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Druck auf Luisa Neubauer wächst: Warum die Zukunft von Fridays for Future in Deutschland immer unsicherer wird

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Fridays for Future sorgt mit Pro-Palästina-Aussagen auf internationalen Accounts für Aufregung. Kritiker fordern eine Abspaltung der deutschen Gruppe.

Berlin - Die deutsche Gruppe der internationalen Klimaschutzbewegung Fridays for Future (FFF) steht seit Ausbruch des Kriegs in Israel enorm unter Druck. Während Fridays for Future International mit pro-palästinensichen Statements weltweit für Aufregung sorgt, distanziert sich der deutsche Ableger rund um Luisa Neubauer von den Aussagen. Aber ist das noch genug, oder sollte sich die Gruppierung in Deutschland komplett von der Bewegung abspalten? Stimmen dafür werden immer lauter. Unterdessen schweigt Luisa Neubauer über die Zukunft von Fridays for Future.

Luisa Neubauer und Fridays for Future Germany: So grenzen sie sich von der internationalen Gruppe ab

Am Donnerstag (26. Oktober) machte Fridays for Future Germany in den sozialen Netzwerken erneut deutlich, dass es sich von israelfeindlichen Aussagen distanziere, die auf dem internationalen Account der FFF-Bewegung seit der Eskalation des Nahost-Konflikts veröffentlicht wurden. „Nein, der internationale Account spricht – wie zuvor betont – nicht für uns. [...] Nein, wir stimmen nicht mit den Inhalten überein“, heißt es in dem offiziellen Statement.

Gleichzeitig verwies die Gruppe auf eine Erklärung vergangener Woche, die bereits klare Haltung zeigen sollte: „Wir sind solidarisch mit den Opfern der Gewalt der Hamas, verurteilen den Terror und hoffen, dass alle Geiseln gesund zurückkehren werden. Wir sind uneingeschränkt solidarisch mit Jüdinnen und Juden, die weltweit und auch hier antisemitische Gewalt erleben. Wir sehen das Leid der Zivilbevölkerung und insbesondere der Kinder in Gaza. Der steigende anti-muslimische Rassismus auch hier in Deutschland erfüllt uns mit großer Sorge.“

Parallel dazu trat Luisa Neubauer am vergangenen Sonntag (22. Oktober) bei einer Solidaritätsdemo für Israel und gegen Antisemitismus in Berlin als Rednerin auf. In ihrer Ansprache zeigte sie sich entsetzt über den weltweiten Antisemitismus und betonte die besondere Verantwortung Deutschlands für Israel. Am Freitagnachmittag veröffentlichte Neubauer ihre Rede aus Berlin im Internet. „Wenn wir bei #FridaysForFuture Deutschland gefragt werden, wo wir stehen, dann ist die Antwort klar“, schrieb die Aktivistin dazu.

Doch eine Distanzierung sei laut vielen kritischen Stimmen nicht genug. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sieht dringenden Handlungsbedarf für den deutschen Ableger der FFF-Bewegung. „Ich erwarte von Luisa Neubauer und Fridays for Future Deutschland eine wirkliche Abkoppelung, eine Namensänderung der Organisation und den Abbruch jeglicher Kontakte zu Fridays for Future International“, sagte Josef Schuster am Donnerstag der Bild. Wenn Neubauer ihre Ansprache vom Sonntag ernst meine, müsse sie sich „endlich lossagen von dieser Organisation“. Man könne von Fridays for Future International nichts anderes mehr erwarten „als krude Geschichtsverdrehung, Dämonisierung Israels und nun auch noch Verschwörungsideologie“.

Kritiker fordern Abspaltung: Öffentlicher Druck auf Luisa Neubauer und Fridays for Future wächst

Mit seiner Forderung steht Schuster längst nicht alleine da. Seit den umstrittenen Statements der internationalen Bewegung hagelt es regelrecht Medien-Kommentare, in denen der Organisation ein Antisemitismus-Problem vorgeworfen und daher eine klare Abspaltung und Namensänderung der deutschen Gruppierung gefordert wird. Außerdem wird kritisiert, dass Neubauer selbst auf gezielte Anfragen lediglich auf die öffentlichen Statements der Gruppe verweist, sich bislang aber nicht persönlich zu dem FFF-Konflikt äußern wollte.

Hintergrund für die wachsende Kritik an Luisa Neubauer waren schwere Vorwürfe in den Statements von Fridays for Future International auf den sozialen Netzwerken. Die internationale Bewegung, die von der Schwedin Greta Thunberg ins Leben gerufen wurde, warf den westlichen Medien unter anderem „Gehirnwäsche“ angesichts der Berichterstattung über den Gazastreifen vor. Sie würde verheimlichen, dass die Hamas und ihre Angriffe auf Israel „in 75 Jahren Unterdrückung und ethnische[n] Säuberungen der Palästinenser“ verwurzelt seien. Israel wurde in einem Statement parallel als „Apartheid-System“ bezeichnet, der Konflikt im Nahen Osten als „Genozid“.

Wird sich die deutsche Gruppierung von Fridays for Future abspalten? Das sagen Experten

Muss sich die deutsche Gruppierung also endgültig von der Bewegung lossagen? Jannis Grimm, Protestforscher von der Freien Universität Berlin, empfindet die bisherige Positionierung der Gruppe in Deutschland zunächst „gar nicht als sonderlich schmallippig. Ich würde sagen, es ist einfach eine sehr klare Distanzierung davon.“ Wie er im Gespräch mit dem NDR sagt, habe die Gruppe ein „starkes Solidarität-Statement“ herausgegeben und „den Terror der Hamas ganz explizit verurteilt“.

Luisa Neubauer, Klima-Aktivistin und einer der Hauptorganisatorinnen von Fridays for Future Germany während einer Klima-Demonstration in Berlin. (Archivfoto)
Luisa Neubauer, Klima-Aktivistin und einer der Hauptorganisatorinnen von Fridays for Future Germany. (Archivfoto) © IMAGO/Dominik Butzmann

Insgesamt hätten die Aussagen von FFF International laut dem Experten aber ein „massives Spaltungspotenzial“. „Da kann jetzt noch so viel Distanzierung, auch ehrliche Distanzierung von diesen Worten erfolgen: Der Branding-Effekt bleibt trotzdem bestehen“, so Grimm. Dabei handele es sich allgemein um ein gängiges Risiko, das man als eine solch internationale und breit aufgestellte Organisation eingeht. Mit diesem einerseits positiven „Multiplikatoreffekt geht [...] automatisch einher, dass alles, was bei Teilen der Bewegung passiert, auf einen potenziell auch zurückfallen kann oder zumindest von anderen Leuten auf einen übertragen wird“, erklärt der Experte im Gespräch mit dem NDR weiter. Das ist aktuell genau der Fall bei der deutschen Gruppierung.

Ob sich Fridays for Future Germany in Zukunft angesichts des öffentlichen Drucks tatsächlich umbenennen wird, werden erst die nächsten Wochen zeigen. Bislang hat sich niemand der Hauptorganisatoren, inklusive Luise Neubauer, zu einer möglichen Abspaltung geäußert. (nz)

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