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Die von Einschusslöchern durchsiebte Front des Krudttoenden Cafés nach dem Anschlag.

Kopenhagen

Terror in Kopenhagen

Ein Attentäter feuert auf ein Café und eine Synagoge, erschießt zwei Menschen und stirbt dann durch Polizeikugeln. Die Ereignisse eines Wochenendes.

Nach zwei Terroranschlägen in Kopenhagen binnen weniger Stunden hat die Polizei den mutmaßlichen Attentäter am Sonntagmorgen erschossen. Der Mann ist den Polizeiangaben zufolge wahrscheinlich für den Mord an einem Gast einer Diskussion über Meinungsfreiheit in einem Café und an einem jüdischen Wachmann vor einer Synagoge verantwortlich. Die Taten mehr als fünf Wochen nach den Anschlägen auf die Karikaturisten der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris lösten in vielen Ländern Bestürzung aus.

Dänemark will sich nicht von den Terroranschlägen einschüchtern lassen. „Es gibt viele Fragen, die die Polizei noch beantworten muss“, sagte Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. „Aber es gibt eine Antwort, die wir heute schon geben können. Und die lautet, dass wir unsere Demokratie verteidigen werden.“

Die dramatischen Stunden von Kopenhagen begannen am Samstag um 15.33 Uhr. Der junge Mann beschoss mit einer automatischen Waffe von außen das Kulturcafé, in dem eine Veranstaltung zum Thema „Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede“ stattfand. Ein Gast starb, Augenzeugen zufolge handelt es sich um den 55-jährigen Filmregisseur Finn Nørgaard, berichtet die Zeitung „Ekstra Bladet“. Drei Polizisten wurden verletzt.

Der Angriff in dem Kulturcafé galt vermutlich dem schwedischen Zeichner Lars Vilks. Islamisten kritisieren ihn seit Jahren wegen seiner Mohammed-Karikaturen. Er war bereits mehrfach Ziel von Anschlägen. Islamisten setzten ein Kopfgeld von 150 000 Dollar auf ihn aus. Vilks blieb bei dem Anschlag unverletzt.

Nach dem Anschlag setzte eine Großfahndung ein. Der Attentäter flüchtete in einem dunklen VW Polo, stellte das Auto ab und ließ sich per Taxi in eine rund zwei Kilometer vom Kulturcafé entfernte Wohnung fahren. Etwa zehn Stunden nach dem ersten Anschlag eröffnete wahrscheinlich derselbe Täter nach Mitternacht das Feuer an einer rund drei Kilometer von der Wohnung entfernten Synagoge.

Ein Mann wurde von einer Kugel tödlich in den Kopf getroffen – nach Angaben aus der jüdischen Gemeinde ein 37 Jahre alter Freiwilliger, der die Besucher am Eingang kontrollierte. Zwei Polizisten wurden verletzt. Zu einer Feier – der Bat Mizwa – waren in dem Gebäude rund 80 Menschen versammelt.

In der Zwischenzeit hatte die Polizei Stellung vor einer Wohnung nahe des Bahnhofs Nørrebro bezogen. Die Adresse habe sie von dem Taxifahrer bekommen, dessen Fahrgast der Mann war. Kurz vor 5 Uhr kehrte der mutmaßliche Terrorist dorthin zurück. Die Sicherheitskräfte riefen ihm zu. Er eröffnete sofort das Feuer und wurde von den Beamten erschossen. (dpa)

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