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Russland gibt militärische Probleme zu: „Nicht genügend Ärzte“ an der Front

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Von: Sandra Kathe, Caspar Felix Hoffmann, Andreas Apetz, Christian Stör

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Russland kämpft im Ukraine-Krieg mit schweren Verlusten. Nun muss die Armee bei ihren Waffen improvisieren: der News-Ticker.

+++ 21.32 Uhr: Der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki hat Probleme beim russischen Militär eingeräumt. Bei einem Treffen des Außenausschusses der russischen Staatsduma in St. Petersburg sprach Sluzki Mängel in der gesundheitlichen Versorgung an. Darüber berichtete die Tagesschau. „Es gibt nicht genügend Ärzte in den Militäreinheiten; jeder sagt das. Ich kann nicht sagen, dass es sie überhaupt nicht gibt. Aber sie sind dort praktisch nicht zu sehen“, wird der Außenpolitiker zitiert.

In der Vergangenheit wurde außerdem die schlechte Ausrüstung der russischen Armee von den eigenen Soldaten kritisiert. Sluzki, ein Verfechter des russischen Kurses in der Ukraine, versprach, die Probleme mit dem Verteidigungsministerium zu besprechen. „Wir müssen uns im Klaren sein, dass die ganze Welt uns beobachtet.“ Wenn Dinge wie Socken oder Ärzte fehlten, führe das zu Fragen, die nur schwer zu beantworten seien, sagte Sluzki.

Verluste für Russland im Ukraine-Krieg: Moskau unter Druck – Bevölkerung immer unzufriedener

+++ 20.44 Uhr: Zwischen Russland und der Ukraine wurden bereits zum dritten Mal innerhalb einer Woche Kriegsgefangene ausgetauscht. Wie der Chef des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Jermak, auf seinem Telegram-Kanal mitteilte, sei es gelungen „zwölf unserer Leute zu befreien“ zu befreien. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigt den Austausch von zwölf Gefangenen mit russischer Staatsangehörigkeit.

Ukrainische Soldaten feuern auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Nähe von Cherson
Ukrainische Soldaten feuern auf russische Stellungen an der Frontlinie in der Nähe von Cherson. (Archivfoto) © Bernat Armangue/dpa

Bei den Ukrainern handelt es sich nach Angaben aus Kiew um neun Soldaten und drei Zivilisten, die als vermisst gemeldet worden waren. Bei den „Russen“ soll es sich um Bewohner der „Donezker Volksrepublik“ im Osten der Ukraine handeln. Die Bereitschaft Moskaus zum Gefangenenaustausch erklärt das amerikanische Institute for the Study of the War mit der zunehmenden Unzufriedenheit der eigenen Bevölkerung über die russische Mobilmachung. Große Teile der Bevölkerung fürchten um ihre Angehörigen.

Verluste für Russland im Ukraine-Krieg: Ukraine erzielt schwere Treffer und zerstört „wichtige Objekte“

+++ 18.29 Uhr: Der Generalstab der ukrainischen Armee vermeldet neue Erfolge im Süden des Landes. Laut dessen Abendbericht auf facebook soll es den Streitkräften gelungen sein, mittels Artillerie mehrere schwere Treffer, unter anderem auf der russisch besetzten Krim zu erzielen.

Beim Beschuss eines Kontrollpunkts in der Stadt Dschankoj im Norden der Halbinseln sollen insgesamt neun „wichtige Objekte“ getroffen worden sein. Dabei handle es sich nach Angaben des ukrainischen Generalstabs vor allem um Waffen und militärische Ausrüstung der russischen Armee. Der getroffene Stützpunkt soll erst vor Kurzem durch die russischen Besatzer aufgebaut worden sein.

Verluste für Russland im Ukraine-Krieg: BBC sammelt Informationen über getötete Russen

+++ 14.25 Uhr: Der BBC ist es eigenen Angaben zufolge gelungen, Informationen über den Tod von 326 mobilisierten Russen zu bestätigen. Insgesamt seien aus offenen Quellen die Namen von mehr als 9.300 russischen Soldaten bekannt, die im Krieg in der Ukraine gefallen sind.

Seit dem ersten Tag des Krieges führe der russischsprachige Dienst der BBC zusammen mit dem Medienunternehmen Mediazona – das in Russland als „ausländisches Agentenmedium“ gelte – und einem Team von Freiwilligen eine Liste der russischen Verluste in der Ukraine. Bis zum 25. November könne man Informationen über 9.311 getötete Soldaten und Offiziere bestätigen.

Verluste für Russland im Ukraine-Krieg: Arsenal an Langstreckenraketen fast erschöpft

+++ 11.00 Uhr: Russland setzt in der Ukraine nach Einschätzung britischer Geheimdienste veraltete Trägerraketen ein, die eigentlich für nukleare Sprengköpfe ausgelegt sind. Auf öffentlich zugänglichen Aufnahmen seien Trümmer eines mutmaßlich abgeschossenen Raketentyps zu erkennen, der aus den 1980er Jahren stamme und als nukleares Trägersystem entwickelt worden sei, hieß es in einem Bericht des britischen Verteidigungsministeriums. Die Trägerraketen würden jetzt unbewaffnet abgefeuert, ohne die Sprengköpfe.

Obwohl diese Raketen trotzdem Schaden anrichten könnten, sei es unwahrscheinlich, dass Moskau damit ernsthafte Erfolge erreiche, hieß es von der britischen Regierung. Vielmehr hoffe der Kreml wohl darauf, die ukrainische Luftabwehr abzulenken. London wertete dies als Zeichen dafür, wie erschöpft Russlands Arsenal an Langstreckenraketen sei.

Verluste für Russland im Ukraine-Krieg: Kiew meldet die aktuellen Zahlen

Update vom Samstag, 26. November, 08.40 Uhr: Der ukrainische Generalstab hat die Daten zu den Verlusten Russlands aktualisiert. Demnach sind Russland seit Beginn des Ukraine-Kriegs 86.710 russische Soldaten im Kampf gefallen. Der Generalstab nennt auch weitere Daten zu Flugzeugen, Hubschrauber, Panzer und anderem Militärgerät. Die Verluste Russlands im Überblick:

Soldaten: 86.710 (+560 zum Vortag)

Flugzeuge: 278 (+0)

Hubschrauber: 261 (+0)

Panzer: 2901 (+2)

Gepanzerte Kampffahrzeuge: 5848 (+4)

Artilleriesysteme: 1896 (+1)

Luftabwehrsysteme: 209 (+0)

Mehrfachraketenwerfer: 395 (+0)

Autos und andere Fahrzeuge: 4406 (+2)

Schiffe: 16 (+0)

Unbemannte Kampfdrohnen: 1554 (+1)

(Stand: Samstag, 26. November)

Die Angaben zu den Verlusten Russlands im Ukraine-Krieg stammen vom ukrainischen Verteidigungsministerium. Sie lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Der Kreml selbst macht nur sehr wenig Angaben zu eigenen Verlusten.

Verluste für Russland: Whistleblower wirft Vorgesetzten Verhalten „wie im Zirkus“ vor

+++ 19.06 Uhr: Immer häufiger wenden sich russische Soldaten an russlandkritische Medien, um über die Zustände an der Front zu berichten. Dabei kommt auch immer wieder zur Sprache, wie Russland einen Großteil seiner Gefallenen totschweigen soll. Nun veröffentlichte etwa die von Aktivistinnen und Aktivisten aus dem Umfeld der Kreml-kritischen Gruppe Pussy Riot gegründete Plattform Mediazona den Bericht eines russischen Soldaten aus der 155. Brigade. Dieser berichtet, wie in den vergangenen Wochen etwa 450 bis 500 Soldaten seiner Einheit in der Umgebung des kleinen ukrainischen Dorfs Pawliwka in der Region Donezk gefallen seien. Etwa genauso viele seien verletzt worden.

Einige der Soldaten der Einheit hätten die Vorgesetzten daraufhin aufgefordert, die Taktik zu ändern, woraufhin das Kommando zunächst mit rechtlichen Schritten gedroht hätte. Dann seien den Soldaten Auszeichnungen versprochen worden, um sie ruhig zu stellen. „Unsere Kommandanten führen sich auf wie im Zirkus“, wirft der anonyme Soldat seinen Vorgesetzten vor und berichtet, dass zwar einige seiner Kameraden aus Pawliwka abgezogen worden seien – diejenigen, die sich beschwert hätten, seien jedoch aufgefordert worden, ihre Position zu halten.

Seinen Vorgesetzten wirft der Whistleblower vor, mehr Wert in möglichen Auszeichnungen zu sehen als im Leben ihrer Soldaten. Die „wahrscheinlich einzige Möglichkeit am Leben zu bleiben“, schreibt der Soldat, sei zu desertieren.

Russlands Verluste im Ukraine-Krieg: Etliche Reservisten nach Teilmobilisierung gefallen

Update vom Freitag, 25. November, 14.45 Uhr: Die Verluste im Ukraine-Krieg bereiten Russland große Probleme (s. Erstmeldung). Abhilfe sollte die Teilmobilisierung im September schaffen. Nach Einschätzung britischer Geheimdienste ist allerdings eine hohe Zahl der eingezogenen Reservisten bereits gefallen. Unter anderem in der Region Donezk, rund um die Stadt Bachmut, seien mobilisierte Reservisten wohl in hoher Zahl ums Leben gekommen, hieß es im Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. 

Das Gleiche gelte auch für Soldaten, die in der Region Luhansk Grabensysteme hätten ausheben müssen, während sie unter schwerem Artilleriefeuer standen. Es müsse dem Kreml Sorgen bereiten, dass eine zunehmende Zahl an Familien der Reservisten bereit sei, gegen die Zustände, unter denen ihre Angehörigen dienen, zu protestieren und sich notfalls deswegen verhaften zu lassen.

Verluste für Russland im Ukraine-Krieg sehr hoch

Erstmeldung vom Freitag, 25. November: Moskau/Kiew - Russland hat im Ukraine-Krieg bisher schwere Verluste hinnehmen müssen. Wie hoch die Verluste der russischen Armee tatsächlich sind, ist unklar. Der Kreml selbst schweigt sich weitgehend aus. Zuletzt nannte der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu im September offizielle Zahlen. „Die Verluste Russlands belaufen sich auf 5937“, sagte er damals. Eine von Wladimir Putin geplante zweite Mobilisierungswelle spricht allerdings dafür, dass die Verluste erheblich höher sind und nur mit neuen Rekruten kompensiert werden können.

Auch die Aussagen eines ehemaligen Offiziers einer russischen Spezialeinheit und eines aktiven FSB-Offiziers des russischen Geheimdienstes, die das russische Investigativportal Istories im Oktober veröffentlichte, machen deutlich, mit wie vielen Problemen die russischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg zu kämpfen haben. Ihren Angaben zufolge belief sich die Zahl der Verluste zu jenem Zeitpunkt auf knapp 90.000. Dazu gehörten gefallene, aber auch vermisste und verwundete Soldaten, die nicht mehr zum Militärdienst zurückkehren können.

Schon im April hatte das kremlnahe Nachrichtenportal Readovka versehentlich Zahlen zu den Verlusten Russlands im Ukraine-Krieg veröffentlicht. Damals war von 13.414 gefallenen Soldaten und etwa 7000 Vermissten die Rede. Zum Vergleich: Im zehn Jahre währenden Afghanistan-Krieg von 1979 bis 1989 beliefen sich die Verluste der damaligen Sowjetunion auf 14.523 Tote. Spätere Angaben sprachen von 26.000 gefallenen Soldaten.

Derweil veröffentlicht der ukrainische Generalstab jeden Tag die Zahl der russischen Verluste. Laut Statistiken des ukrainischen Verteidigungsministeriums sind in den neun Monaten des Ukraine-Kriegs mehr als 86.000 Soldaten im Kampf gefallen. (cs)

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