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Der Al-Kaida-Chef der Arabischen Halbinsel: Nasser al-Wahaishi.

Al-Kaida in Arabien

Totaler Krieg gegen die Kreuzzügler

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel gilt als die weitaus gefährlichste „Filiale“ des Terrornetzes. Vor allem der bitterarme Jemen gilt schon seit langem als Rekrutierungsfeld für Gotteskrieger.

Von Birgit Cerha

Und wieder führt die Spur nach Jemen. US-Behörden hegen keine Zweifel, dass Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Akah) für das Cargo-Bomben-Komplott verantwortlich ist. Jüdische Einrichtungen in den USA wurden als mögliche Ziele genannt. US-Ermittler verdächtigen den Saudi Ibrahim Hassan al-Asiri als Drahtzieher der geplanten Attentate. Er gilt als eine der führenden Figuren der Akah.

Anti-Terror-Experten der USA stufen die Akah schon seit einiger Zeit als die derzeit wohl gefährlichste und „aktivste Al-Kaida- Filiale“ ein. Tatsächlich dürfte sich das Zentrum des internationalen Terrorismus immer mehr an die südliche Spitze der Arabischen Halbinsel verlagern, weil die USA und Islamabad im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan massiven militärischen Druck auf die Al-Kaida-Führung ausüben.

Der bitterarme Jemen gilt schon seit langem als Rekrutierungsfeld für Gotteskrieger. Hier verübten Terroristen erstmals 2000 einen spektakulären Anschlag. Bei einem Selbstmordattentat auf das Kriegsschiff USS-Cole starben 17 Matrosen.

Seitdem die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan Terroristen jagen, bietet sich Jemen mit seiner schwachen Zentralregierung als ideales Rückzugsgebiet an. Unter Führung des 2006 aus einem Gefängnis in Sanaa entflohenen Ex-Adjudanten Osama bin Ladens, Abdul Karim al Wuhayshi, schloss sich die jemenitische Al-Kaida 2009 mit aus Saui-Arabien geflüchteten Gesinnungsgenossen zur Akah zusammen.

Laut offiziellen Angaben aus Jemen zählt Akah kaum 400 Mitglieder. In Wahrheit dürften es viel mehr sein. Nach Einschätzung des jemenitischen Journalisten Nabil al-Sufi dehnt sich ihr Einfluss über fast die Hälfte des Landes aus. Es gelang den Dschihadis, Allianzen mit oppositionellen Stämmen zu schließen und unter den vielen frustrierten Jugendlichen Anhänger zu finden.Nach dem fehlgeschlagenen Anschlag auf eine US-Passagiermaschine in Detroit Ende 2009 begannen die jemenitischen Streitkräfte, mit US-Unterstützung mutmaßliche Al-Kaida-Stützpunkte zu attackieren. Akah gab daraufhin den Sturz des jemenitischen als auch des saudischen Regimes als oberstes Ziel in ihrem Kampf um die Errichtung eines islamischen Kalifats aus. Es soll die gesamte Region dominieren.

Sympathien für die Gotteskrieger wachsen

Der Anti-Terror-Kampf lässt die Sympathien für die Gotteskrieger wachsen. Denn ebenso wie in Afghanistan geraten häufig Zivilisten ins Visier der Militärs, während sich die Terroristen im unwegsamen Gebirge verschanzen. Mit steigender Zahl ziviler Opfer wächst unter den Jemeniten der Hass auf den Westen und auf das eigene Regime.

Gleichzeitig erwärmt sich die Bevölkerung mehr und mehr für die Dschihadi-Bewegung. Die rührt kräftig die Propagandatrommel. „Die Ungerechtigkeit und Unterdrückung des Volkes, das keinerlei Waffen besitzt, um sich selbst zu verteidigen, hat alle akzeptablen Grenzen überschritten“, erklärte Al-Wuhayshi vor einiger Zeit. „Es ist unsere Pflicht, diese Menschen zu unterstützen.“

Wiederholt drohte Akah auch den US-Bürgern: „Da es die Führer unterstützt, die unsere Frauen und Kinder töten ..., werden wir euch massakrieren, werden ohne Vorwarnung gegen euch losschlagen, unsere Rache ist nahe.“ Al-Kaida ruft zu einem „totalen Krieg gegen die Kreuzzügler“ auch auf der Arabischen Halbinsel auf.

Anfang Oktober entging ein britischer Diplomat in Sanaa nur knapp einem Terroranschlag. Westliche Botschaften in der Hauptstadt sind immer wieder Ziele von Attacken. Mehr und mehr Mitarbeiter westlicher Firmen und Hilfsorganisationen kehren Jemen den Rücken. Es ist ein Teufelskreis: Der Terror verschlimmert Armut und Hoffnungslosigkeit, und die treiben mehr und mehr Menschen in die Arme der Radikalen. Diesen mangelt es offenbar nicht an Geld, wohl aber an organisatorischen Fähigkeiten für spektakuläre Aktionen wie die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA. Inspire, ein englischsprachiges Online-Magazin, in dem Akah vor allem westliche Ausländer anzuwerben sucht, lässt die aktuelle Strategie erkennen: primitive Terrorattacken, die wenig erfinderische Planung voraussetzen.

Die Cargo-Bomben geben Experten deshalb Rätsel auf. Passen sie in das Schema dieser Strategie? Ihre Erfolgschancen, so meinen Terrorexperten, erscheinen so gering, dass Zweifel an den Absichten der Täter aufkommen. Wollte Akah primär Aufmerksamkeit in der der islamischen Gesellschaft auf sich ziehen, um Aktionisten anzuwerben?

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