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Todeszahlen steigen: Iran meldet mehr als 300 Tote bei Protesten

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Von: Lukas Zigo

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Erstmals seit Ausbruch der Mahsa-Amini-Proteste teilt der Iran Zahlen zu den Protesten mit. Mehr als 300 Menschen sollen ums Leben gekommen sein.

Teheran – Zwei Monate ist es her, dass die junge Mahsa Amini in iranischem Polizeigewahrsam ihren Verletzungen erlag. Seit diesem Tag finden im Iran sowie im Rest der Welt vehemente Proteste statt. Nun hat sich die iranische Regierung erstmals zu den Protesten geäußert und bekannt gegeben, dass mehr als 300 Menschen infolge der Proteste zu Tode kamen.

Demonstration gegen Irans Regierung - Washington
Eine als Regimegefangene verkleidete Frau gestikuliert während einer Kundgebung und eines Marsches zur Unterstützung von Demonstranten im Iran. Die Menschen demonstrieren gegen den repressiven Kurs der iranischen Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem. © Allison Bailey/dpa

Die islamische Republik hat staatliche Sicherheitskräfte eingesetzt, um gegen die „Unruhen“ vorzugehen, die nach dem Tod der 22-jährigen Kurden-Iranerin am 16. September 2022, drei Tage nach ihrer Verhaftung wegen angeblicher Verstöße gegen die iranische Kleiderordnung für Frauen, ausgebrochen waren.

„Jeder im Land ist vom Tod dieser Frau betroffen“, sagte Brigadegeneral Amirali Hajizadeh vom Korps der islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in einem von der Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichten Video. „Ich habe keine aktuellen Zahlen, aber ich denke, dass wir vielleicht mehr als 300 Märtyrer und Tote zu beklagen haben“, darunter einige der „besten Söhne des Landes“, so Hajizadeh, Leiter der Luft- und Raumfahrtabteilung der Garde.

Iran: Offizielle Zahlen näher an Schätzungen der NGO Iran Human Rights

Diese Zahl umfasst sowohl die Menschen, die auf die Straße gegangen sind, als auch Dutzende von Polizisten, Soldaten und Milizionäre der IRGC, die bei Zusammenstößen mit Demonstranten ums Leben kamen oder anderweitig getötet wurden. Die jüngste offizielle Zahl der Todesopfer liegt wesentlich näher an der von der in Oslo ansässigen Nichtregierungsorganisation (NGO) Iran Human Rights veröffentlichten Zahl von mindestens 416 Menschen, die „bei der Niederschlagung der Proteste im Iran getötet wurden“.

Nach Angaben der Gruppe sind in dieser Zahl auch die Menschen enthalten, die bei den gewalttätigen Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Amini-Protesten und bei den Unruhen in der südöstlichen Provinz Sistan-Balutschistan nahe der Grenze zu Pakistan getötet wurden.

Iranische Justiz: Tausende bei Protesten festgenommen – Sechs Todesurteile ausgesprochen

Wie die Justizbehörde mitteilte, wurden Tausende Iraner und etwa 40 Ausländer verhaftet und mehr als 2.000 Personen angeklagt. Sechs von ihnen wurden zum Tode verurteilt, und ihre Berufungen sollen vor dem Obersten Gerichtshof verhandelt werden.

Seit der islamischen Revolution von 1979, mit der die Monarchie gestürzt wurde, schreibt das iranische Gesetz allen Frauen vor, sich bescheiden zu kleiden und einen Hidschāb zu tragen, der ihr Haar verdeckt. Diese Vorschriften werden von der Sittenpolizei durchgesetzt, die an öffentlichen Plätzen patrouilliert.

In den vergangen zwei Jahrzehnten haben jedoch viele Frauen, insbesondere in Teheran und anderen Großstädten, mehr von ihrem Haar gezeigt, bevor die Vorschriften erneut verschärft wurden – ein Brennpunkt der Proteste.

Mahsa-Amini-Proteste: Iran macht seine Feinde für Unruhen verantwortlich

Für die zivilen Unruhen im Land macht der Iran seine Feinde verantwortlich. Allen voran die USA, andere westliche Mächte und Israel. Die iranische Regierung verweist auch auf kurdisch-iranische Oppositionsgruppen im Nordirak, die sie wiederholt mit Raketen und Drohnenangriffen angegriffen haben.

Inmitten dieser Spannungen spielt die iranische Fußballnationalmannschaft am Dienstag (29. November 2022) ab 20.00 Uhr gegen die US-amerikanische Mannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Katar – ein hochpolitisches Spiel zwischen zwei Ländern, die seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen mehr unterhalten.

Die iranischen Justizbehörden kündigten am Dienstag (29. November 2022) die Freilassung von mehr als 1100 Gefangenen aus 20 Provinzen an. Unter ihnen auch Demonstranten, die nach dem iranischen WM-Sieg gegen Wales am Freitag festgenommen worden waren, berichtete die Nachrichtenagentur Mizan Online. (lz)

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