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Ziemlich allein in Paris: Präsident Emmanuel Macron (M.) und sein Stab im Videogespräch mit der Sahelgruppe.
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Ziemlich allein in Paris: Präsident Emmanuel Macron (M.) und sein Stab im Videogespräch mit der Sahelgruppe.

Afrika

Tödliches Schweigen im Sahel

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Frankreich will im Kampf gegen die islamistischen Gruppen in der südlichen Sahara unbedingt sein Gesicht wahren und lehnt – offiziell – alles andere als militärisches Durchgreifen ab.

Tenniskundige wissen um das Phänomen, dass ein Ball einen derartigen Drall bekommt, dass er nach dem Aufprall rückwärts fliegt. Politiker scheren sich um den Effekt nicht, wenn sie der Wahrheit in ihren Reden einen Drehimpuls verpassen: Wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der während des just beendeten Gipfeltreffens der Sahelgruppe eine Reduzierung französischer Truppen in der Krisenregion damit zurückwies, dass es „doch paradox“ wäre, „unsere Mittel ausgerechnet dann zu schwächen, wenn unsere politische und militärische Ausrichtung der Verwirklichung unserer Ziele günstig gesonnen ist“.

Wenn das heißen sollte, dass die Bekämpfung der Islamisten im Sahel so erfolgreich verlaufe, dass an eine Änderung der Strategie gar nicht gedacht werden müsse, hat Macron den Ball wohl überrissen. Im vergangenen Jahr starben in den drei Sahel-Staaten Mali, Burkina-Faso und Niger weit mehr als 4000 Menschen – soviel wie noch nie, seitdem Extremisten die Region unsicher machen. Und dabei hatte Frankreich seine Truppenstärke 2020 nochmal auf 5100 erhöht.

Soziale Strategie gefordert

Paris lässt sich seine militärische Präsenz im Sahel jährlich fast eine Milliarde Euro kosten: Kürzlich wurde dort der 57. französische Soldat getötet. Mehr als der Hälfte der Bevölkerung in Frankreich ist die Mission in jeder Hinsicht zu teuer: Was Macron nicht sagt aber hinter den Kulissen sucht, ist eine Gelegenheit zum eleganten Abgang. Nur wann und wie ist noch die Frage.

Unabhängige Fachleute wie die von der Internationalen Krisengruppe in Brüssel fordern schon seit längerem eine andere französische Strategie, die auf politische und soziale statt auf militärische Ziele ausgerichtet ist.

Selbst wenn den französischen Spezialeinheiten bei der Verfolgung der entweder mit Al-Kaida oder dem „Islamischen Staat“ verbündeten Terrorgruppen einige taktische Erfolge gelangen: Der Plan, sie mit gezielten Schlägen zur Aufgabe zu zwingen, ist gescheitert. Statt Frieden bringt das eine immer größere Destabilisierung: In Mali forderten Demonstranten lautstark den Abzug des französischen Militärs, auch in Burkina-Faso und im Niger werden solche Stimmen lauter. Daraus schlagen die Extremisten Kapital und stellen die Soldat:innen der einstigen Kolonialmacht als Knechte westlicher Interessen und Schutzmacht korrupter Eliten in den fragilen Staaten dar. Das zieht und die Dschihadisten finden leicht neue Parteigänger. Vor allem in den Provinzen wird der Unmut über den Kollaps staatlicher Dienste immer größer. In Burkina Faso und Mali sind ganze Landstriche für Polizei und Verwaltung unzugänglich, die Bevölkerung ist auf sich selbst gestellt.

Wunsch nach Tabubrüchen

Die Regierungen im Sahel wissen, dass sie einen anderen Weg einschlagen müssen, wenn sie dem noch gegensteuern wollen: Sie müssen mit den Extremisten reden. Dem steht ausgerechnet Frankreich im Weg. „Wir verhandeln nicht mit Terroristen, wir bekämpfen sie“, gelobte Außenminister Jean-Yves Le Drian vor wenigen Jahren: Bis heute wird in Paris zumindest nicht öffentlich über die Aufnahme von Verhandlungen mit Extremisten gesprochen – auch wenn die USA in Afghanistan gezeigt haben, dass das möglich ist. Langsam setze sich auch am Quai d’Orsay die Erkenntnis durch, dass den Sahel-Konflikten nicht militärisch beizukommen sei, meint ein Diplomat in Bamako: „Aber es ist ein langsamer Prozess und noch immer nicht offiziell.“

Burkina Fasos Regierungschef Christophe Dabiré traute sich aber jüngst: „Wir müssen Gespräche mit den Terror-Verantwortlichen aufnehmen, sonst finden wir hier niemals Frieden.“ Angeblich soll zumindest die regionale Al-Kaida-Branche Verhandlungsbereitschaft signalisiert haben – wenn Frankreich seine Truppen abzieht.

Den Dialogbereiten bleibt noch ein anderer Weg: Erstmal müssten auf lokaler Ebene Friedensinitiativen gestartet werden, meint die Internationale Krisengruppe. Damit werde dem wachsenden Einfluss der islamistischen Brandstifter am besten begegnet, sie könnten gegebenenfalls auch einbezogen werden.

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