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Thermometer steht jetzt auf total

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Von: Peter Rutkowski

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Die Ukrainerin Galina bereitet in ihrem zerstörten Haus in der Nähe der Frontlinie Essen zu.
Die Ukrainerin Galina bereitet in ihrem zerstörten Haus in der Nähe der Frontlinie Essen zu. © Daniel Ceng Shou-Yi/dpa

Der erste Kriegswinter für die Ukraine naht.

Das grausige Wort vom „totalen Krieg“ wird in der deutschen Sprache wohl auf ewig mit Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Verbindung gebracht werden. Als Synonym des Krieges der Nazis gegen alles und alle, auch gegen die Deutschen selbst. Der Ausdruck hat allerdings seine Herkunft im Englischen und wurde dort von sehr viel zivilisierteren Militärs und Politiker:innen als eher logistisches Synonym für den Umstand eines „Volkskrieges“ benutzt. Vor so 100 Jahren klang alles mit „Volk-“ eben verdächtig nach links. Oder nach Völkischem.

Und ist die Ukraine nun in einem „totalen Krieg“? Ganz ohne Zweifel. Das muss nun doch einmal Schwarz auf Weiß irgendwo zu stehen kommen. Hier und gerne noch oft anderswo. „Total“ ist aber zuerst die Invasion vom 24. Februar (mit ihrem „Vorspiel“ seit 2014) – und zwar nach den Ansagen der russischen Kriegstreiber in dem Sinne „total“, als die Ukraine ausgelöscht werden solle. Die Ähnlichkeiten zwischen „Großrussland“ und „Großdeutschland“ sind – sprachlich oder propagandistisch – nicht mehr von der Hand zu weisen.

Aber mit diesem Wochenende, den Tagen 255 und 256 seit Beginn der russischen Invasion, ist auch der Krieg der Ukraine endgültig „total“ geworden. Respektive: Er ist das längst, denn man kann auf einen schon als „total“ begonnenen Krieg nicht mit etwas geringerem antworten. Das liegt in der Natur des „Totalen“.

Man muss es der Kreativität der bedrängten ukrainischen Nation aber hoch anrechnen, wie sie auf den Beginn des Kriegswinters und die kontinuierlichen „totalen“ Terrorangriffe der Russen auf die zivile Infrastruktur antworten: Mit Gestricktem.

In den sozialen Medien werden nun Durchhalte- und Vorsorge-Videos verbreitet, um die Ukrainer:innen für den Winter zu wappnen – und der Welt zu signalisieren, dass Kiew sich nicht unterkriegen lässt. Das Erkennungsbild dieser Videos ist eine gestrickte Karte der Ukraine in Blau und Gelb. Die Filmchen dahinter sind eine eigentümliche Mischung aus Propaganda und Haushaltshilfe. Aber so ist das im „totalen Krieg“: Jedes Mittel ist nun recht, will man überleben.

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