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Donald Trump und TikTok: Eine Feindschaft mit Vorgeschichte

  • vonThomas Spang
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US-Präsident Donald Trump droht damit, die beliebte chinesische Video-App TikTok in den USA zu verbieten. TikTok will hingegen weiter investieren.

  • Donald Trump droht mit einem Verbot der App TikTok in den USA.
  • Nutzer von TikTok hatten einen Auftritt von Trump im Wahlkampf gestört.
  • TikTok kündigt jedoch überraschende Maßnahmen an.

Washington - Die Verunsicherung nach der Einmischung aus dem Weißen Haus ist groß. „Was Tiktok angeht, werden wir es in den Vereinigten Staaten verbieten“, erklärte Donald Trump. „Ich habe die Autorität dazu.“ Weder Microsoft noch die chinesische Muttergesellschaft „Bytedance“ können sich einen Reim darauf machen, was die Motive des US-Präsidenten hinter den Drohungen gegen den populären Dienst sind.

Millionen Amerikaner nutzen Tiktok, um kurze Videos zu teilen. Darunter auch die Clips der Komikerin Sarah Cooper, deren Lippensynchronisationen von Aussagen des Präsidenten rasante Verbreitung über die Plattform fanden. Sie hat mehr als eine halbe Million Anhänger auf Tiktok und stieg zu einem internationalen Star auf.

USA: Donald Trump droht mit Verbot von beliebter App TikTok

Das Magazin „Vogue“ schreibt, der Grund hinter Trumps Angriff könnten Cooper und Rache für die Pleite seines Wahlkampfauftakts von Tulsa sein. Zehntausende Nutzer hatten für die Trump-Kundgebung im Juni Tickets bestellt und sind dann nicht zu der Veranstaltung gekommen. Stattdessen posteten Tiktoker Videos, in denen sie höhnisch erklärten, dass sie „leider, leider“ nicht hätten teilnehmen können.

TikTok

Die App Tiktok des chinesischen Unternehmens Bytedance hat weltweit rund eine Milliarde Anhänger. Bytedance gehört dem Unternehmer Zhang Yiming, der zu den 20 reichsten Chinesen gezählt wird.

Die Nutzer – in vielen Fällen Jugendliche – erstellen, schauen und teilen Videos mit einer Spieldauer von 15 bis 60 Sekunden: Tanz, Parodien, Sketche, Schönheitstipps und mehr. Auch Influencer nutzen Tiktok zur Vermarktung. In China trägt die App den Namen Douyin. Es gibt sie in 65 Sprachen.

Vorwürfe gegen Tiktok lauten unter anderem auf Zensur und mangelnden Datenschutz. Im vergangenen Jahr wurde das Video einer 17-Jährigen aus den USA gelöscht, die in einer harmlos aufgemachten Schminkanleitung die Verfolgung von Uiguren in China anprangerte. Tiktok bestritt, dass der Clip wegen seines Inhalts entfernt worden sei. Wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Kinderpornografie kann Tiktok in Bangladesch nicht mehr genutzt werden. In Indien wurde die App im Juni nach Zusammenstößen des Militärs mit chinesischen Truppen im Himalaya verboten. Allein in Indien hatte die App 120 Millionen Nutzer. FR/afp/dpa

Bereits seit Monaten äußern das Weiße Haus und das US-Außenministerium Bedenken über die Sicherheit der Daten amerikanischer Nutzer. Obwohl diese auf Rechnern in den USA gespeichert werden, sorgen sich Regierungsexperten, dass die Chinesen durch eine Hintertür Zugriff auf die Daten des in Peking angesiedelten Internetriesen „Bytedance“ erhielten. Die App selber steht in Verdacht ein trojanisches Pferd zu sein, über das die Chinesen an sensible Informationen gelangen könnten.

Der Präsident (hier nach einer Partie im Trump National Golf Club in Sterling) liest lieber Zeitung als Tiktok zu folgen.

Trumps TikTok-Verbot für US-Soldaten bereits in Kraft

Die US-Streitkräfte haben bereits die Installation der Tiktok-App auf dienstlichen Smartphones verboten und Soldaten angewiesen, diese zu entfernen, falls sie bereits auf dem Gerät war. In der vergangenen Woche beschloss der für die innere Sicherheit zustände Ausschuss im US-Senat einen Gesetzesentwurf, der den Bann auf alle staatlichen Behörden ausdehnte.

Die Sicherheitsbedenken mündeten in der Forderung nach einem Verkauf des amerikanischen Arms an ein US-Unternehmen. Donald Trump konnte nicht entgangen sein, dass die Gespräche zwischen Microsoft und „Bytedance“ bereits weit fortgeschritten waren. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sah alles danach aus, dass die Unternehmen den Deal an diesem Montag in trockene Tücher gebracht hätten.

Trotz drohendem Verbot durch Trump: TikTok will weiter investieren

Um die Bedenken des Weißen Hauses weiter zu zerstreuen, kündigte die General-Managerin von Tiktok, Vanessa Pappas, an, der Dienst werde über die kommenden drei Jahre weitere 10 000 Mitarbeiter in den USA einstellen. Bisher beschäftigt das Netzwerk rund 1500 Menschen. „Wir stellen einen Fonds über eine Milliarden Dollar für unsere Kreativen zu Verfügung“, sagte Pappas. „Und wir investieren in die Sicherheit unserer App, weil es richtig ist.“ Angesichts der fortgeschrittenen Gespräche über eine Abkopplung des Dienstes von China ist die Intervention des Präsidenten umso erstaunlicher. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU warnt vor einem Verbot Tiktoks. Sie wittert dahinter „einen Angriff auf die Meinungsfreiheit“.

Die Reaktionen unter Nutzern und Stars des beliebten Diensts fallen ebenfalls heftig aus. Der 19-jährige Ariel Martin, der unter dem Namen „Baby Ariel“ mit 34,5 Millionen Nutzern zurzeit der beliebteste Tiktoker ist, kommentierte die Drohung des Präsidenten mit einem Satz: „Ich hasse Donald Trump.“ (Von Thomas Spang)

In den USA schlug die Verfügung von Donald Trump gegen die Video-App TikTok hohe Wellen. Jetzt wehrt sich das Unternehmen aus China.

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/AP/dpa

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