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Thorsten Schäfer-Gümbel.

Thorsten Schäfer-Gümbel

„Der richtige Mann zur richtigen Zeit“

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Ausgerechnet Thorsten Schäfer-Gümbel soll die SPD nun neu aufstellen. Ein Auslaufmodell als Motor der Erneuerung?

Es ist noch kein Vierteljahr her, dass Thorsten Schäfer-Gümbel seinen Abschied von der politischen Bühne erklärte. Im Oktober will er den Fraktionsvorsitz in Hessen aufgeben und im November den Vorsitz der Landes-SPD – nach zehn mühevollen Jahren, in denen er die Sozialdemokraten nicht zurück in die Landesregierung hat führen können. Ausgerechnet der 49-jährige Politologe, der im Dezember auch seinen Posten als Vize-Chef der Bundespartei abgeben wollte, soll die SPD nun neu aufstellen. Ein Auslaufmodell als Motor der Erneuerung?

Genau dieser scheinbare Nachteil könnte in der aktuellen Situation in der SPD zu Schäfer-Gümbels großem Vorteil werden. Alle wissen, dass der Mann aus dem mittelhessischen Lich nichts mehr werden will in der Politik.

Er besitzt einen Vertrag, mit dem er am 1. Oktober Arbeitsdirektor bei der staatlichen Entwicklungshilfe-Organisation GIZ in Eschborn bei Frankfurt wird. Schäfer-Gümbel braucht daher keine sachfremden Rücksichten zu nehmen, wenn er die SPD inhaltlich und organisatorisch auf den Stand der Zeit bringen will.

In Hessen hat der bienenfleißige Frühaufsteher gezeigt, dass er eine zerrüttete Partei zusammenführen kann. Die Landes-SPD lag 2008 am Boden, als ihr Versuch, Andrea Ypsilanti mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken zur Ministerpräsidentin zu wählen, an eigenen Leuten gescheitert war. Schäfer-Gümbel baute das gegenseitige Vertrauen in der Partei wieder auf.

Zugleich arbeitete er auf Bundesebene als einer der ersten an Konzepten, Hartz IV zu überwinden. Auch Überlegungen für eine Vermögensteuer wurden von ihm vorangetrieben.

Im vergangenen Jahr zeigte der Sozialdemokrat in einem Buch, dass er sich intensiv mit den Herausforderungen durch den digitalen Wandel befasst hat. Im hessischen Landtagswahlkampf setzte er Schwerpunkte bei bezahlbarem Wohnen, kostenloser Bildung und einer Mobilitätswende. Doch die Grünen liefen der SPD den Rang ab – mit der hauchdünnen Mehrheit von 66 Stimmen in ganz Hessen.

Die hessische SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser, die Schäfer-Gümbels Nachfolge antreten soll, sagte der FR, für die Bundes-SPD sei er „der richtige Mann zur richtigen Zeit“. Schäfer-Gümbel habe „Erfahrung, Menschen zusammenzuführen in schwierigen Zeiten“. Und noch eines hat er geschafft, das in der SPD nicht die Regel ist: Schäfer-Gümbel hat den Zeitpunkt für seinen Rücktritt selbst gewählt.

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