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Terror in Afghanistan

Explosionen und Schüsse in Kabul: Abschiebung nach Afghanistan abgesagt

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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Nach einer Reihe von Anschlägen und Angriffen in der afghanischen Hauptstadt Kabul steigt die Zahl der Toten. Eine geplante Abschiebung aus München wurde unterdessen abgesagt.

Kabul ‒ In Afghanistan gehen die Angriffe auf die Zivilbevölkerung und Regierungsstellen weiter: Am Mittwoch (04.08.2021) wurden nach Polizeiangaben bei einem Bombenangriff in Kabul drei weitere Menschen verletzt. Am Tag zuvor hatte es in der Hauptstadt bereits mehrere koordinierte Anschläge gegeben. Nach einem Autobombenanschlag ist die Zahl der Toten und Verletzen bis zum Mittwochvormittag noch einmal gestiegen. Mindestens 13 Menschen seien getötet und weitere rund 20 seien verletzt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch. Unter den Todesopfern seien fünf Angreifer, die von Spezialkräften der Polizei getötet worden seien. 

Die Behörden hatten die Zahl der Toten nach den Angriffen vom Dienstag (03.08.2021) zunächst auf vier beziffert, am Mittwoch korrigierten sie diese nach oben. Einer der Angriffe hatte sich gegen Verteidigungsminister Bismillah Mohammadi gerichtet, vor dessen Haus in Kabul eine Autobombe detonierte. Über das Land rollt derzeit eine gewaltige Welle der Gewalt - immer mehr Zivilist:innen sterben.

Mehrere Tote und Verletzte in Kabul: Angriffe auf Abgeordnete

Informationen der Nachrichtenagentur AFP zufolge hieß es aus Sicherheitskreisen, Angreifende seien in das Haus eines Parlamentsabgeordneten gestürmt und hätten von dort aus auf das Haus des Verteidigungsministers geschossen. In dem Haus des Abgeordneten fanden demnach zu dem Zeitpunkt Beratungen über eine Gegenoffensive der afghanischen Armee gegen den Vormarsch der radikalislamischen Taliban im Norden des Landes statt. Der Angriff sei nach rund fünf Stunden beendet und etwa 80 Zivilist:innen gerettet worden.

Ein afghanischer Sicherheitsbeamter inspiziert einen Tag nach der Explosion einer Autobombe in Kabul den Tatort.

Weitere kleinere Explosionen gab es in der hochgesicherten Grünen Zone in der afghanischen Hauptstadt, in der mehrere afghanische Behörden und internationale Botschaften ihren Sitz haben. In Kabul ist die Zahl der großen Anschläge mit Autobomben und Selbstmordattentätern seit Anfang 2020 zurückgegangen. Zuletzt wurden im Mai bei drei kurz aufeinander folgenden Explosionen im Westen der Stadt mindestens 85 Menschen getötet. Allerdings gibt es praktisch täglich gezielte Tötungen von Regierungsmitarbeitenden, Geistlichen oder Sicherheitskräften in der Stadt.

„DIe Regierung und die Taliban zerstören uns“: Hunderte Familien in Afghanistan auf der Flucht

Zu den Anschlägen in Kabul bekannte sich laut aktuellen Informationen zunächst niemand. Die Regierung der USA erklärte aber, die Angriffe trügen die Handschrift der Taliban. Neben den Taliban reklamierte in der Vergangenheit auch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) Anschläge in Afghanistan. Die afghanischen Streitkräfte kämpfen derzeit an mehreren Fronten gegen die Taliban, die ihre Offensiven auf mehrere Provinzhauptstädte fortsetzen. Besonders verheerend ist die Situation derzeit in Laschkar Gah, der Hauptstadt der Provinz Helmand. Nach UN-Angaben wurden dort in den vergangenen Tagen dutzende Zivilist:innen getötet. Am Dienstag forderte die afghanische Armee die Bewohner:innen der 200.000-Einwohner-Stadt auf, sich vor den Kämpfen in Sicherheit zu bringen.

Hunderte Familien hätten die Stadt verlassen, sagte der Bewohner Saleh Mohammad. Zahlreiche weitere säßen jedoch fest. „Es gibt keinen Weg, aus der Region zu fliehen, weil die Kämpfe anhalten“, sagte er. „Die Regierung und die Taliban zerstören uns.“
Die vollständige Einnahme von Laschkar Gah durch die Taliban wäre ein harter Schlag für die afghanische Regierung. Seit dem Beginn des Abzugs der Nato-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban weite Teile des Landes erobert, bislang aber keine größeren Städte. Nach der weitgehend erfolglosen Intervention liefert der Westen nun mit seinem letztlich überstürzten Truppenabzug das Land an die Taliban aus

Terror in Afghanistan: Abschiebeflug von München nach Kabul abgesagt

Unterdessen ist ein ursprünglich für Dienstagabend (03.08.2021) geplanter Abschiebeflug nach Afghanistan von deutscher Seite kurzfristig abgesagt worden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren mehrere afghanische Männer, die von München nach Kabul hätten fliegen sollen, zum Zeitpunkt der Absage bereits in die bayerische Landeshauptstadt gebracht worden. Ob der Stopp der Abschiebung mit der eskalierenden Gewalt in Afghanistan zusammenhängt, ist noch unklar. Zu den Gründen für die Entscheidung gab es zunächst keine offiziellen Angaben.

In den vergangenen Jahren waren ausschließlich Männer - vorwiegend Straftäter und sogenannte Terrorgefährder - gegen ihren Willen von Deutschland nach Afghanistan zurückgebracht worden. Bundespolitiker:innen der Grünen und der Linken halten Abschiebungen in das Land nach dem jüngsten Vormarsch der Taliban für nicht vertretbar. Die Bundesregierung hatte sich dagegen zuletzt in Kabul dafür eingesetzt, dass Abschiebungen grundsätzlich weiterhin möglich sein sollen. (iwe/afp/dpa)

Rubriklistenbild: © Wakil Kohsar/afp

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