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Terrorserie bis heute ungeklärt

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Von: Stefan Scholl

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Heute vor zehn Jahren explodierte in einem Wohnhaus in Moskau eine Bombe, die Russland erschütterte. Das neunstöckige Gebäude stürzte fast komplett ein, 94 Menschen wurden getötet. Von Stefan Scholl

Heute vor zehn Jahren explodierte in einem Wohnhaus in Moskau eine Bombe, die Russland erschütterte. Das neunstöckige Gebäude stürzte fast komplett ein, 94 Menschen wurden getötet. Fünf Tage später wurde ein weiteres Moskauer Wohnhaus gesprengt, 118 Menschen kamen um. Dann ging vor einem Plattenbau im südrussischen Wolgodonsk eine Sprengladung in die Luft - 17 Tote. Schon am 4. September waren bei der Explosion einer anderen Autobombe in der dagestanischen Garnisonsstadt Bujnaksk 64 Menschen umgekommen.

Der Terror gegen schlafende Menschen in ihren Wohnungen entsetzte die Welt. Das offizielle Moskau machte die tschetschenischen Separatisten verantwortlich. Wladimir Putin, als Premier noch keine zwei Monate im Amt, ließ zur Vergeltung die Hauptstadt Grosny bombardieren. Und am 1. Oktober marschierten russische Bodentruppen in Tschetschenien ein.

Allerdings kursierte damals auch eine andere Version: Nicht Tschetschenen, sondern der Inlandsgeheimdienst FSB habe die Wohnhäuser in die Luft gejagt, um Stimmung gegen Tschetschenien zu machen. Und um den damals noch unbekannten Putin als starken Mann zu profilieren.

Dafür sprachen vor allem die Ungereimtheiten bei der Vereitelung eines weiteren Bombenanschlags in der Provinzstadt Rjasan. Dort beobachteten Anwohner, wie Unbekannte schwere Säcke in den Keller eines Wohnhochhauses schleppten. Sie riefen die Polizei, die insgesamt 150 Kilo Hexogen und einen Zeitzünder sicherstellte. Premier Putin lobte die Wachsamkeit der Rjasaner Bürger. Aber als die Polizei zwei mutmaßliche Bombenleger festnahm, entpuppten sich diese als FSB-Beamte. Jetzt erklärte Moskau das Ganze für eine Übung und das Hexogen für Zucker.

Zehn Jahre später erinnern nur wenige russische Medien an den Bombenterror von damals. Und das anlässlich eines Artikels im US-Männermagazin GQ: "Putins dunkler Aufstieg". Der Text zählt noch einmal alle Argumente dafür auf, dass der FSB hinter den Explosionen steckte - von Rjasan bis zu den ungeklärten Morden an dem liberalen Politiker Sergej Juschenkow und dem Ex-FSBler Alexander Litwinenko, die beide öffentlich den russischen Geheimdienst verdächtigt hatten.

Wenig neu, aber doch logisch. Die russische Ausgabe von GQ verzichtete allerdings auf einen Abdruck. Und der anglo-russische Kremlkritiker Alexander Goldfarb vermutet, die Führung des Condé Nast-Verlags, dem GQ gehört, habe auf Druck des Kremls den Artikel für Russland gestrichen.

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