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Theologie gehört an die Universität

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Erzbistum Köln - Dom
Das Wahrzeichen des Erzbistums Köln, der Dom. © Oliver Berg/dpa

Woelkis Projekt einer Hochschule des Erzbistums Köln steht gegen die gemeinsamen Interessen von Kirche und Staat.

Das Erzbistum Köln steht vor der Frage, wo künftig die Priester ausgebildet werden. Die Zahl der Kandidaten ist klein. 48 Priester wurden 2021 in Deutschland geweiht; fünf Neupriester kamen aus dem Erzbistum Köln. Nach dem Preußischen Konkordat, das in Nordrhein-Westfalen gilt, werden die katholischen Priester an den Universitäten in Bonn und Münster wissenschaftlich ausgebildet.

Diese staatskirchenrechtliche Regelung liegt im Interesse von Staat und Kirche: Die angehenden Priester sollen wissenschaftlich Theologie studieren, um später theologisch fundiert das Evangelium zu verkünden und die Sakramente zu spenden. Wie alle Studierenden erleben sie an der Universität in der Vorbereitung auf eine anspruchsvolle Aufgabe, dass verschiedene Fächer grundsätzlich verschieden denken, und dass die Gespräche in der Mensa, beim Sport oder beim Musizieren den Blick auf die Welt weiten. Sie begegnen Studierenden aus vielen Wissenschaften. Oftmals schließen sie Freundschaften fürs Leben. Wenn die Studierenden der Theologie so in der Gemeinschaft der Universität geistig wachsen, sind sie gut gerüstet, in dieser Welt den Glauben an Gott zu verkünden. Theologen mit dieser geistigen Weite sind eine Zukunftskraft für die Kirche.

Charlotte Kreuter-Kirchhof
Charlotte Kreuter-Kirchhof. © Sven Simon/Imago

Der Staat hat den Auftrag, die geistige Weite des Religiösen auch in der Universität zu verankern. Die Stimme der Theologie und der Ethik wird im universitären Diskurs gebraucht. Grundlegende ethische Fragen stellen sich in vielen Forschungsbereichen der Wissenschaft. Erneuerte Studienangebote bieten die Chance, die Grundlagen des menschlichen Seins und die Frage nach Ursprung und Ziel im Diskurs der Wissenschaften zu vertiefen.

Die Kirche sollte hier ihre Leistungsträger nicht zurückziehen. Die Hochschulen würden geistig ärmer, wenn die Kirche die theologischen Fakultäten an den Universitäten schwächen und dort ihren Beitrag zur Ausbildung der Priester verweigern würde.

Zur Person

Charlotte Kreuter-Kirchhof ist Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsches und Ausländisches Öffentliches Recht an der Uni Düsseldorf und stellvertretendes Mitglied des Verfassungsgerichtshofs in NRW.

In Deutschland gibt es gegenwärtig 18 katholische theologische Fakultäten. Angesichts der geringer werdenden Zahl der Priesteramtskandidaten wollen die deutschen Bischöfe die Zahl der Ausbildungsstätten für Priester konzentrieren. Die Neugründung einer katholischen Hochschule widerspricht diesem Ziel. Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der Finanzierung und dem Bedarf für weitere Studienkapazitäten an einer von der Universität und dem interdisziplinären Diskurs abgekoppelten theologischen Hochschule in Köln.

Papst Franziskus hat die katholische Kirche dazu aufgerufen, ihre Synodalität zu stärken. Wesentliches Merkmal einer synodalen Kirche ist es, aufeinander zu hören, miteinander zu beraten und gemeinsam zu entscheiden. Es ist an der Zeit, im Kollegium der Bischöfe gemeinsame Wege für die Ausbildung künftiger Priester – auch im Erzbistum Köln – zu suchen und in den Universitäten synodal zu wirken.

Charlotte Kreuter-Kirchhof ist Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsches und Ausländisches Öffentliches Recht an der Uni Düsseldorf und stellvertretendes Mitglied des Verfassungsgerichtshofs in NRW.

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