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Tiktok spioniert Medienschaffende und ihre Quellen aus

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Von: Jana Ballweber

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Tiktok gibt erstmals zu, Journalist:innen gezielt ausgespäht zu haben, um an die Identität von Whistleblowern zu gelangen.

Frankfurt - Die Videoplattform Tiktok spioniert Journalist:innen aus, um an deren Quellen zu gelangen. Das berichtet das US-amerikanische Magazin Forbes. Tiktoks Mutterkonzern, das chinesische Unternehmen Bytedance, hat die Vorwürfe eingeräumt und mehrere Mitarbeiter, die für die Überwachung verantwortlich gemacht werden, entlassen.

Die Autorin des Forbes-Artikels, Emily Baker-White, ist selbst eine der betroffenen Journalist:innen. Bevor sie zu Forbes wechselte, war sie bei BuzzFeed News angestellt und hatte dort über die illegalen Datenauswertungen bei Tiktok recherchiert. Um herauszufinden, ob sie sich für diese Recherchen mit Mitarbeitenden von Tiktok getroffen haben könnte, die ihr internes Material zugespielt haben sollen, nutzte Tiktok die Baker-Whites IP-Adresse, mit der sie sich in der App angemeldet hatte.

Tiktok spioniert Standortdaten von Medienschaffenden und Mitarbeitenden aus

So konnte das Unternehmen ihre Standortdaten nachvollziehen und mit denen der Mitarbeitenden abgleichen, die verdächtigt wurden, Material weitergegeben zu haben. Forbes hatte schon im Oktober über die Machenschaften berichtet. Jetzt hat der Konzern mit Sitz in China erstmals eingestanden, dass es die Überwachung tatsächlich gegeben habe. Mit den Entlassungen versucht Bytedance nun wohl, die Verantwortung für die Spionage dem Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter:innen zuzuschreiben.

Ein Smartphone zeigt die App Tiktok im App Store an.
Spionage und Überwachung sind die dunkle Seite von Tiktok. © IMAGO/Rüdiger Wölk

Noch im Oktober hatte Bytedance öffentlich abgestritten, US-Bürger:innen auf diese Weise überwacht zu haben. Interne Dokumente, die die betroffenen Journalist:innen auswerten konnten, zeigen allerdings, dass Tiktok-Daten sehr wohl in exakt dieser Weise verwendet worden waren.

US-Regierung und Tiktok streitet über Datenschutz

Der Fall ist vor allem brisant, weil der Schutz der Daten von US-amerikanischen Nutzer:innen Gegenstand eines laufenden Streits zwischen Bytedance und der US-Regierung ist. Der chinesische Konzern hatte immer wieder versichert, die US-amerikanischen Datenschutzgesetze zu respektieren. Immer wieder hatte es allerdings Berichte gegeben, nach denen Nutzerdaten aus den USA in die Hände Chinas gelangt sei.

Die US-Regierung fürchtet Tiktok als chinesisches Spionage-Instrument. Allerdings haben auch US-amerikanische Internetkonzerne in der Vergangenheit mit ähnlichen Praktiken auf sich aufmerksam gemacht. Sowohl Uber als auch Facebook werden verdächtigt, Journalist:innen, die kritisch über die Unternehmen berichtet haben, mithilfe der IP-Adresse überwacht zu haben. Auch hier soll es darum gegangen sein, die Identität von Whistleblowern aufzudecken.

Spionage gegen Journalist:innen: Geschäftsmodell von Tiktok könnte Pressefreiheit gefährden

Die Beispiele werfen Fragen zur Vereinbarkeit von Pressefreiheit und dem Geschäftsmodell der großen Internetkonzerne auf. Die Auswertung von massenhaft erhobenen Nutzerdaten ist der Weg, mit kostenlosen Social-Media-Plattformen wie Tiktok Geld zu verdienen.

Sie erlaubt es den Konzernen, Werbeanzeigen zu verkaufen, die genau auf die Interessen der Nutzer:innen zugeschnitten sind. Solange diese Daten gesammelt werden, gibt es kaum verlässliche Wege, den Missbrauch der Daten durch die Konzerne, zum Beispiel zulasten der Pressefreiheit, zu verhindern. (Jana Ballweber)

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