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Professor wütet im russischen Staats-TV gegen USA, Großbritannien und Türkei

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Der russische Professor Henry Sardarjan träumt von der Wiederherstellung der Sowjetunion.
Der russische Professor Henry Sardarjan träumt von der Wiederherstellung der Sowjetunion. © Screenshot/YouTube/Russian Media Monitor

Kaum Unabhängigkeit: Im russischen Staatsfernsehen wetterte ein Professor gegen ausländische Akteure in Ex-Gebieten der Sowjetunion. Wem gehören die Territorien?

Moskau – Inmitten des Ukraine-Krieges werden im russischen Staatsfernsehen immer wieder die steilsten Thesen aufgestellt. So war es auch bei der jüngsten Sendung des Kreml-Propagandisten Wladimir Solowjow der Fall. Sein Gast Henry Sardarjan, ein Professor am Moskauer Staatsinstitut für Internationale Beziehungen, schenkt der Unabhängigkeit von Ex-Sowjetrepubliken offenbar keinerlei Beachtung.

Russland aktuell: Professor wütet im Staats-TV gegen USA, Großbritannien und Türkei – „keine Außenseiter zulassen“

Mit Blick auf den Südkaukasus und Zentralasien betonte er, man dürfe keine „Außenseiter“ zulassen, da russische Zaren vor mehreren Jahrhunderten in diese Gebiete gekommen seien. Länder wie die USA, Großbritannien oder die Türkei dürften daher nicht „ihre Nase da reinstecken und versuchen, uns zu provozieren“, sagte Sardarjan. Der entsprechende Ausschnitt aus der Sendung wurde vom Russian Media Monitor, einem Zusammenschluss von mehreren Journalisten mit Fokus auf das russische Staatsfernsehen, samt Untertitel auf YouTube veröffentlicht.

Aktuell engagiert sich die Türkei mit der sogenannten Organisation der Turkstaaten immer stärker in Zentralasien. Außerdem beteiligt sich die Türkei unter anderem mit der aktiven Unterstützung Aserbaidschans gegen Armenien auch im Kaukasus – sowohl diplomatisch als auch militärisch. Viele in Russland befürchten wegen türkischen Aktionen unter der Außenpolitik von Staatschef Recep Tayyip Erdogan eine Gefahr für den Einflussbereich Russlands. Sardarjan dürfte genau deshalb die Türkei neben den USA und Großbritannien erwähnt haben.

„Das ist unser Territorium“: Russen-Professor Sardarjan sieht im Staatsfernsehen die Ex-Sowjetgebiete als Teil Russlands

Ferner könnten diese Länder Russland nicht dazu zwingen, so der Professor im Staatsfernsehen, „mit neuen Regeln zu spielen oder neue Formate zum Umgang mit ihnen zu schaffen“. Moskau dürfe hier keine Kompromisse eingehen, warnte Sardarjan. Schließlich handle es sich um „unser Land, unser Territorium strategischer Interessen“. Neben der russischen Führungsebene erkennen auch Propagandisten die Ukraine nicht als Staat an. Geht es nach Sardarjan, ist dies wohl für alle Ex-Sowjetgebiete der Fall.

„Alles, was ein Teil des russischen Imperiums und dann ein Teil der Sowjetunion war, ist das Gebiet der strategischen Interessen Russlands“, so der Professor für Internationale Beziehungen. Es dürfe keine anderen Akteure in diesen Regionen geben: „Das ist unser Territorium.“ Wieder ignorierte er dabei die Unabhängigkeit der Staaten auf dem Gebiet des ehemaligen russischen Imperiums: „Wenn ihr an irgendwas dort interessiert seid, dann müsst ihr zu uns kommen und mit uns einen Deal schließen.“

Sardarjan betonte, dass niemand denken solle, dass Russland zu beschäftigt in der Ukraine sei und daher nicht auf die Geschehnisse im Dunstkreis des Landes achten könne. Zugleich warnte er auch, dass das neue Jahr für Russland hart laufen werde. Das Risiko einer neuen Front gegen Moskau steige. Zuletzt hatte ein prominenter Milizen-Kommandeur auf die Gefahr einer neuen Front aus Kasachstan hingewiesen. (bb)

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