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Toxisch, männlich und links: Vorwürfe an Die Linke lösen Schockwelle aus

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Von: Hanning Voigts

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Die Vorwürfe könnten zu einem Problem für Janine Wissler werden, die Bundesvorsitzende der Linken, die lange Vorsitzende der Fraktion im hessischen Landtag war.
Die Vorwürfe von Machtmissbrauch und Sexismus könnten zu einem Problem für Janine Wissler werden, die Bundesvorsitzende der Linken, die lange Vorsitzende der Fraktion im hessischen Landtag war. (Archivbild) © Bernd von Jutrczenka/dpa

Missbrauchsvorwürfe aus Hessen lösen eine „Metoo“-Debatte in der Partei Die Linke aus. Auch für die Bundesvorsitzende Wissler könnte dies zum Problem werden.

Der Skandal um Vorwürfe von Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen innerhalb des hessischen Landesverbands hat über das Osterwochenende schwere Schockwellen in der Partei Die Linke ausgelöst. Die hessische Linke erklärte gegenüber der Frankfurter Rundschau, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe damit begonnen, sie innerparteilich aufzuarbeiten.

Der Landesverband und der besonders betroffene Kreisverband Wiesbaden hätten bereits Gespräche mit Beratungsstellen geführt, es sei ein Workshop zur Sexismus-Sensibilisierung geplant, Ende April sollten Vertrauensleute bestimmt werden, an die sich Betroffene von Grenzverletzungen wenden könnten: „Für uns als Partei ist klar, sexualisierte Gewalt und Sexismus dürfen keinen Platz haben in unserer Partei.“ Auch die Bundespartei betonte, den Betroffenen zur Seite stehen zu wollen.

Die Linke in Hessen: Vorwürfe von Sexismus und Belästigung

Das Magazin „Der Spiegel“ hatte am Freitag unter Berufung auf zehn betroffene Männer und Frauen sowie auf eidesstattliche Erklärungen, Fotos und Chatverläufe über Fälle von Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen sowie einer „toxischen Machokultur“ vor allem in der hessischen Linkspartei berichtet. Im Zentrum der Vorwürfe steht ein Mitarbeiter der Fraktion im hessischen Landtag, der um 2018 – damals noch als Mitglied des Landesvorstands – eine Affäre mit einem damals noch minderjährigen Parteimitglied begonnen haben soll. Er soll die junge Frau in sexuellen Posen fotografiert und gefilmt und gegenüber einem Bekannten mit dem Verhältnis geprahlt haben. Nach dem Ende der Affäre soll er nachts über den Balkon in die Wohnung der Frau eingestiegen sein. Gegenüber dem „Spiegel“ hat der Linke sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen, eine Anfrage der FR ließ er unbeantwortet.

Der „Spiegel“ berichtet zudem über einen jungen Mann, der angibt, von einem früheren linken Bundestagsabgeordneten aus Hessen sexuell belästigt worden zu sein. Ähnliche Vorwürfe erhebt eine junge Frau, die berichtet, nach dem Ende einer Beziehung von einem Linkenpolitiker zum Sex gedrängt worden zu sein, was sie nicht wollte. Die Männer weisen die Vorwürfe im „Spiegel“ ebenfalls zurück. Die Betroffenen geben an, sich an unterschiedliche Parteistrukturen gewandt zu haben und kein Gehör gefunden zu haben.

Gänzlich neu sind diese Schilderungen nicht: Die FR hatte schon Anfang März über eine Kundgebung überwiegend junger Menschen berichtet, die Sexismus und Belästigungen in der Partei Die Linke anprangerten. Seit Beginn des Jahres waren derartige Vorwürfe unter dem Hashtag #Linkemetoo in den sozialen Netzwerken erhoben worden.

Hessen: Machtmissbrauchs-Vorwürfe in der Linken – Wissler streitet Schuld ab

Zu einem politischen Problem könnten die Vorwürfe auch für Janine Wissler werden, die Bundesvorsitzende der Linken, die lange Vorsitzende der Fraktion im hessischen Landtag war. Der Mann, dem die übergriffige Affäre mit einer Minderjährigen vorgeworfen wird, war zu der Zeit ihr Lebensgefährte. Die junge Frau gibt an, sich 2018 an Wissler gewandt zu haben, die habe sie aber nicht ernst genommen, sagt sie.

Wissler selbst räumt in einer Erklärung ein, 2018 mit der jungen Frau telefoniert und Kontakt per E-Mail gehabt zu haben. Es sei damals aber nur um die Affäre zu ihrem Partner gegangen, ihr gegenüber sei kein „Vorwurf des sexuellen Missbrauchs oder der sexuellen Gewalt“ erhoben und sie sei nicht um Hilfe gebeten worden. Sie habe die Verbindung vor allem aufgrund des großen Altersunterschiedes für „höchst problematisch“ gehalten und die Beziehung zu ihrem Partner verletzt beendet. Seit sie Ende 2021 erstmals von den umfassenderen Vorwürfen gegen Mitglieder der hessischen Linken erfuhr, habe sie sich umgehend an den Landesvorstand wie auch an die Bundesgeschäftsstelle gewandt und dabei darauf hingewiesen, dass es in einem Fall eine persönliche Verbindung zu ihr gebe. Sie sei bestürzt darüber, dass ihr vorgehalten werde, „ich hätte irgendjemanden geschützt“, so Wissler.

Der Jugendverband der Linkspartei, Solid, hat unterdessen erklärt, die Partei habe nicht nur in Hessen ein Problem mit Machtmissbrauch und Sexismus, das „durch Klüngel und Männerbünde“ entstanden sei. Es sei an der Zeit, „dass die Täter Verantwortung für ihr Handeln übernehmen“ und es Konsequenzen gebe. In den sozialen Netzwerken forderten über Ostern gerade junge Parteimitglieder grundsätzliche Veränderungen ein.

(Hanning Voigts)

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