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Iran: Nach Tod von Mahsa Amini – Acht Menschen bei Protesten getötet

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Von: Katja Thorwarth, Vincent Büssow

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Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini weiten sich die Proteste im Iran auf 15 Städte aus. Behörden und Bobachter:innen berichten von mindestens acht Toten.

+++ 12.50 Uhr: Angesichts der Proteste im Iran fordert Amnesty International Untersuchungen der Menschenrechtslage in dem Land. Notwendig sei ein «unabhängiger internationaler Untersuchungs- und Rechenschaftsmechanismus» zur verbreiteten Straflosigkeit im Iran, mahnte die Menschenrechtsorganisation am Donnerstag an die gerade tagende UN-Vollversammlung gewandt. „Die iranische Regierung verletzt seit Jahren systematisch fundamentale Menschenrechte. Willkürliche Verhaftungen, Folter, außergerichtliche Hinrichtungen sowie die brutale Niederschlagung von Protesten werden durch die grassierende Straflosigkeit gefördert“, erklärte die Nahostexpertin bei Amnesty International Deutschland, Katja Müller-Fahlbusch.  

Iran: Nach Tod von Mahsa Amini – Acht Menschen bei Protesten getötet

Update vom Donnerstag, 22. September, 08.00 Uhr: Bei den Protesten im Iran nach dem Tod der von der Sittenpolizei festgenommenen 22-jährigen Mahsa Amini hat es erneut heftige Zusammenstöße mit der Polizei und Todesfälle gegeben. Laut Behörden und Beobachtern starben bei den Demonstrationen bis zum Mittwoch insgesamt mindestens acht Menschen. Die Proteste setzen die iranische Führung zunehmend unter Druck. US-Präsident Joe Biden bekundete die Solidarität seines Landes mit den „tapferen Frauen des Iran“.

Mahsa Amini starb nach der Verhaftung der Sittenpolizei. Proteste gegen den Iran gibt es weltweit.
Mahsa Amini starb nach der Verhaftung der Sittenpolizei. Proteste gegen den Iran gibt es weltweit. © Paul Zinken/dpa

Iran: Landesweite Proteste nach Tod von Mahsa Amini – Mobile Netzwerke „weitgehend abgeschaltet“

+++ 22.40 Uhr: Noch immer toben im Iran Proteste, nachdem eine 22-jährige Iranerin nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei auf ungeklärte Weise ums Leben gekommen ist. Mindestens acht weitere Menschen sollen bei den Ausschreitungen und gewaltsamen Protesten gestorben sein, sechs Tote bestätigen die iranischen Behörden bislang laut Angaben der Nachrichtenagentur AFP offiziell. Wie die in Norwegen ansässige kurdische Menschenrechtsgruppe Hengaw mitteilte, seien zudem bei den Demonstrationen insgesamt rund 450 Menschen verletzt und 500 Menschen festgenommen worden.

Auch das Internet ist im Iran aufgrund der landesweiten Proteste nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur massiv eingeschränkt. Mobile Netzwerke seien „weitgehend abgeschaltet“, berichtete die Organisation Netblocks am Mittwoch. Bei den strengsten Beschränkungen seit den Protesten im November 2019 wurde auch Instagram als eines der letzten freien sozialen Netzwerke gesperrt.

Proteste nach Tod von Mahsa Amini im Iran weiten sich aus – Mindestens sechs Tote

+++ 11.50 Uhr: Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei haben sich die Proteste im Iran in der Nacht zum Mittwoch auf 15 Städte ausgeweitet. Die Polizei setzte Tränengas ein, um Ansammlungen von bis zu tausend Menschen aufzulösen, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete. Die Demonstrierenden blockierten demnach den Verkehr, warfen Steine auf Sicherheitskräfte, zündeten Polizeifahrzeuge und Mülltonnen an und skandierten regierungsfeindliche Slogans.  

Die Wut richtet sich insbesondere auch gegen Polizisten. So wurde bereits ein Polizist getötet, vier weitere Sicherheitskräfte wurden bei Zusammenstößen in der Millionenstadt Schiras verletzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch berichtete. In der nordöstlichen Pilgerstadt Maschhad sei zudem ein Polizist angezündet worden, bevor ihm Demonstranten mit Feuerlöschern zur Hilfe eilten, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Über die Anzahl verletzter Demonstrierender gibt es aktuell keine Angaben.

Iran: Iranische Politiker kritisierten die Sittenpolizei

Update vom Mittwoch, 21. September, 08.00 Uhr: Bei den Protesten nach dem Tod einer jungen Iranerin nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei sind mindestens drei Menschen getötet worden. Das bestätigt der Gouverneur der Provinz Kurdistan, Ismail Sarei Kooscha. Laut Nachrichtenagentur Fars sprach er am Dienstag von drei „verdächtigen“ Todesfällen bei einer „vom Feind angestifteten Verschwörung“. Die UNO und Menschenrechtsorganisationen äußerten sich besorgt. Auch iranische Politiker kritisierten die Sittenpolizei. 

Derweil forderte der Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, das Verhalten der Polizeieinheit zu untersuchen, um eine Wiederholung eines solchen Vorfalls zu verhindern. Auch die Methoden der Sittenpolizei müssten überprüft werden, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Der Abgeordnete Moeenoddin Saeedi forderte sogar die Abschaffung der Sittenpolizei. Sie sei offensichtlich nicht in der Lage, „die Kultur des Hidschabs verständlich zu machen“. 

Iran: Proteste nach Tod von Mahsa Amini

Update vom Dienstag, 20. September, 10.20 Uhr: Nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im Polizeigewahrsam sind Tausende Menschen im Iran auf die Straßen gegangen, um ihre Wut und Trauer auszudrücken. Sie fordern Aufklärung von Polizei und Regierung. Alleine in der Hauptstadt Teheran kamen am Montagabend Tausende Menschen zusammen; auch in anderen Städten der Islamischen Republik sowie Aminis Heimatprovinz Kurdistan gingen etliche Menschen auf die Straße.

Dabei kam es Medienberichten zufolge zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. An mehreren Orten riefen die Teilnehmenden der Proteste: „Wir fürchten uns nicht, wir sind alle zusammen“ - eine Parole, die vor allem während der Demonstrationen nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2009 populär geworden war.

Aus Protest verweigern Frauen im Iran das Kopftuch - der Staat reagiert mit Härte.
Aus Protest verweigern Frauen im Iran das Kopftuch - der Staat reagiert mit Härte. © IMAGO/Social Media

Iran: Proteste nach Tod von 22-jähriger Mahsa Amini - Zeitung berichtet von Toten

Die Washington Post berichtet sogar von zwei Toten in der kurdischen Stadt Saqez - Aminis Heimatstadt. Dort soll die Polizei auf Demonstrierende geschossen haben, während zwei weitere in der Stadt Divandarreh starben und ein fünfter in Dehgolan getötet wurde, so die Menschenrechtsorganisation Hengaw. Die Angaben konnten von der Washington Post nicht sofort unabhängig überprüft werden.

Die Polizei bestreitet, schuld am Tod der jungen Frau zu sein. Im Netz kursiert jedoch eine andere Version. Demnach sei ihr Kopf im Polizeiauto gegen die Scheibe geschlagen worden, was zu einer Hirnblutung geführt habe. Die Klinik, in der die 22-Jährige behandelt wurde, hatte nach ihrem Tod in einem inzwischen gelöschten Post bei Instagram geschrieben, dass Amini bereits bei der Aufnahme im Krankenhaus am Dienstag hirntot gewesen sei. 

Iran: Polizei weist Schuld am Tod von Mahsa Amini zurück - Proteste nehmen zu

Update vom Montag, 19. September, 10.50 Uhr: Aus Protest gegen den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Teheran haben bekannte Iranerinnen ihre Haare abgeschnitten. Mit den im Internet geteilten Videos und Fotos wollten die Frauen ihre Solidarität mit der jungen Frau ausdrücken, die im Iran nach ihrer Verhaftung durch die Moralpolizei ins Koma gefallen und am Freitag gestorben war. Unter ihnen war etwa die bekannte Schauspielerin Anahita Hemmati.  

Derweil weist die Polizei im Iran jegliche Schuld am Tod von Mahsa Amini zurück. Die Unterstellungen seien „grundlos“, sagte der Polizeichef der Hauptstadt Teheran, Hossein Rahimi, nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr am Montag. Die Polizei sei stets bemüht, dass solche Fälle nicht vorkommen, sagte Rahimi. „Es ist gesetzlich nun mal unsere Aufgabe, Frauen an die Kleidervorschriften zu erinnern“, so der Polizeichef. „Was sie zu Hause tragen, ist ihre Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit.“ Der Frau hätten sie jedoch kein Haar gekrümmt, versicherte Rahimi.

Mitglieder des Nationalen Widerstandsrates Iran demonstrieren vor der iranischen Botschaft in Berlin. Anlass ist der Tod von Mahsa A..
Mitglieder des Nationalen Widerstandsrates Iran demonstrieren vor der iranischen Botschaft in Berlin. Anlass ist der Tod von Mahsa A.. © Paul Zinken/dpa

Iran: Frau stirbt nach Festnahme durch die Sittenpolizei

Erstmeldung, 18. September: Teheran – Im Iran gibt es nach dem Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam heftige Kritik an der Regierung. Die 22-Jährige war am Dienstag (13. September) in der Hauptstadt Teheran wegen ihres „unislamischen“ Outfits festgenommen worden. Wenige Tage darauf wurde ihr Ableben bekannt gegeben, wobei der Polizei vorgeworfen wird, die Verhaftete zu Tode geschlagen zu haben.

Protest nach Todesfall im Iran: Sittenpolizei verhaftet Frau wegen ihrer Kleidung

Die junge Frau war für einen Familienbesuch in Teheran, als sie von der Sitten- und Religionspolizei verhaftet wurde. Kritiker des Vorfalls sagen, der Grund dafür habe nur darin bestanden, dass ihr Kopftuch nicht richtig saß und ein paar Haarsträhnen zu sehen waren. Dieser Version zufolge, die in den sozialen Medien kursiert, sei ihr nach der Festnahme auf den Kopf geschlagen worden, was zu einer Hirnblutung, einem Koma und noch am selben Tag zum Tod geführt habe. Die Polizei erzählt eine andere Geschichte.

Den Behörden im Iran zufolge starb die 22-Jährige an Herzversagen. Erst am Freitag wurde ihr Tod bestätigt. Die Vorwürfe, dass ein Schlag die Todesursache gewesen sein soll, wies die Polizei vehement zurück. Stattdessen veröffentlichte sie ein Video, dass den Herzinfarkt der Frau zeigen soll. Die Echtheit der Aufnahmen kann allerdings nicht verifiziert werden. Zudem kündigte die Regierung im Iran an, den Vorfall von einem Spezialteam untersuchen zu lassen.

Sittenpolizei: Proteste gegen Regierung im Iran nach Todesfall

Der Tod der jungen Frau hat im Iran, aber auch international, für Entsetzen und Kritik gesorgt. Bei der Beerdigung in ihrer Heimatstadt Saghes im iranischen Kurdistan demonstrierten tausende Menschen vor dem Gouverneursamt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars kam es dabei auch zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Auch in Berlin gingen Menschen am Samstag auf die Straße, um vor der iranischen Botschaft zu protestieren.

Die Kritik richtet sich auch gegen die strengen Kleidungsvorschriften für Frauen im Iran. Diese gelten seit der Islamischen Revolution von 1979, werden jedoch, insbesondere in den Metropolen, häufig ignoriert. Die Regierung des ultrakonservativen Ebrahim Raisi versucht seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger umzusetzen. Erst vor Kurzem war es zu Protesten gekommen, nachdem eine Frau im Iran wegen ihrer Kleidung festgenommen worden war. (vbu/ktho mit dpa)

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