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Verlassene Häuser in der nach wie vor zur Sperrzone erklärten Stadt Okuma Machi, wo das Kernkraftwerk Fukushima steht.

Atomkraftwerk Fukushima

Fukushima strahlt weiter

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AKW-Betreiber Tepco vermeldet Erfolge bei der Räumung des Unglücksreaktors – die noch bis nach 2050 dauern wird.

Vor fast acht Jahren, am 11. März 2011, kam es im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zum Super-Gau. Seither laufen dort die Aufräum- und Sicherungsarbeiten. Ein Abschluss wird erst nach 2050 erwartet. Der Betreiber Tepco präsentierte nach zahlreichen Rückschlägen in den vergangenen Jahren am Donnerstag nun eine Erfolgsmeldung: Die Bedingungen, unter denen die Tausenden Arbeiter in der Atomruine schuften müssen, hätten sich deutlich verbessert.

Tepco-Sprecher Kenji Abe teilte bei einem Ortstermin in dem havarierten AKW mit, in 96 Prozent der Anlage könnten sich Arbeiter nun ohne Strahlenschutzkleidung bewegen. Die Stromfirma hatte eine kleinen Gruppe ausländischer Journalisten eingeladen, die Anlage zu besuchen.

In dem rund 230 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Kraftwerk „Fukushima Daiichi“ war es infolge eines Erdbebens mit nachfolgendem Tsunami zu der Katastrophe gekommen. Wegen der radioaktiven Strahlung, die bei Kernschmelzen in drei der sechs Reaktoren austrat, mussten damals rund 160 000 Anwohner fliehen. Mehr als 30 000 von ihnen können heute noch immer nicht in ihre Wohnungen und Heimatorte zurück. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986.

Die aktuelle Erfolgsmeldung kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tepco bei der tatsächlichen „Sanierung“ der stark strahlenden Teile der Atomruine bisher kaum vorangekommen ist. Die Bergung des geschmolzenen Kernmaterials gilt als der kritische Punkt. Sie soll 2021 beginnen, doch ist fraglich, ob dieser Termin zu halten ist.

Noch immer ist wenig darüber bekannt, wie es im Innern der betroffenen Reaktoren aussieht. Ohne genau zu wissen, wie das Material dort beschaffen ist, ist an dessen Bergung sowie den Abbau der Reaktoren nicht zu denken. Bisher gab es nur unzureichende Fotos und Videos dazu, die mit ferngesteuerten Sonden gemacht worden waren. Demnächst will Tepco einen speziell entwickelten Roboter in die Sicherheitsbehälter schicken, der die Beschaffenheit des Materials durch Abtasten feststellen soll.

Um die Atomruine während der absehbar noch Jahrzehnte andauernden Arbeiten vor einem weiteren möglichen Tsunami zu schützen, soll eine neue Wellenbrecher-Mauer am Meer gebaut werden. Auf dem Fukushima-Gelände stehen derweil weiterhin Hunderte Tanks mit jeweils 100 Tonnen radioaktiv kontaminierten Wassers, deren Entsorgung ungeklärt ist. Ende 2018 fordert die Internationale Atombehörde IAEA, die Tanks müssten „dringend“ entfernt werden.

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