „Das sind doch ganz friedliche Menschen, die dort trauern“, sagt eine von ihnen und wirkt erleichtert.

Ein Chemnitzer schaut ebenfalls mit Wohlwollen auf die wartenden Hooligans. Er sagt: „Thomas Haller hat viel für Chemnitz getan. Er hat für Sicherheit und Ordnung gesagt. Und nun verunglimpft ihn die Stadt als Nazi. Haben wir uns von einem Nazi beschützen lassen?“

Neben ihm steht der Hooligan-Experte Robert Claus. Wie soll es jetzt weitergehen beim Chemnitzer FC? „Der Verein braucht jetzt eine vernetzte Fanarbeit zwischen Club, Fanprojekt und Polizei. Er spricht von einer „etablierten toxischen Mischung“ von Hooligans und Neonazis.

Gegen Mittag setzte sich die Gruppe in Richtung des Friedhofs in Bewegung. Eine Anmeldung des Zuges als Demonstration lag den Behörden nicht vor. Die Chemnitzer Polizei begleitete die Veranstaltung dennoch mit einem Großaufgebot.

In den Marsch selbst griff die Polizei nicht ein. „Da die Trauer hier im Vordergrund stand, gab es für uns keinen Anlass“, sagte Ulbricht. Auch als etwa 20 vermummte Personen hinzustießen, blieben die Polizei defensiv. Als der Sarg des verstorbenen Neonazis am Nachmittag den Friedhof erreichte, mussten die Beamten dann trotzdem kurz einschreiten. Einige Begleiter nutzten die Situation, um verbal auf Journalisten loszugehen und diese mit Drohgebärden zum Verschwinden zu nötigen.

Die Beisetzung des Neonazis fand am frühen Nachmittag geschützt von der Öffentlichkeit im hinteren Teil des Friedhofs statt.

Bereits Anfang März hatte eine Trauerfeier für den bekannten Neonazi im Stadion des Chemnitzer FC bundesweit für Aufsehen gesorgt. Bei einem Regionalliga-Spiel zeigten die Fans nicht nur eine Choreografie in Gedenken an Thomas Haller, sondern wurde dem Rechtsextremen auch mit einer Trauerbotschaft auf der Anzeigentafel und mit einer Stadiondurchsage gedacht. Nicht zuletzt zeigte CFC-Stürmer Daniel Frahn beim Torjubel ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support Your Local Hooligan“. Das Textil wird der Gruppe HooNaRa zugeordnet.

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