Terror

Nach dem Terroranschlag in Wien: Verfassungsschutz warnt - „Müssen sehr wachsam sein“

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Der Verfassungsschutz weist nach den islamistischen Anschlägen auf die Gefahr von Nachahmungstätern hin.

  • In Frankreich und Österreich kam es in jüngster Zeit zu mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen.
  • In Deutschland gab es seit 2017 keine solchen Terrorakte mehr.
  • Trotzdem mahnt der Verfasssungschutz zur Wachsamkeit: „Müssen jeden Tag mit einem Anschlag rechnen“.

Berlin - Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang befürchtet nach den mutmaßlich islamistisch motivierten Terroranschlägen in Nizza und Wien Nachahmungstaten. Auch die deutschen Sicherheitsbehörden müssten sehr wachsam sein, sagte Haldenwang dem ARD-Hauptstadtstudio. Man müsse einen „sehr scharfen Blick auf die uns bekannten Gefährder werfen“. Die neuerliche Diskussion um die Mohammed-Karikaturen in Frankreich sei Hauptauslöser für die Anschläge in den vergangenen Wochen. Das Thema habe die Emotionen der Islamisten hochkochen lassen.

islamistische Szene in Deutschland: Zu Nachahmungstaten bereit

Auch die islamistische Szene in Deutschland diskutiere sehr intensiv darüber und zeige Solidarität mit den Glaubensbrüdern und -schwestern in Frankreich. „Insofern, denke ich schon, müssen die Sicherheitsbehörden in Deutschland zur Zeit sehr wachsam sein.“ Es gebe sicherlich den einen oder anderen, der über Nachahmungstaten nachdenke.

Polizisten stehen vor Kerzen am Tatort Desider-Friedmann-Platz in der Wiener Innenstadt.

Der Verfassungsschutz traut den Angaben zufolge 2060 Anhängern der islamistischen Szene in Deutschland die Beteiligung an einem Terroranschlag zu. Darin enthalten sind aktuell rund 620 Gefährder, die besonders auf dem Radar der Sicherheitsbehörden sind und in ihrer Gefährlichkeit ständig neu bewertet werden.

Verfassungsschutz: „Müssen jeden Tag mit einem Anschlag rechnen“

Nach Einschätzung Haldenwangs hat sich die Gefährdungslage durch den islamistischen Terrorismus nicht verändert. Zwar gab es nach 2017 in Deutschland keine islamistisch motivierten Anschläge mehr. Entsprechende Planungen habe es aber sehr wohl gegeben. Es sei den Sicherheitsbehörden lediglich gelungen, diese frühzeitig zu erkennen und zu intervenieren. „Wir müssen jeden Tag auch in Deutschland mit einem islamistischen Anschlag rechnen.“

In Wien hatte ein Angreifer am Montagabend offenbar aus islamistischen Motiven in einem Ausgehviertel auf Barbesucher und Restaurantangestellte geschossen. Der Täter tötete vier Menschen und verletzte 22 weitere, bevor er von Polizisten erschossen wurde. Zuvor hatte es mehrere islamistische Anschläge in Frankreich gegeben. In der Dresdner Altstadt hatte ein islamistischer Gefährder zwei Männer mit einem Messer attackiert, einer von ihnen kam dabei ums Leben. (skr mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Georg Hochmuth/dpa

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