Todeskampf löst höchst verschiedene Reaktionen aus

Gemäßigte Kräfte in der arabischen Welt bedauern den Kranken und bangen um den Friedensprozess, Radikale zeigen kein Mitleid

Kairo/Damaskus · Die Palästinenser-Regierung erwartet durch die schwere Erkrankung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zusätzliche Schwierigkeiten für den Nahost-Friedensprozess. "Politisch werden sich die Unsicherheiten auf dem Weg zurück zum Friedensprozess vergrößern", sagte der stellvertretende palästinensische Ministerpräsident Nabil Schaath am Donnerstag. "Es ist kaum vorherzusagen, was geschehen wird." Zugleich sprach er dem Schwerkranken sein Mitgefühl aus.

Scharon hatte im Vorjahr ein Ende der 38-jährigen israelischen Militärherrschaft über den palästinensischen Gaza-Streifen gegen eine starke rechte Opposition in Israel durchgesetzt. Zu den vorgezogenen israelischen Parlamentswahlen im März trat er zudem mit einer neuen Partei an, die eine Beendigung des Konflikts mit den Palästinensern versprach. Er kündigte an, weitere besetzte Gebiete im Westjordanland aufzugeben, erklärte aber zugleich, große israelische Siedlungen auf palästinensischem Land behalten zu wollen.

Palästinensische Extremisten-Gruppen erklärten, der Nahe Osten stehe ohne Scharon vor einer besseren Zukunft. Scharon habe jahrzehntelang Massaker und Terror an den Palästinensern verübt, erklärte die Hamas. "Wir haben kein Mitleid mit ihm und er kann zur Hölle fahren, lebendig oder tot", sagte ein Sprecher des Islamischen Dschihads. Beide Gruppen kämpfen für eine Zerstörung Israels und sind seit Jahren das Ziel massiver israelischer Angriffe.

Der Sprecher der radikalen Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), Maher al-Taher, erklärte, im Friedensprozess sei derzeit ohnehin kein Fortschritt zu erwarten, "weder mit Scharon noch ohne ihn". Der stellvertretende Vorsitzende des Politbüros der Islamistenorganisation Hamas, Mussa Abu Marzuk, sagte: "Auch der Ersatz für Scharon wird nicht besser sein."

Der syrische Abgeordnete Mohammed Habasch äußerte dagegen die Hoffnung, "dass es um den Nahen Osten ohne Ariel Scharon besser bestellt sein wird, denn sein Name steht für Gewalt". Ahmed Dschibril, der die in Damaskus ansässige linke radikale palästinensische Splittergruppe PFLP-Generalkommando leitet, kommentierte Scharons Todeskampf mit den Worten: "Wir danken Gott für dieses Geschenk, das er uns zum Jahresbeginn beschert hat."

Der jordanische Ex-Minister Munther Haddadin, der mit Scharon 1997 über die Umsetzung des jordanisch-israelischen Friedensvertrags verhandelt hatte, sagte: "Wenn Scharon stirbt, dann würde sein Stellvertreter Ehud Olmert bis zu den Wahlen im März eine schwache Regierung leiten, die nicht mehr wäre als eine hinkende Ente." Scharon wäre der "beste Mann", um Vereinbarungen mit den Palästinensern umzusetzen. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion