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Wieder gesichert: Das Luxushotel in Ouagadougou nach dem Angriff.

Terroranschlag in Burkina Faso

Terror trifft erstmals Burkina Faso

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Bewaffnete Männer greifen ein Luxushotel in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou an. Mindestens 29 Menschen werden dabei getötet. Im Norden des Landes werden zudem zwei Ausländer entführt.

Die Bemühungen westlicher Nationen, dem islamistischen Terror in der afrikanischen Sahelzone ein Ende zu bereiten, haben einen schweren Rückschlag erlitten: Bewaffnete Extremisten konnten in der Nacht zum Samstag ein Blutbad in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos, anrichten. Es ist das erste Mal, dass Terroristen in dem westafrikanischen Staat einen Anschlag verübten – einen offenbar Ende vergangenen Jahres geplanten Überfall konnten die burkinabischen Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben vereiteln. Der Angriff auf ein Café und ein von zahlreichen Ausländern frequentiertes Hotel im Zentrum Ouagadougous kostete mindestens 29 Menschen das Leben und glich einem Überfall auf ein Luxushotel in der malischen Hauptstadt Bamako, bei dem im November 22 Menschen gestorben waren. Hinter beiden Anschlägen soll die Gruppe al-Murabitoun stehen, deren Chef Mokhtar Belmokhtar von Terrorbekämpfern seit Jahren gejagt wird.

Mindestens fünf Angreifer stürmten am Freitagabend das Splendid-Hotel in der Kwame-Nkrumah-Allee Ouagadougous sowie das gegenüberliegende Café „Le Cappuccino“ und eröffneten das Feuer auf Gäste und Personal. „Sie schossen und schossen“, berichtete eine Augenzeugin der britischen BBC: „Alle warfen sich zu Boden. Und wenn sich jemand bewegte, schossen sie auf ihn.“ Mindestens zehn Personen kamen in dem Café ums Leben, darunter auch zwei Schweizer, deren Identität bislang nicht bekannt gegeben wurde. Außerdem sollen sich unter den Toten sechs Kanadier, zwei Franzosen, ein Holländer und ein Missionar aus den USA befinden. Rund 60 Menschen wurden verletzt ins Krankenhaus eingeliefert.

Al-Kaida bekennt sich

In dem 3-Sterne-Hotel hielten die Angreifer anschließend mehr als 160 Gäste und Personal als Geiseln, darunter auch einen burkinabischen Minister. Die Sicherheitskräfte des Landes, die von mehreren Dutzend französischen Soldaten und einigen US-Spezialisten unterstützt wurden, stürmten in der Nacht das Hotel und befreiten die meisten der Geiseln. Bei dem Sturm des Gebäudes sollen vier Angreifer getötet worden sein, zwei davon waren offenbar Frauen. Einem fünften Terroristen gelang dem Vernehmen nach die Flucht, nachdem er sich in ein nahegelegenes anderes Hotel absetzen konnte. Vor dem „Splendid“ waren am Samstagmorgen mehrere ausgebrannten Fahrzeuge und Motorräder zu sehen.

Noch während in dem Hotel gekämpft wurde, bekannte sich „Al-Kaida im Islamischen Maghreb“ (Aqim) zu dem Anschlag. Der gemeinsam mit der befreundeten Terrorgruppe al-Murabitoun ausgeführte Angriff richte sich gegen „die Ungläubigen, die Besetzer unseres Landes, die Plünderer unserer Schätze und die Schänder unserer Sicherheit“, hieß es in einer im Internet verbreiteten Erklärung. Damit ist vermutlich die ehemalige Kolonialmacht Frankreich gemeint. Paris hat in Burkina Faso rund 200 Soldaten als Teil seiner 3000-köpfigen „Operation Barkhane“ stationiert, die den Terror in der Sahel-Zone bekämpfen soll. Die französischen Soldaten werden von rund 60 amerikanischen Antiterror-Experten verstärkt.

Operation Barkhane deckt eine 4000 Kilometer weite Region ab, die sich über vier Staaten – Mali, Burkina-Faso, Niger und den Tschad erstreckt. Sie wurde eingesetzt, nachdem ein Großteil der französischen Soldaten nach der Befreiung der von Islamisten kontrollierten nördlichen Landeshälfte Malis wieder abgezogen worden waren. Viele der verjagten Extremisten flohen in schwer zugängliche Regionen im Norden Malis sowie im Süden Algeriens und Libyens, von wo sie seitdem regelmäßig Anschläge verüben. Nun haben sie ihren „Einflussbereich“ auch auf das weiter südlich gelegene Burkina Faso ausgeweitet. Der Kampf gegen die Extremisten sei ein „Geduldspiel“, sagte Barkhane-Kommandant Oberst Eric Bometon kürzlich.

Der einäugige Extremistenführer Mokhtar Belmokhtar, wegen seiner Verwicklung in den Zigarettenschmuggel auch Mr. Marlboro genannt, ist der prominenteste Terrorchef Westafrikas. Mindestens viermal wurde schon sein Tod gemeldet, was sich jedes Mal wieder als falsch herausstellte. Der aus Algerien stammende Afghanistan-Veteran trennte sich 2012 von Aqim, arbeitet aber weiter mit dem Al-Kaida-Ableger zusammen. Auf das Konto des derzeit im Süden Libyens vermuteten Extremisten gehen der Überfall auf ein algerisches Gasfeld 2013, drei Anschläge auf Hotels und Restaurants in Mali sowie ein Angriff auf eine französisch betriebene Uranmine in Niger.

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