China-Tibet-Konflikt

Tibetischer Mönch verbrennt sich aus Protest

Ein tibetischer Mönch in China hat sich aus Protest mit Benzin übergossen und angesteckt. Sicherheitskräfte haben den Mann zwar gelöscht - doch kurz darauf fielen Schüsse. Ob der Mönch noch lebt, ist ungewiss.

Peking. Ein tibetischer Mönch in China hat sich nach Angaben einer in London ansässigen Aktionsgruppe aus Protest mit Benzin übergossen und angesteckt. Wie Matt Whitticase von der Gruppe Free Tibet Campaign sagte, ereignete sich der Vorfall am Freitag in der Stadt Aba in der südwestlichen Provinz Sichuan. Die Sicherheitskräfte seien sofort zur Stelle gewesen und hätten die Flammen erstickt. Dann sei der buddhistische Mönch abtransportiert worden. Augenzeugen hätten von drei Schüssen berichtet. "Wir wissen nicht, ob der Mönch lebt oder tot ist", sagte Whitticase.

Mit der Selbstverbrennung habe er dagegen protestieren wollen, dass die Behörden ihn an einem traditionellen Gebet gehindert hätten. Vor seiner Aktion habe er eine Fahne mit dem Bildnis des Dalai Lama hochgehalten. Die in New York ansässige Organisation Students for a Free Tibet erklärte in einer Stellungnahme, der Mönch sei von Schüssen getroffen worden. Zuvor hatte es in Berichten geheißen, Hunderte von Glaubensbrüdern des selben Klosters, aus dem auch der Mönch kam, hätten am Freitag erfolglos versucht, sich in einem von den Behörden zugesperrten Gotteshaus zum Gebet zu versammeln.

Im Westen des Landes umstellten chinesische Sicherheitskräfte laut Medienberichten unterdessen nach einer Mahnwache tibetischer Mönche ein anderes Kloster. Der US-Sender Radio Free Asia berichtete, die Polizei in der Provinz Qinghai habe die Teilnehmer des Protestes am Freitag aufgefordert, sich den Behörden zu stellen. Andernfalls drohten ihnen noch härtere Strafen. Niemand dürfe das Kloster von Lutsang betreten oder verlassen, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen weiter. Zum tibetischen Neujahrsfest hatten sich demnach am Mittwoch mehr als 100 Mönche mit Kerzen in der Hand vor der Bezirksregierung von Guinan zu einem kurzen Protest versammelt. Sie hätten mehr Verständnis seitens der Regierung gefordert.

Wegen der angespannten Lage vor dem 50. Jahrestag des Aufstandes der Tibeter gegen die Chinesen am 10. März 1959 und der Flucht des Dalai Lama ins indische Exil waren in Tibet und Nachbarregionen die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. Schon die Unruhen vor einem Jahr hatten an dem Jahrestag ihren Ausgang genommen. Nach Angaben der Regierung in Peking kamen 19 Menschen bei den Unruhen ums Leben, die tibetische Exilregierung spricht dagegen von bis zu 200 Toten. 76 Tibeter wurden nach Angaben aus Peking zu Haftstrafen verurteilt.

Nach der Gründung der kommunistischen Volksrepublik 1949 war die chinesische Volksbefreiungsarmee 1950 in dem größten Hochland der Erde einmarschiert. Unter Druck gaben tibetische Vertreter 1951 in einem Abkommen ihre Unabhängigkeit auf, bekamen aber weitreichende Autonomie zugestanden. Da sich die chinesische Präsenz in Tibet immer mehr zur Zwangsherrschaft entwickelte, brachen wiederholt Unruhen aus, die am 10. März 1959 in dem Volksaufstand mündeten, der blutig niedergeschlagen wurde. Tausende Tibeter fanden den Tod. (dpa)

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