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Mit Tito hatte Stalin nicht gerechnet

Die Teilung des Balkans nach dem Weltkrieg hatte keinen Bestand - ebensowenig wie das jugoslawische ExperimentDie Niederlage der deutschen Wehrmacht auf dem Balkan ging am Ende ganz schnell. Seit August 1944 befreiten die Sowjets Rumänien, Bulgarien und eroberten gemeinsam mit Titos Partisanen Belgrad. Doch als sich Stalin mit Churchill den Balkan aufteilte, hatte die Rechnung ohne Tito gemacht.

Von THOMAS BREY (BELGRAD, DPA)

Die Niederlage der deutschen Wehrmacht auf dem Balkan ging am Ende ganz schnell. Den Auftakt machte im August 1944 Rumänien, wo die Rote Armee die neu aufgestellte 6. Armee des Gegners vernichtete. Schon im September hatten die Sowjetsoldaten das Nachbarland Bulgarien im Griff. Am 20. Oktober eroberten sie gemeinsam mit den kommunistischen Partisanen Josip Broz Titos Belgrad.

"Wir sind nicht von der Roten Armee, sondern von unseren eigenen Verbänden befreit worden", lernten die Kinder noch Jahrzehnte später stolz in der Schule. Daraus bezogen die jugoslawischen Kommunisten später das Recht auf ihren Widerstand gegen die Moskauer Versuche der Gleichschaltung. Schließlich schloss die Rote Armee am 11. Februar 1945 die Eroberung Ungarns ab, nachdem schon am 24. Dezember in der Hauptstadt Budapest 70.000 deutsche und ungarische Soldaten eingekesselt worden waren.

Bis heute ist von der Geschichtswissenschaft nicht geklärt worden, wieso sich der sowjetische Gewaltherrscher Josef Stalin und der britische Premier Winston Churchill im Oktober 1944 in Moskau so schnell über die Aufteilung der Balkanhalbinsel verständigen konnten. "Die ganze Angelegenheit benötigte weniger Zeit als ihre Niederschrift", wunderte sich Churchill später.

Zuvor hatte dieser "auf einem halben Blatt Papier" Stalin die neuen Abgrenzungen vorgeschlagen: Die Russen sollten in Rumänien zu 90 Prozent, in Bulgarien zu 75 Prozent das Sagen haben. Griechenland wurde zu 90 Prozent dem Westen zugerechnet, in Jugoslawien und Ungarn sollten West und Ost je zur Hälfte bestimmen können.

Stalin hatte von Anfang an nicht vor, sich an diese Abmachung zu halten. Bis zum Ende des Jahrzehnts hatte er mit Ausnahme Griechenlands überall die kommunistische Machtergreifung durchgesetzt. Jugoslawien und Bulgarien fielen 1946, Rumänien 1948 und Ungarn 1949 in die sowjetische Einflusssphäre. In Griechenland wurde ein Bürgerkrieg angezettelt.

Mit Tito hatte Stalin nicht gerechnet

Doch in Jugoslawien hatte Stalin nicht mit dem selbstbewussten kommunistischen Partisanenführer Tito gerechnet. Der schaffte es 1948, sich von Moskau loszusagen und eine Position zwischen den sich abzeichnenden politischen und militärischen Blöcken West und Ost einzunehmen. Nach der dadurch bedingten Unterbrechung des Nachschubs über Jugoslawien brach der kommunistische Widerstand in Griechenland zusammen und das Land schlug den Weg zu einer westlich orientierten konstitutionellen Monarchie ein. Das kleine Albanien wechselte Mitte der 60er Jahre seinen Bündnisgenossen Moskau gegen das chinesische Peking aus.

Die damals beschlossene Aufteilung hatte aber nur vorübergehenden Bestand. Vor allem das Experiment des Vielvölkerstaates Jugoslawien scheiterte, nachdem der politische Übervater Tito 1980 gestorben war.

Das Ende des jugoslawischen Experiments

In blutigen Bürgerkriegen wurde die Jahrzehnte lang beschworene "Brüderlichkeit und Einheit" aller südslawischen Völker über Bord geworfen. Fünf neue Staaten entstanden: Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien-Montenegro. Zwei weitere werden es wahrscheinlich noch werden - Montenegro und Kosovo.

Aber es gibt auch positive Beispiele, dass nationale Streitigkeiten nicht immer nur in Krieg enden müssen: Die Probleme der großen ungarischen Minderheiten in Rumänien und der Slowakei konnten durch die erworbenen oder angestrebten Mitgliedschaften dieser Staaten in der Europäischen Union unter friedlicher Kontrolle gehalten werden.

Ein großes nationales Problem ist auf dem Balkan aber immer noch offen: Die so genannte albanische Frage. Die Albaner siedeln als eines der größeren Balkanvölker heute in der "Mutterrepublik" Albanien, in der abtrünnigen südserbischen Provinz Kosovo, in Südserbien selbst, sowie in Mazedonien und Montenegro.

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