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Der frühere FBI-Direktor Louis Freeh am Dienstag vor dem Untersuchungsausschuss zu den Terroranschlägen vom 11. September.

Terrorabwehr war Regierung Bush zu teuer

Untersuchungsausschuss bescheinigt FBI Versäumnisse vor den Anschlägen vom 11. SeptemberDer US-Untersuchungsausschuss zu den Anschlägen vom 11. September hat der Bundespolizei FBI gravierende Versäumnisse bei der Terrorabwehr vorgeworfen. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht hieß es außerdem, Justizminister John Ashcroft habe am Tag vor den Anschlägen einen Antrag des FBI auf Erhöhung der Finanzmittel abgelehnt. Dossier: Terror gegen den Westen

Washington (ap). Der US-Untersuchungsausschuss zu den Anschlägen vom 11. September hat der Bundespolizei FBI gravierende Versäumnisse bei der Terrorabwehr vorgeworfen. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht hieß es außerdem, Justizminister John Ashcroft habe am Tag vor den Anschlägen einen Antrag des FBI auf Erhöhung der Finanzmittel abgelehnt. Ashcroft wollte nach Angaben seiner Berater am Dienstag vor der Kommission Vorwürfe zurückweisen, er habe den Kampf gegen den Terrorismus vernachlässigt.

In dem Bericht zur Situation des FBI vor dem 11. September 2001 bescheinigte der Ausschuss der Bundespolizei eingeschränkte Fähigkeiten der Informationsbeschaffung und strategischen Analyse, unzureichende Ausbildung und unzulängliche Ressourcen. Am Tag der Anschläge seien nur 1.300 Mitarbeiter - sechs Prozent des gesamten Personals - mit der Terrorabwehr betraut gewesen. Weiter hieß es, das Informationssystem des FBI sei bereits vor seiner Einführung veraltet gewesen.

Die Kommission richtet ihr Augenmerk bis Mittwoch auf die Rolle von Justizministerium und FBI. Sie will herausfinden, was beide Behörden angesichts der Berichte über eine zunehmende Bedrohung seitens des Terrornetzwerks Al Qaeda unternahmen.

Als erster Zeuge trat am Dienstag der frühere FBI-Direktor Louis Freeh vor den Ausschuss. "Wir hatten ein sehr wirkungsvolles Programm zur Terrorabwehr, gemessen an den Ressourcen, die uns zur Verfügung standen", sagte Freeh. In einem am Montag im "Wall Street Journal" veröffentlichten Artikel hatte der frühere FBI-Chef erklärt, die Bundespolizei habe "schonungslos ihren Job getan, Terroristen zu verfolgen". Allerdings sei sie von fehlenden Finanzmitteln und mangelndem politischem Willen behindert worden. In den Haushaltsjahren 2000 bis 2002 habe das FBI 1.895 Sonderbeamte, Sprachwissenschaftler und Terrorabwehrspezialisten beantragt. Genehmigt worden seien 76.

Der jüngste Kommissionsbericht zitierte die frühere Justizministerin Janet Reno mit den Worten, zwar habe das FBI offenbar nie über ausreichende Mittel verfügt, doch "Freeh schien nicht gewillt, die Ressourcen von anderen Bereichen wie Gewaltverbrechen auf den Terrorismus zu verlagern". Auch Reno sollte dem Ausschuss am Dienstag Rede und Antwort stehen, ebenso wie ihr Nachfolger Ashcroft. Berater Ashcrofts sagten, der Justizminister werde Vorwürfe zurückweisen, wonach er sich hauptsächlich auf den Kampf gegen Drogen und Schusswaffendelikte konzentriert habe.

US-Präsident George W. Bush, der nach der Veröffentlichung eines Regierungsdokuments zum Thema Al Qaeda am Wochenende verstärkt unter Druck geriet, wollte sich am Dienstagabend (Mittwoch, 2.30 Uhr MEZ) auf einer Pressekonferenz zu den Vorwürfen äußern. In dem Dokument vom 6. August 2001 heißt es unter anderem: "Berichte von ausländischen Regierungen und Medien deuten darauf hin, dass (Osama) Bin Laden seit 1997 Terroranschläge in den USA verüben will." Al Qaeda verfüge in den Vereinigten Staaten über ein Netzwerk von Anhängern, das "bei Anschlägen helfen könnte". Bush bekräftigte am Montag, das Dokument sei nur in allgemeiner Form auf Pläne Bin Ladens eingegangen. Eine Warnung, dass in Kürze etwas in Amerika geschehen werde, habe es nicht enthalten.

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