HINTERGRUND

Tragisches Versäumnis

Das Attentat auf die UN-Zentrale in Bagdad am 19. August, das 22 Mitarbeitern und Besuchern das Leben kostete, ist nach Ermittlungen einer

Von JÜRGEN KOAR (WASHINGTON)

Das Attentat auf die UN-Zentrale in Bagdad am 19. August, das 22 Mitarbeitern und Besuchern das Leben kostete, ist nach Ermittlungen einer Untersuchungskommission auf schwere Sicherheitsmängel bei den UN selbst zurückzuführen. Warnungen seien in den Wind geschlagen und Hilfsangebote des US-Militärs zurückgewiesen worden, urteilt eine von UN-Generalsekretär Kofi Annan eingesetzte Kommission unter Leitung des früheren finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari in ihrem 40 Seiten starken Bericht.

Die UN-Verantwortlichen in Bagdad hätten die Hinweise auf einen "unmittelbar bevorstehenden Bombenanschlag" nicht ernst genug genommen. Selbst nach wiederholten Attentaten auf UN-Personal und nach dem Angriff auf die jordanische Botschaft seien die Sicherheitsvorkehrungen nicht verschärft worden, meint die Kommission. Im Gegenteil: Das US-Militär, das vor dem UN-Hauptquartier Posten bezogen hatte, sei mehrmals aufgefordert worden sich zurückzuziehen. Sogar der Rat von UN-eigenen Sicherheitsexperten stieß auf taube Ohren: Sergio Vieira de Mello, Annans Sonderbeauftragter, der später zu den Opfern zählte, wollte der Empfehlung nicht folgen und zog nicht in ein anderes, weniger exponiertes Büro um. "Das Sicherheitsbewusstsein entsprach nicht der feindlichen Umgebung", kritisiert der Bericht die Unterlassungssünden, die im Nachhinein als grob fahrlässiges Verhalten zu erkennen sind.

Nicht zuletzt entlastet dieser Schuldspruch die von den USA geführte Besatzungsmacht in Irak. Den USA war vorgeworfen worden, sie hätten den UN-Komplex unzureichend geschützt. Die Ermittlungen ergaben aber, dass das amerikanische Militär sogar den Zufahrtsweg des Attentäters mit einem Fünftonner blockiert hatte, bis die UN-Verwaltung dagegen protestierte. Als die Amerikaner stattdessen die Straße mit einer Stacheldrahtrolle sperrten, mussten sie auch diese wieder wegräumen. Die UN wollten den Irakern möglichst freien Zugang gewähren, und sie wollten keine sichtbare miliitärische Präsenz. Der Untersuchungsbericht mach den UN-Vertretern zum Vorwurf, dass sie nicht auf andere Weise für mehr Sicherheit sorgten.

Die Untersuchungskommission ordnet Verantwortung und Schuld nicht bestimmten Personen zu. Sie regt vielmehr an gesondert festzustellen, wo genau die Lücken im Sicherheitssystem sind und wer dafür zur Rechenschaft zu ziehen ist.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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