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USA

Todesstrafe in den USA: South Carolina lässt Hinrichtung durch Erschießung zu

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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17 Personen wurden in den USA 2020 hingerichtet. Der Bundesstaat South Carolina will nun neben Giftspritze und elektrischem Stuhl auch Erschießungskommandos einsetzen.

Columbia – Die USA gehören weltweit zu den wenigen Staaten, in denen noch die Todesstrafe vollstreckt wird. 17 Menschen wurden dort im Jahr 2020 hingerichtet. Im Bundesstaat South Carolina soll nun neben elektrischem Stuhl und Giftspritze eine weitere Art der Hinrichtung eingesetzt werden: Ein Erschießungskommando. Dies berichtet der Independant.

Der republikanische Gouverneur von South Carolina, Henry McMaster unterzeichnete bereits am vergangenen Freitag (14.05.2021) das Gesetz, welches die zusätzliche Hinrichtungsart erlaubt. Demnach müssen sich Insass:innen des Todestraktes in Zukunft entscheiden, ob sie mit dem elektrischen Stuhl, per Giftspritze oder durch Erschießung getötet werden sollen. Gibt es nicht genug Giftspritzen, muss die verurteilte Person eine der beiden anderen Möglichkeiten wählen.

USA: Nicht genug Giftspritzen zur Vollstreckung der Todesstrafe

Hintergrund der Regelung sind die seltenen Lieferungen der Giftstoffe für die Todesstrafe in den USA, die für die tödlichen Injektionen benutzt werden. Laut Independant hat der Bundesstaat seit Jahren keine dieser Giftspritzen mehr bekommen. Dabei ist die Hinrichtung per Giftspritze eigentlich die normale Art der Hinrichtung in South Carolina. Aufgrund des Mangels mussten bereits anstehende Exekutionen verschoben werden.

Dieser Stuhl wurde bei der vorherigen Hinrichtung durch ein Erschießungskommando in Utah im Jahr 2020 genutzt.

Während mit der Hinrichtung mit einem elektrischen Stuhl Erfahrung besteht, ist der Einsatz eines Erschießungskommandos in dem Bundesstaat der USA neu. So muss zunächst geklärt werden, wie und wo genau diese Hinrichtungen durchgeführt werden können. Man wolle sich an anderen Staaten orientieren, um zu schauen, wie man die Hinrichtung verfassungsgemäß durchführen könne. Wann zum ersten Mal die neue Hinrichtungsart eingesetzt werden soll, ist noch unklar.

South Carolina: US-Demokraten gegen Todesstrafe

Justin Bamberg, Mitglied des Repräsentantenhauses von South Carolina und Demokrat, bezweifelte laut dem Independant, ob sich die neue Regelung für die Todesstrafe rückwirkend auf bereits verurteilte Personen anwenden ließe. „So wie das Gesetz zur Zeit der Verurteilung geschrieben war, standen diese Personen vor einer Wahl: Plädiere ich auf schuldig und nehme, vielleicht, ein lebenslängliches Urteil oder ich gehe vor Gericht und riskiere den Tod.“ Er argumentierte, dass bereits verurteile Täter:innen sich möglicherweise anders verhalten hätten, wäre die Möglichkeit einer Erschießung auf dem Tisch gewesen.

Trotzdem setzten sich die Republikaner durch. Damit ist das Gesetz auch rückwirkend gültig. Bamberg, selbst Anwalt, ist außer sich. „Das ist einfach nicht richtig“, sagte der Demokrat empört. „Wir können nicht die Regeln des Spiels ändern, nachdem das Spiel bereits gespielt worden ist und es Gewinner und Verlierer gibt.“

Demokraten: Erschießungskommandos erinnern an Nordkorea, nicht an die USA

Bamberg kritisierte den Einsatz der Todesstrafe. Denn die wird keinesfalls gleichmäßig eingesetzt. „Von den 282 Todesstrafen, die in diesem Bundesstaat durchgeführt wurden, wurden 74 Prozent an afroamerikanischen Männern vollzogen“, sagte Bamberg. Dabei machen Afroamerikaner nur 37 Prozent der Einwohner des Bundesstaates aus. Hinrichtungen seien niemals „human“ sagte Bamberg dem Fernsehsender MSNBC. Doch Erschießungskommandos, dies sei etwas, was man in Nordkorea mache, ergänzte der Demokrat. Nicht in den USA.

Den Republikanern scheint dieser Einwand egal zu sein. Trotzdem rechnen sie mit Klagen gegen das Gesetz, wie South Carolina Senator Greg Hembree laut dem Independant zugibt. „Bei der ersten Exekution wird sich wohl der Oberste Gerichtshof der USA damit befassen müssen“, sagte der Republikaner.

Todesstrafe: In 27 Bundesstaaten der USA ist die Hinrichtung noch erlaubt

Erschießungen sind zwar in einigen Bundesstaaten Möglichkeiten der Hinrichtung, kommen jedoch tatsächlich sehr selten zum Einsatz, laut dpa zuletzt 2010 im Bundesstaat Utah. Unter Ex-Präsident Donald Trump wurden in den USA wieder mehr Personen hingerichtet, darunter auch durch den Bund selbst, welcher zuvor fast zwei Jahrzehnte lang keine Hinrichtungen vorgenommen hatte. Trumps Nachfolger Joe Biden lehnt die Todesstrafe hingegen strikt ab. In 27 Bundesstaaten der USA ist derzeit die Todesstrafe noch erlaubt, drei haben die Anwendung jedoch ausgesetzt. (als mit dpa)

Rubriklistenbild: © Utah Department Of Corrections/dpa

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