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Traktor-Demo in Berlin: Bauern protestieren gegen Agrarpolitik. 

1825 Traktoren in Berlin

Traktor-Demo in Berlin: Bei den Bauern brodelt es

Neue Umweltvorgaben - und Billigpreise für Fleisch, Wurst und Milch im Supermarkt? Ihren Unmut tragen die Bauern in Berlin auf die Straße. 

Update, 17.30 Uhr: Sie kamen mit ziemlicher Wut im Bauch: Tausende Bauern aus ganz Deutschland haben am Dienstag mit einer Großkundgebung in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert. Die Veranstalter sprachen von rund 40.000 Teilnehmern und 5600 Fahrzeugen. Sie forderten mehr Mitsprache bei Neuregelungen zum Umwelt- und Tierschutz und mehr Wertschätzung für ihre Branche. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte Hilfen bei Änderungen zu und rief zum Dialog auf. Im Bundestag forderten die Opposition und die mitregierende SPD Änderungen der Agrarpolitik.

Bis weit über das Regierungsviertel hinaus waren viele Straßen schon seit dem frühen Morgen in Bauernhand. Dicht an dicht standen schwere Traktoren teils in mehreren Reihen nebeneinander. Vorn am Brandenburger Tor machten Bauern mit Trillerpfeifen ihrem Ärger Luft. 

Traktor-Demo in Berlin: Bauern buhen Umweltministerin Svenja Schulze aus

Am Mittag kam Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zu den Demonstranten. Sie warb für klare Regeln zum Schutz von Grundwasser und Insekten, denn auch die Bauern hätten ein Interesse daran, dass es in Zukunft noch sauberes Wasser und Bestäuber gebe - und wurde dafür ausgebuht. Während sie sprach, drehten viele ihr demonstrativ den Rücken zu, nach etwa fünf Minuten verließ sie unter Pfiffen die Bühne.

Zum Ende der Demo stellte sich Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) den Landwirten, anfangs bekam auch sie Unmut zu spüren. „Haben Sie schon mal eine Mistgabel in der Hand gehabt?“, brüllte einer aus der Menge. Klöckner verteidigte die geplanten Neuregelungen und bot mehr Beteiligung der Landwirte an. Beim Insektenschutz solle jede Maßnahme mit ihnen besprochen werden. Wo zu viel Nitrat im Grundwasser gemessen werde, „da müssen wir reagieren“, sagte sie mit Blick auf neue Düngeregeln.

Traktor-Demo in Berlin: Agrargipfel mit Merkel geplant

Klöckner beklagte auch Erwartungen an mehr Umwelt- und Tierschutz, während es in Supermärkten Billigpreise für Fleisch und Wurst gebe. Es sei unanständig, so etwas anzubieten - aber auch, so etwas zu kaufen. Insgesamt blieb sie mehr als eine Stunde und kündigte an: An diesem Montag (2. Dezember) will sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit 40 Landwirtschaftsorganisationen zu einem Agrargipfel treffen.

Traktor-Demo in Berlin: 1825 Traktoren in Berlin

Update, 12.50 Uhr: Mehrere Tausend Bauern aus ganz Deutschland sind zu einer Kundgebung in Berlin zusammengekommen. Vor dem Brandenburger Tor sprachen Redner zum Auftakt von einer „unglaublichen Solidarität“. Das zeige, dass die Landwirte etwas bewegen könnten, wenn sie zusammenhalten. Zu der Demonstration rollten auch Tausende Traktoren in die Hauptstadt.

Auf Transparenten stand: „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert“, „Wer Bauern quält, wird abgewählt“ oder „Gemeinsam statt gegeneinander“. Der Protest richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Die Bauern warnen vor einer Existenzgefährdung von Betrieben und fordern von der Politik eine stärkere Einbeziehung bei neuen Umweltauflagen.

Erstmeldung

Insgesamt 1825 Traktoren haben sich am frühen Dienstagmorgen aus Brandenburg in Richtung Berlin auf den Weg gemacht. Zunächst gab es keine Einschränkungen für Berufspendler, wie ein Polizeisprecher sagte. Ab 9.00 Uhr soll der Konvoi dann in Berlin einfahren und zu den Fahrzeugen stoßen, die bereits am Brandenburger Tor stehen.

Traktor-Demo gegen Agrarpaket

Für die Sternfahrt sammelten sich am Montagabend in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern sowie in Prenzlau und Perleberg (Brandenburg) Bauern, um zu einer Großdemonstration gegen das Agrarpaket des Bundes zum Brandenburger Tor nach Berlin zu rollen. Auch aus anderen Bundesländern machten sich viele Fahrzeuge auf den Weg. Mehrere Tausend Bauern aus ganz Deutschland wollen an diesem Dienstag in Berlin demonstrieren.

Der Protest richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers.

Zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor (12.00 Uhr) erwarten die Veranstalter 10.000 Teilnehmer und rund 5000 Traktoren, die in einer Sternfahrt in die Hauptstadt rollen.

Traktor-Demo - Julia Klöckner erwartet 

Zu den Demonstranten reden wollen auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Klöckner erläuterte, viele Bauern fühlten sich von der gesellschaftlichen Diskussion in die Ecke gestellt und pauschal als Umweltverschmutzer oder Tierquäler verunglimpft. 

Es gehe ihnen daher auch um mehr Wertschätzung, schrieb sie in einem Brief an die Unionsfraktion. Die Ministerin betonte zugleich: „Wer zu lange wartet oder sich gegen Veränderungen und Anpassungen wehrt, den ereilen die Notwendigkeiten umso heftiger.“ Für den 2. Dezember hätten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und sie rund 40 Landwirtschaftsorganisationen zum Gespräch geladen.

Traktor-Demo bereits Mitte November

Zu der Kundgebung aufgerufen hat die Initiative „Land schafft Verbindung“, in der sich Zehntausende Bauern zusammengefunden haben. Mitte November gab es schon Proteste bei der Umweltministerkonferenz in Hamburg, im Oktober fuhren Bauern in mehrere Städte, allein 6000 nach Bonn. Im Berliner Stadtgebiet wird wegen der An- und Abfahrt der Traktoren an diesem Dienstag mit größeren Verkehrsbehinderungen gerechnet. (FR mit dpa)

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