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Die US-amerikanische Geisel Jack Hensley wurde zusammen mit seinem ebenfalls ermordeten Landsmann Eugene Armstrong und dem Briten Kenneth Bigley entführt.

Terroristen ermorden zweite US-Geisel

Trügerische Hoffnung für Familie von britischer Geisel / Elf Tote bei Selbstmordanschlag / Blutige Kämpfe mit radikalen Schiiten in Sadr CityDie Terrorgruppe al-Tawhid wa al-Dschihad hat am Dienstag nach eigenen Angaben im Irak eine zweite US-Geisel enthauptet. Ein Regierungssprecher erklärte, eine von zwei inhaftierten Wissenschaftlerinnen werde freigelassen - die USA haben dies verneint. Dossier: Irak nach dem Krieg

Bagdad/Kairo/London (dpa/ap). Irakische Extremisten haben innerhalb von zwei Tagen offenbar zwei Amerikaner enthauptet. Nach einer entsprechenden Erklärung der Terrorgruppe des Jordaniers Abu Mussab al-Sarkawi wurde am Mittwoch in Bagdad eine Leiche ohne Kopf gefunden und den US-Behörden übergeben. Ob es sich bei dem Toten um den entführten Ingenieur Jack Hensley handelt, war zunächst nicht bestätigt.

Erst am Dienstag war die Leiche des zusammen mit Hensley entführten US-Bürgers Eugene Armstrong gefunden worden. Dieser wurde nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes CIA von Sarkawi persönlich enthauptet. Die Täter drohten im Internet damit, auch den dritten Ausländer in ihrer Gewalt umzubringen, den 62-jährigen Briten Kenneth Bigley. Nach dem Überfall und der Geiselnahme vom Donnerstag vergangener Woche forderte die Organisation Tawhid und Dschihad die Freilassung weiblicher Häftlinge im Irak.

Hoffnung schöpfte die Familie Bigleys am Mittwoch von der Ankündigung des irakischen Justizministeriums, eine von zwei prominenten Frauen in irakischer Haft freizulassen. Die Entlassung der Wissenschaftlerin Rihab Raschid Taha gegen Zahlung einer Kaution stehe aber in keinem Zusammenhang mit der Forderung der Geiselnehmer, erklärte am Mittwoch ein Sprecher des Justizministeriums. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit den US-Streitkräften getroffen worden. Bigleys Bruder Paul sagte dem britischen Radiosender BBC: "Hoffentlich haben sie einen Funken Anstand und lassen Ken jetzt frei."

USA: Inhaftierte Irakerinnen kommen nicht frei

Nach US-Angaben allerdings wird es nicht zu einer Freilassung von den inhaftierten Frauen kommen. Ein Sprecher der US-Botschaft in Bagdad sagte am Mittwoch, die beiden Irakerinnen blieben in Haft . "Keine von beiden wird so bald freikommen", fügte er hinzu.

Die US-Streitkräfte halten nach eigenen Angaben bisher zwei weibliche Gefangene im Irak fest. Taha soll an der Entwicklung einer biologischen Waffe mit Milzbranderregern mitgewirkt haben. Bei der zweiten Gefangenen handelt es sich um die Biowissenschaftlerin Huda Salih Mahdi Ammasch.

Autobombe tötet elf Iraker

Bei der Explosion einer Autobombe vor einem Restaurant in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Mittwoch mindestens elf Menschen getötet worden. 40 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt. Am Explosionsort stieg eine dunkle Rauchwolke auf; Polizisten und US-Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen sperrten den Platz ab. Mindestens zehn Autos wurden zerstört.

Ein Zeuge sprach von zwei schweren Detonationen. Er sagte, ein Eiscafe sei am schwersten getroffen worden. "Ich weiß nicht mal, auf wen sie es abgesehen hatten", sagte Humam Abdel-Hadi, der in der Straße, in der die Bombe explodierte, einen Laden besitzt. "Die haben Leute bombardiert, die gerade Eiscreme aßen", fügte er hinzu. Im Jarmuk Krankenhaus wurden einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur Reuters die Leichen von elf Opferndes Anschlags gezeigt.

Kämpfe in Sadr City

In den vergangenen Tagen sind im Irak zahlreiche Anschläge mit Autobomben verübt worden. Während sie sich anfangs vor allem gegen US-Truppen richteten, wurden zuletzt zunehmend Iraker Opfer der Anschläge.

Im Süden des Landes wurden am Vorabend drei US-Soldaten nach Armeeangaben bei einem Hubschrauberabsturz verletzt. Der Hubschrauber stürzte kurz nach dem Start in bei Nassirija ab. Die Ursache war zunächst unklar.

Bei heftigen Kämpfen zwischen US-Truppen und schiitischen Rebellen in Bagdad wurden am Mittwoch nach Angaben von Klinikärzten zehn Aufständische getötet und 92 verletzt. Die US-Truppen gingen im Stadtteil Sadr City mit Kampfflugzeugen und Panzern gegen Anhänger des radikalen Geistlichen al-Sadr vor. Diese feuerten unter anderem mit Panzerfäusten auf die Truppen.

Im Norden Iraks wurde unterdessen die Stationierung von 2.800 südkoreanischen Soldaten abgeschlossen. Südkorea stellt damit das drittgrößte Truppenkontingent im Irak nach den USA und Großbritannien.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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