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Der tiefe Fall des obersten Agenten

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Hat seinen Rücktritt eingereicht: Der Chef der 16 US-Geheimdienstbehörden, Dennis Blair.
Hat seinen Rücktritt eingereicht: Der Chef der 16 US-Geheimdienstbehörden, Dennis Blair. © Foto: dpa

Der "Topspion" der USA, Dennis Blair, nimmt nach nur gut einem Jahr im Amt den Hut. Es war ein Rausschmiss dritter Klasse - denn schon zuvor waren Gerüchte über einen bevorstehenden Abschied durchgesickert. Von Dietmar Ostermann

Von Dietmar Ostermann

Washington. Es war ein Rausschmiss dritter Klasse: Noch bevor Amerikas oberster Terror-Bekämpfer Dennis Blair am Freitag seinen Rücktritt bei US-Präsident Barack Obama offiziell einreichen konnte, pfiffen anonyme Spatzen die Nachricht schon vom Dach des Weißen Hauses. Auch Gespräche mit "starken Kandidaten" für die Nachfolge seien bereits geführt worden, hieß es da. Blair ließ derweil in einer launigen E-Mail an seine Mitarbeiter verlauten, der Schritt erfolge "mit tiefem Bedauern". Am 28. Mai werde er sein Amt niederlegen. Gründe nannte er nicht.

Die aber sind mitnichten ein Geheimnis: Nach schweren Pannen, zwei nur knapp gescheiterten Anschlagsversuchen innerhalb weniger Monate und internen Zerwürfnissen hatte der Präsident das Vertrauen in seinen Geheimdienstkoordinator verloren. In einem Telefongespräch soll Obama dem Vier-Sterne-Admiral persönlich klar gemacht haben, was von ihm erwartet wird.

Gerüchte über Blairs bevorstehenden Abschied machten in Washington seit Dezember die Runde, als der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab beim Landeanflug auf Detroit einen Sprengsatz in seiner Unterhose detonieren lassen wollte. Das Attentat misslang, doch Amerikas Geheimdienste hatten bei der Terrorabwehr wieder mal grandios geschlampt.

Vor allem das Blair direkt unterstellte National Counterterrorism Center (NCTC), wo alle Fäden zusammen laufen sollten, geriet in die Kritik. Abdulmutallabs Vater hatte persönlich US-Behörden vor seinem Sohn gewarnt. Hinweise auf einen von einem Nigerianer geplanten Anschlag lagen vor. Trotzdem konnte Abdulmutallab mit der Unterhosen-Bombe ein Flugzeug Richtung USA besteigen. "NCTC hatte die Verantwortung und Möglichkeit, die Hinweise zu verknüpfen. NCTC war nicht angemessen organisiert, um seinen Auftrag zu erfüllen", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Untersuchungsbericht des Kongresses, der insgesamt vierzehn Pannen auflistet.

Beim gescheiterten Bombenanschlag Anfang Mai auf dem New Yorker Times Square waren die Schlapphüte dann wieder nicht im Bild. Der mutmaßliche Attentäter, ein US-Amerikaner, soll zuvor Sprengstofftraining bei Pakistans Taliban erhalten haben.

Zwar lobte Obama, Blairs Behörde habe unter seiner Leitung "bewundernswert und effektiv in Zeiten großer Herausforderungen für unsere Sicherheit" gearbeitet. Mit dem 63-jährigen Marineadmiral aber ist binnen fünf Jahren schon der dritte nationale Geheimdienstdirektor gescheitert. Das Amt war vom Kongress nach den Anschlägen vom 11. September 2001 geschaffen worden, um die 16 oft rivalisierenden US-Geheimdienste unter einem Dach zu bündeln.

Ohne Zuständigkeit für Budget, Personal und operative Planung aber gilt der Geheimdienstkoordinator weitgehend als Frühstücksdirektor - und erstes Bauernopfer, wenn etwas schief geht. Wie seine Vorgänger kämpfte auch Dennis Blair vergeblich um mehr Vollmachten. In der Folge galt sein Verhältnis zu CIA-Chef Leon Panetta und Präsidentenberater John Brennan als zerrüttet. Favorit für die Nachfolge ist laut der Zeitung New York Times der Abwehrchef des Verteidigungsministeriums, James Clapper.

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