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Französische Polizisten stellten den Flüchtigen am Donnerstagabend.

Chérif Chekatt

Terrorkontakte nach Frankreich?

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Zwei Tage nach dem Terroranschlag in Straßburg hat die französische Polizei den Verdächtigen bei einer Razzia gestellt und getötet. In Deutschland wird derweil eine Diskussion über die Verbindungen zwischen deutschen und französischen Islamisten laut.

Es ist soweit“, atmeten französische Medien auf, noch bevor die Behörden die Meldung bestätigten: Chérif Chekatt, der am Dienstag in der Straßburger Altstadt drei Menschen getötet und ein Dutzend zum Teil lebensgefährlich verletzt haben soll, wurde am Donnerstagabend in der Nähe des Vorortes Neudorf auf einem Gehsteig der Straße Lazare gestellt. Auf die Aufforderung einer dreiköpfigen Polizeipatrouille, sich auszuweisen, drehte er sich nach inoffizieller Darstellungen brüsk um und eröffnete das Feuer; die Polizisten schossen zurück und töteten ihn.

Am späten Donnerstagabend reklamierte zwar der sogenannte Islamische Staat das Attentat von Straßburg für sich. Doch die Verlautbarung über das Propagandamedium Amak ließ sich nicht überprüfen.

Der 29-jährige Franzose algerischer Herkunft hatte sich nach seiner mörderischen Tat in Altstadt der elsässischen Metropole mit einem Taxi in Richtung seines Wohnortes im Viertel Neudorf fahren lassen. Die Polizei entdeckte ihn dort noch am Dienstagabend, verlor aber seine Spur. Der radikalisierte, offenbar am Arm verletzte Schwerkriminelle, der auf 27 Verurteilungen kommt und als gemeingefährlich gilt, entkam damit knapp.

In der Straßburger Kathedrale fand am Donnerstag ein Gedenkgottesdienst für die Todesopfer – ein ehemaliger Bankangestellter, ein afghanischstämmiger Automechaniker sowie ein Tourist aus Thailand – und die Verletzten statt. Der historische Weihnachtsmarkt von Straßburg, einer der größten Frankreichs, wird am Freitag wieder geöffnet.

Das Attentat und der Einsatz der Polizei wirken auch die Proteste der Gelbwesten-Proteste. Deren Bewegung gerät unter Druck, ihre Aktionen einzustellen. In Avignon starb bei einer der zahlreichen Straßensperren ein 23-jähriger Demonstrant, als er von einem Laster überfahren wurde. Der Fernfahrer hatte die Winkzeichen des Gelbwestenträgers offenbar als Angriffsversuch gedeutet und war in Panik aufs Gaspedal getreten.

In Deutschland wird derweil eine Diskussion über die Verbindungen zwischen deutschen und französischen Islamisten laut: Nach dem Anschlag in Straßburg und neuen Erkenntnissen im Fall des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, verdichten sich die Hinweise auf terroristische Verbindungen zwischen Deutschland und Frankreich. In die Ermittlungen gegen den nun getöteten Chérif Chekatt hatte sich auch die Bundesanwaltschaft eingeschaltet.  Chekatt hatte bis 2017 wegen zweier Einbrüche in Deutschland hier in Haft gesessen und war anschließend abgeschoben worden.

Zugleich existieren neue Hinweise auf eine Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich im Fall Anis Amri. Aus einem auf den 10. Dezember 2018 datierten Schreiben der Bundesanwaltschaft an das Bundesjustizministerium ergibt sich, dass der Tunesier gemeinsam mit einem Islamisten namens Clément Baur, der in Frankreich in Haft sitzt und gegen den die Bundesanwaltschaft ermittelt, ein Sprengstoffattentat in Deutschland plante. Wörtlich heißt es in dem Brief: „Nach den derzeitigen Ermittlungen gab es im Spätsommer 2016 Pläne von Baur und Amri zur Durchführung eines Sprengstoffanschlags in Deutschland unter Verwendung von TATP, ohne dass das Anschlagsvorhaben bisher nach Tatort und Tatzeit konkretisiert werden konnte.“ Erkenntnisse über eine Verwicklung von Baur in das Attentat am Breitscheidplatz hätten sich aber bisher nicht ergeben.

Die innenpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sagte: „Die mutmaßlichen Planungen eines Sprengstoffanschlags werfen ein völlig neues Licht auf die mögliche Rolle Amris im Kontext islamistischer Zirkel rund um die Fussilet-Moschee. Die bisherige Erzählung vom Einzeltäter Anis Amri muss höchstwahrscheinlich revidiert werden.“ Mihalic fügte hinzu: „Wir müssen jetzt dringend erfahren, seit wann Sicherheitsbehörden über dieses Wissen verfügen. Es wäre ein Wahnsinn, wenn diese Planungen bereits vor dem Anschlag vom Breitscheidplatz bekannt gewesen wären und nichts unternommen wurde.“ (mit dpa/afp)

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