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Immer wieder gibt es heftige Zusammenstöße zwischen Migranten und der griechischen Polizei. Die soll nun tödliche Munition eingesetzt haben.

Griechenland

Tödliche Munition an der Grenze?

Schwere Vorwürfe gegen Griechenland: Offenbar wurden an der Grenze zur Türkei leere Tränengaskartuschen mit scharfer Spitze gefunden.

Die griechische Polizei setzt laut einem Medienbericht an der türkischen Grenze offenbar „potenziell tödliche“ Tränengasgeschosse gegen Flüchtlinge und Migranten ein. An der Grenze seien leere Tränengaskartuschen mit scharfer Spitze gefunden worden, berichtet die Investigativ-Website Bellingcat. Die Website veröffentlichte ein Foto, auf dem offenbar ein Mann hinter den Reihen der Polizei zu sehen ist, der eine solche Kartusche in ein Tränengasgewehr lädt. „Normale Tränengasgeschosse“ hätten nur eine begrenzte Reichweite und verursachten eher keine schweren Verletzungen, hieß es in dem Bericht. Die gefundenen Geschosse hätten hingegen „deutlich mehr Wucht“. In Kombination mit der scharfen Spitze seien sie „potenziell tödlich“. Durch ähnliche Geschosse seien zahlreiche Demonstranten im Irak schwer verletzt oder getötet worden.

Die Türkei hatte Griechenland am Mittwoch vorgeworfen, mit scharfer Munition auf Migranten und Flüchtlinge an der Grenze geschossen und einen getötet zu haben. Athen wies dies als „Falschnachrichten“ zurück. Doch weisen auch Recherchen des britischen Senders Sky News darauf hin, dass scharf geschossen wird. Sky-News-Reporter Mark Stone berichtete, ein im Netz kursierendes Video, das mehrere Verletzte zeigt, wie sie von anderen in Decken eingewickelt von der Grenze getragen werden, sei echt. Bei den Vorkommnissen seien insgesamt sechs Menschen angeschossen worden: Drei hätten Schusswunden an den Beinen, einer im Leistenbereich, einer sei am Kopf getroffen worden und einer in die Brust, so Stone.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl reagierte scharf auf die Berichte. Sie twitterte, man habe kürzlich bereits auf Schüsse an der Grenze in Ungarn aufmerksam gemacht: „Jetzt gibt’s etliche Berichte, dass auch an der griechischen Grenze auf Geflüchtete geschossen wird. Der Schießbefehl ist europäische Realität. Nur 4 Jahre nach den AfD-Forderungen.“ Die damalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry hatte 2016 gesagt, bei illegalen Grenzübertritten müsse die Bundespolizei „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“.

Die Initiative Alarmphone beklagt wiederholte Gewalt gegen Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Griechenland wollen. Der Verbund, der Notrufe von Flüchtlingsbooten in Seenot entgegennimmt und versucht, Rettung zu vermitteln, schreibt auf seiner Website alarmphone.org, zwischen dem 1. und 3. März habe es mehrere Fälle gegeben, in denen Boote beschossen oder von Maskierten angegriffen worden seien. Teils seien die Motoren der Boote gestohlen worden. Einsatzkräfte der EU-Grenzschutztruppe Frontex und die griechische Küstenwache hätten nicht eingegriffen. (afp/RND/rü)

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