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Thomas Kutschaty: Mit Volldampf in Richtung Macht

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Von: Alexander Schäfer

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Der Herausforderer von der SPD: Thomas Kutschaty.
Der Herausforderer von der SPD: Thomas Kutschaty. © Oliver Berg/dpa

Landtagswahl in NRW: Thomas Kutschaty hat gute Chancen, der nächste Ministerpräsident zu werden. Wenn er jetzt schnell bekannter wird.

Düsseldorf - Thomas Kutschaty will Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden. Obwohl der SPD-Landeschef doch schon bekannter sein könnte und selbst in der eigenen Partei nicht alle von ihm überzeugt sind, hat der 53-Jährige gute Chancen auf einen Sieg bei der Landtagswahl in NRW. Die SPD liegt in Umfragen nahe bei der CDU, und die von Hendrik Wüst geerbte Koalition mit der FDP hat keine Mehrheit. Wer also ist dieser Thomas Kutschaty?

Besuch in Bochum – genauer gesagt: im Stadtbezirk Wattenscheid. Nicht nur die Zeiten, in denen hier Erstliga-Fußball gespielt wurde, sind lange vorbei. Erstklassig ist hier mitten im Ruhrgebiet vieles nicht. Das fängt beim Bahnhof an, der zum Haltepunkt zurückgebaut wurde – ohne öffentliche Toilette. Für Farbe im Bahnumfeld sorgen derzeit nur die Plakate der SPD mit ihrem Spitzenkandidaten. Auf ihnen verspricht Kutschaty 100.000 neue Wohnungen jedes Jahr, mehr Lehrstellen sowie gute und sichere Arbeit der Zukunft. Typisch sozialdemokratische Wahlkampf-Slogans eben.

Thomas Kutschaty besucht AWO-Kita in Wattenscheid

Der Termin in Wattenscheid ist wie gemacht für den Kandidaten. Auf Einladung seines Landtagskollegen Serdar Yüksel besucht Kutschaty die AWO-Kita im Familienzentrum Bußmannsweg nahe der Autobahn A40, die Bochum mit Kutschatys Heimatstadt Essen verbindet. Hier hört Kutschaty von den Müttern das, was er als Oppositionschef im Landtag anprangert und als Regierungschef dann auch ändern will: Zu wenig Plätze im offenen Ganztagsbereich, zu hohe Gebühren, zu viel Bürokratie bei Bildung und Teilhabe. Die rund 85 Kinder der Kita haben Eltern 14 verschiedener Nationalitäten, zwei von drei haben einen Migrationshintergrund. Als zunehmendes Problem benennt die Kita-Leiterin, dass immer mehr Eltern keinen Job haben oder von ihrer Arbeit allein nicht leben können.

Kutschaty hört sich alles interessiert an und spricht mit den Kindern – auch dann noch, wenn die Kamera des begleitenden Fernsehteams aus ist. Als Vater von drei Kindern bringt er, wie er selbst sagt, „14 Jahre Kita-Erfahrung mit“. Seine Kinder sind zwischen 15 und 26 Jahre alt. 

Thomas Kutschaty
Geboren12. Juni 1968 Essen
ParteiSPD
Vorheriges AmtJustizminister von Nordrhein-Westfalen (2010–2017)

Thomas Kutschaty ein „linker Rebell“

Kutschaty hat auch Humor. Die Frage, ob er nicht mal die Kletterwand im Turnraum der Kita ausprobieren wolle, kontert er so: „Ich komme ja so schon fast an den obersten Haltegriff.“ Kutschaty misst 1,70 Meter, die Kletterwand ist – kitatauglich – nicht viel höher. Zweites humoriges Beispiel: Als Parteifreund Yüksel erzählt, hier Blockflöte gelernt zu haben, sagt Kutschaty: „Deshalb sind die Balken hier so gebogen.“

Ja, für einen Sozialdemokraten, den die Heimatzeitung im Ruhrgebiet im vergangenen Jahr zum „linken Rebell“ adelte, ist es ein angenehmer Termin während des Endspurts im Wahlkampf. Angenehm? Darauf angesprochen, versichert Kutschaty: „Ich habe auch nix dagegen, wenn es ruppig wird.“ Er kann auch wirklich anders. Im Landtag fielen seine Angriffe auf die Regierung in der ablaufenden Legislaturperiode teils so deftig und derbe aus, dass ihm der Fraktionschef der CDU mehrfach die Qualifikation für das Amt des Regierungschefs absprach. Und wenn es gegen die eigenen Leute geht, ist Kutschaty auch kaum weniger zimperlich. Erst gewann er den Kampf um den Fraktionsvorsitz gegen Marc Herter, den heutigen Oberbürgermeister in Hamm, dann komplimentierte er den blassen SPD-Landeschef (Sebastian Hartmann hieß der) aus dem Amt. An Machtinstinkt und Machtwillen mangelt es Kutschaty also wahrlich nicht.

Landtagswahl in NRW: Noch ist Thomas Kutschaty nicht so richtig bekannt

Er kokettiert gerne mit der Geschichte seiner Herkunft aus kleinen Verhältnissen aus einer Eisenbahner-Familie aus dem Norden Essens; und er war der Erste in seiner Familie, der die Hochschulreife erwarb. „Wir würden nie in eine teure Villa ziehen. Da gehören wir nicht hin“, sagte seine Ehefrau Christina dem Magazin Bunte. Sie ist Leiterin des Stadtplanungsamtes von Remscheid. Ihr Mann arbeitete als Rechtsanwalt, ehe er in der Landesregierung von Hannelore Kraft zwischen 2010 und 2017 zum Justizminister avancierte.

Seit nunmehr 17 Jahren macht Kutschaty Landespolitik. Auf Bundesebene ist er einer von fünf stellvertretenden Parteichefs. Richtig bekannt ist er trotzdem nicht, was auch am nicht einfachen Namen liegen dürfte. Mit der Anrede „Ministerpräsident“ könnte sich das ändern. (Alexander schäfer)

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