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Toeloops im Schatten des Pentagon

Die US-Öffentlichkeit sucht und findet Ablenkung im Sport / Eiskunstlauf-WM nicht gefährdet /Baseball-Saisonauftakt in Tokio abgeblasen

Von Wolfgang Hettfleisch

Auch wenn sich Ministerpräsident Junichiro Koizumi im Staatsmänner-Häuflein der Bush-Getreuen eingereiht hat, mag der anstehende Waffengang gegen Irak den meisten Japanern als ferner Konflikt gelten, mit dem man nichts weiter zu tun hat. Doch ein leises Donnergrollen des Krieges hat am Mittwoch auch Tokio erreicht. Die Verantwortlichen der Major League Baseball (MLB), der höchsten US-Spielklasse der amerikanischsten aller Sportarten, hat den Saisonauftakt in Fernost abgeblasen. Am 25. und 26. März sollten die Seattle Mariners, wo Japans Baseball-Idol Ichiro Suzuki unter Vertrag steht, und die Oakland Athletics im Tokyo Dome aufeinander treffen. "Wir glauben, es ist am sichersten für Spieler und Mitarbeiter, die Partien neu anzusetzen", sagte MLB-Commissioner Bud Selig angesichts der wenig verlockenden Aussicht, die Teams während laufender Kampfhandlungen im Nahen Osten auf Promotion-Tour über den Pazifik zu schicken.

Mit ihrer Absage stehen die Baseball-Bosse bislang ziemlich alleine da. Ansonsten soll der Krieg am Golf für die Sportnation USA folgenlos bleiben. Das ist jedenfalls das erklärte Ziel. Man habe sich "nicht von einem Tyrannen diktieren lassen wollen, wie wir unser Leben zu leben haben", sagte der Präsident des Collegesport-Verbands NCAA, Myles Brand, am Mittwoch. Die am Donnerstag beginnende Endrunde der Studenten-Meisterschaft im Basketball wird wie geplant ausgetragen. Freilich hatte derselbe Myles Brand noch am Montag die Möglichkeit angedeutet, die landesweit beachteten College-Titelrunden, unter dem gebräuchlichen Spitznamen March Madness (März-Wahnsinn) ein Fixpunkt im sportlichen Jahreskalender der USA, gegebenenfalls zu verschieben, bis die Waffen schweigen.

Solche Überlegungen werden bevorzugt hinter verschlossenen Türen angestellt. So kursieren seit Wochen Gerüchte, die nahende Saison der NFL Europe, Europa-Ableger der mächtigen National Football League (NFL), werde aus Sicherheitsgründen in Florida ausgetragen. "Die Spieler werden nächste Woche ins Flugzeug steigen und nach Europa kommen. Das ist die einzige Entscheidung, die wir getroffen haben", beteuert der Sprecher der NFL Europe, David Tossell. Doch gleichzeitig spricht der Managing Director der Europaliga, John Beake, von Notfallplänen. Und die landesweit erscheinende Zeitung USA Today erinnert in diesem Kontext daran, dass Deutschland, die Heimstatt der drei NFL-Europe-Teams Rhein-Fire, Frankfurt Galaxy und Berlin Thunder, Schauplatz von Anti-Kriegs-Demonstrationen gewesen sei. Mithin ein gefährliches Pflaster? Schon werden Tampa, Orlando, St. Petersburg, Miami und Jacksonville als mögliche Spielsorte genannt. Noch aber bügelt der Brite Tossell alle Zweifel an der Europarunde ab, die Anfang April beginnen soll: "Wir haben ein Auge auf die Situation, sehen aber bislang keinen Anlass, von unseren Plänen abzurücken."

Ganz ähnlich äußert sich der Präsident der Internationalen Eiskunstlauf-Union (ISU), Ottavio Cinquanta, hinsichtlich der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft, die am kommenden Montag in Washington beginnen soll. Cinquanta obliegt die Entscheidung, die WM gegebenenfalls zu verschieben oder ganz ins Wasser fallen zu lassen. Die Gastgeber versichern den 194 gemeldeten Startern aus 41 Ländern, Trainern, Verbandsfunktionären und Zuschauern, die Titelkämpfe in Washington würden wie geplant durchgeführt und die Sicherheit jedes Einzelnen genieße Priorität.

Die Veranstalter um Organisationschefin Jean Davis werden nicht müde, das zu beteuern. Bei Reinhard Mirmseker, dem Präsidenten der Deutschen Eislauf-Union (DEU), ist inzwischen die dritte E-Mail eingegangen, in der es heißt, dies werde die sicherste Eiskunstlauf-WM, die es je gab. Das mag sein, doch Mirmseker sagt gleichwohl, es sei "nicht leicht, in dieser Situation in die weite Welt zu fliegen".

Das Häuflein der deutschen WM-Starter ist nach verletzungsbedingten Absagen der Eistanzpaare Kati Winkler/René Lohse und Miriam Steinel/Vladimir Tsvetkov auf Silvio Smalun und Andrejs Vlascenko in der Männerkonkurrenz sowie Eva-Maria Fitze und Rico Rex im Paarwettbewerb zusammengeschrumpft. Die als Nachrücker vorgesehenen Eistänzer Stephanie und Thomas Rauer hätten sich angesichts des heraufziehenden Krieges Bedenkzeit erbeten, berichtet Mirmseker. Der Verbandspräsident, im Brotberuf Redaktionsleiter im Magedeburger MDR-Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt, hat dafür durchaus Verständnis. "Ich sage ganz ehrlich: Mir ist auch nicht wohl bei der Sache", so Mirmseker, der die kleine DEU-Delegation in Washington anführen wird. Einen Rückzieher aber können sich die Deutschen nicht leisten, ist die WM 2004 doch nach Dortmund vergeben worden. Da könne man die Internationale Eislauf-Union ISU nicht brüskieren, sagt Mirmseker, der indes durchblicken lässt, dass er das Vorgehen der US-Regierung im Irak-Konflikt nicht gutheißt. Seine persönlichen Ansichten aber hätten im Sport nichts verloren, stellt der DEU-Präsident klar.

Wird er in Washington dennoch den politischen Gedankenaustausch mit Angehörigen der US-Delegation suchen? "Das ist sinnlos, ich hab' so etwas im privaten Rahmen schon zuletzt in St. Petersburg versucht. Die sind von ihrer Sache so überzeugt, da kommt erst gar keine Diskussion zustande."

Dossier: Krieg gegen Irak?

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