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Iran: Gericht ordnet Tod von zwei LGBTQ+-Aktivisten an

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Von: Nils Tillmann

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Im Iran kann Homosexualität mit der Todesstrafe bestraft werden. Aktivistinnen machen auf dem CSD in Berlin auf die Lage aufmerksam. (Archivfoto)
Im Iran kann Homosexualität mit der Todesstrafe bestraft werden. Aktivist:innen machen auf dem CSD in Berlin auf die Lage aufmerksam. (Archivfoto) © Johannes Eisele/afp

Zugehörige der LGBTQ+-Community sehen sich im Iran weiterhin schwerer Repression ausgesetzt. Zwei Aktivist:innen droht nun die Todesstrafe.

Urmia – Ein Gerichtshof in der iranischen Stadt Urmia hat am vergangenen Sonntag die Todesstrafe gegen zwei LGBTQ+-Aktivist:innen verhängt. Zahra Sedighi-Hamadani und Elham Choobdar wurden von einem islamischen Revolutionsgericht unter der Anklage von „Verdorbenheit auf Erden“ verurteilt, wie die britische Zeitung The Independent berichtet. Diese Anklage sei mit der „Verbreitung“ von Homosexualität und christlichem Gedankengut, sowie der Kontaktaufnahme mit feindlichen Auslandsmedien begründet worden.

Sedighi-Hamadani, auch als Sareh bekannt, hatte sich in den vergangenen Jahren öffentlich für eine nicht-binäre Geschlechteridentität, gleichgeschlechtliche Beziehungen und die Ablehnung von traditionellen Geschlechterrollen eingesetzt. Im Oktober 2021 soll Sareh bei einer unerlaubten Grenzüberquerung in die Türkei festgenommen worden sein. Aktivist:innen beklagen, dass dieses Vergehen, das im Iran üblicherweise mit einer Geldstrafe geahndet wird, zur politischen Verfolgung Sarehs ausgenutzt werde. Aktivist:innen halten es für möglich, dass ein Interview Sarehs mit der BBC zu einer Eskalation der Lage beigetragen haben könnte.

Todesstrafe für LGBTQ+-Aktivist:innen im Iran: Menschenrechtsorganisationen fordern Freilassung

Auf regimenahen Nachrichtenportalen und Kanälen in den sozialen Medien wurde in den vergangenen Monaten zudem Stimmung gegen Sedighi-Hamadani gemacht, wie The Independent weiter berichtet. Ohne Beweise wurden dort zu den Anklagen vor Gericht auch Vorwürfe des Menschenhandels und von Finanzverbrechen kursiert.

Über das Verfahren gegen Choobdar ist neben der jüngsten Verurteilung wenig bekannt. Da beide Fälle unter der Aufsicht der iranischen Revolutionsgarde verlaufen, gelangen nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit. Auch wurden noch keinerlei Beweise oder Details über die Prozessverläufe veröffentlicht. Bevor es zu einer Hinrichtung kommt, muss das Urteil noch in höherer Instanz bestätigt werden. In vergangenen Fällen sind Urteile im Iran nach nationalem oder internationalem Druck dort noch herabgestuft worden. Amnesty International setzt sich bereits seit Monaten für die Freilassung Sedighi-Hamadanis ein.

Iran gilt als eines der gefährlichsten Länder für Homosexuelle. In einer Studie des Williams Institute wurde der Iran als das Land mit der weltweit elft-niedrigsten Akzeptanz für LGBTQ+-Personen eingestuft. Der ehemalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte 2007 behauptet, dass Homosexualität im Iran nicht existiere. Jedes Jahr fliehen Menschen aus dem Iran, weil ihnen dort für ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechteridentität die Todesstrafe drohen könnte. (nt)

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