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Teufelszeug aus Äpfeln

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Jens Oliver Burk.
Jens Oliver Burk. © Privat

Jens Oliver Burk ist Apfelwein-Kelterer und Versicherungsmakler. Auf der Streuobstwiese erlebt er, was die Klimaveränderung mit Bäumen und Früchten macht – und vermittelt seine Erfahrungen an Schulklassen.

Wir waren ursprünglich vier Jungs, die über die Eintracht und die Liebe zum Apfelwein selbst ans Keltern gekommen sind. Ein Freund hatte uns damals zu seinem selbst gemachten Schoppen eingeladen, wir wollten ihm anschließend was für die Kasse geben, er hat sich geweigert und wir haben uns dann zumindest als Erntehelfer angeboten. Das hatten wir zwar schnell wieder vergessen, er allerdings nicht, und so standen wir irgendwann samstagsmorgens nach einem Freitagabendspiel der Eintracht im Vordertaunus auf einer Streuobstwiese – spätnachmittags waren wir dann infiziert. Jetzt keltern wir schon im zwölften Jahr selbst und machen viel Drumherum. 2020 waren etwa hundert Leute da, um bei uns mitzukeltern. Wir haben geschaut, wo es noch Streuobstwiesen gibt. Mittlerweile pflegen wir über 250 Bäume.

Und wir pflanzen natürlich auch neue an, inzwischen an die hundert Stück, denn eine Streuobstwiese hat man nie für sich, sondern pflegt sie für kommende Generationen. Da fängt man auch an, sich fürs Wetter, fürs Klima zu interessieren. Es hat sich dramatisch verändert. In manchen Jahren sind kaum Äpfel am Baum, manchmal verbrennen sie geradezu. Die Bäume sterben den Hitzetod. Das zu erleben, führt zu einer Menge persönlicher Verhaltensänderungen, kleine und größere. Viele von uns haben zum Beispiel schweren Herzens auf das Supercup-Endspiel der Eintracht verzichtet und sind dafür nicht nach Helsinki geflogen.

Eine Lehrerin fragte uns, ob sie mal mit ihrer Gruppe vorbeikommen kann. Jetzt haben wir jedes Jahr Schulklassen auf den Wiesen und im Hof. Anfangs gestaltet sich mit den Schülerinnen und Schülern alles etwas schwer, nach spätestens einer Stunde sind die total begeistert. Die dürfen erst mal 20 verschiedene Apfelsorten probieren, und nach der fünften sind die alle gehyped. Und geschockt, wie trocken die Erde selbst an Regentagen nach zwei Spatenstichen ist. Wenn die Abschlussklassen ihre Highlights aufzählen sollen, sind unsere Veranstaltungen immer vorne dabei. Warum unser Apfelwein „Teufelszeug“ heißt? Der erste Jahrgang hat das einfach herausgefordert. Die Äpfel hatten (zu) viel Zucker … und aus denen wurde dann einfach Teufelszeug.

Aufgezeichnet von Thomas Stillbauer

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