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„Dresden Offlinevernetzung“

Mordpläne gegen Kretschmer: Telegram-Gruppe hatte Unterstützung aus den USA

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Radikale Impfgegner schmiedeten Pläne gegen den sächsischen Ministerpräsidenten – nun werden Chats aus ihrer Telegram-Gruppe öffentlich.

Dresden – Ein Bericht des ZDF-Magazins Frontal im Dezember 2021 hatte Ermittlungen des Landeskriminalamts Sachsen angestoßen, die weiter andauern. Dabei geht es um Mordpläne gegen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Eine Gruppe, die aus radikalen Impfgegnerinnen und Impfgegnern besteht, soll entsprechende Pläne auf dem Messengerdienst Telegram besprochen haben.

Bei Razzien im Großraum Dresden Mitte Dezember fanden Ermittlungsbehörden neben einer scharfen Pistole auch erlaubnisfreie Waffen und Schwarzpulver, wie Frontal berichtet. Ein neuer Bericht zeigt, dass die Gruppe wohl im Austausch mit einem Neonazi-Netzwerk in den USA stand.

Radikale Impfgegnerschaft: Gruppe aus Dresden kooperierte mit US-Neonazi-Netzwerk

In der Telegram-Gruppe namens „Dresden Offlinevernetzung“, in der die Mordpläne gegen den CDU-Politiker Michael Kretschmer geschmiedet wurden, wurden auch Anleitungen zu Terroranschlägen und zur Sprengstoffbeschaffung verbreitet, berichtet Frontal. Der Redaktion liegen demnach bislang unveröffentlichte Audiochats und Screenshots vor. Die Gruppe zähle etwa 100 Mitglieder und habe mit dem US-Neonazi-Netzwerk „MZWNEWS“ von John de Nugent kooperiert. Dieser bezeichnet sich auf seiner Website selbst als „Aktivist für die weiße Rasse“.

15. Dezember 2021: Nach Mordplänen gegen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in einer Telegram-Gruppe führte die Polizei im Großraum Dresden eine Razzia durch.

Der 67-jährige Holocaustleugner de Nugent soll der Dresdener Gruppe demnach geholfen haben, den Kreis der Gleichgesinnten zu vergrößern, auch im realen Leben. Das Magazin Frontal spricht vom „Aufbau eines Terrornetzwerks“. Das Kürzel MZW soll für „Mut zur Wahrheit“ stehen. Auf dem Telegram-Kanal von MZWNEWS werden unter anderem Verschwörungsmythen zu Corona und der jüdischen Religion verbreitet.

Das Netzwerk um de Nugent forderte deutsche Telegram-Nutzer:innen auf, militante Widerstandszellen zu gründen. „Bildet Kleingruppen von maximal 15 Leuten und fangt an effektiv aufzuräumen“, heißt es in einem der Chats. Und mehr als zehn solcher Gruppen hätten sich in Deutschland auch gebildet. Reale Treffen habe es beispielsweise in Hamburg gegeben. John de Nugent habe nicht auf Fragen der Frontal-Redaktion geantwortet. Die Anfrage habe er auf seinem Telegram-Kanal zusammen mit antisemitischen Beschimpfungen veröffentlicht, heißt es. Der Neonazi war bereits in der Vergangenheit wegen Verbindungen zu deutschsprachigen Gruppen aufgefallen.

Mordpläne gegen Michael Kretschmer: Telegram-Chats werden öffentlich

Daniel G., mutmaßlicher Gründer der Gruppe „Dresden Offlinevernetzung“, soll in einer Audionachricht angekündigt haben, nachträglich eine Zielvorrichtung auf seine Waffe montieren zu lassen. Er befürchte Corona-Impf-Teams, die vor seiner Wohnungstür auftauchen könnten. Dann wolle er mit seinem Gewehr oder einer Armbrust durch die Tür schießen: „Also, da fallen schon mal Zweie um“, sagte G. dazu. „Du kriegst hier die Typen dieses Regimes ohne friedliche Mittel, also ohne Gewalt, nicht mehr weg!“, hieß es demnach im selben Chat. Sein Anwalt teilte Frontal auf Nachfrage mit: „Keiner habe jemals ernsthaft eine mögliche Straftat vorbereitet oder auch nur in Betracht gezogen.“

Falls Impfteams in Wohngegenden von Tür zu Tür gehen sollten, könne man auch eine Mikrowelle umbauen, um mittels Strahlung ihre Geräte auszuschalten, sagte ein anderer Chat-Teilnehmer. „Je näher die Leute kommen, desto heißer wird’s dann“. Auch ein Flammenwerfer, könnte im Fall des Falles nützlich sein, findet er.

Mitglieder einer Chatgruppe auf Telegram planten die Ermordung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Das LKA führte eine Razzia in Dresden durch. (Archivfoto)

In der Chatgruppe hatte ein Teilnehmer vorgeschlagen, es könne sinnvoll sein, „wenn man den Herrn Kretschmer mal zuhause besucht und höflich und nett fragt, was das denn alles soll“. An anderer Stelle wurden mutmaßliche Mordpläne gegen den Politiker sichtbar: Man solle „den Ministerpräsidenten absägen“ und „bei ihm einmarschieren, den Typen dort rausziehen, irgendwo aufhängen und den nächsten. Und so weiter.“ Thomas F., ebenfalls Mitglied der Telegram-Gruppe, kommentierte.: „Da muss man sich entscheiden: Ist man bereit für so ein Opfer?“

Mordpläne gegen Michael Kretschmer: Ermittlungen dauern an

Die Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden gegen sieben Tatverdächtige dauern an: Der „Tatvorwurf gegen die Beschuldigten lautet auf gemeinschaftliche Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.“ Die Frontal-Redaktion des ZDF hat mehrere Stunden Aufzeichnungen von den Chat-Gesprächen veröffentlicht, um aufzuzeigen, wie die Gruppe „Dresden Offlinevernetzung“ miteinander kommunizierte. Einige Gruppenmitglieder seien auch auf Demonstrationen sogenannter „Querdenker“ gesehen worden, die sich gegen die Corona-Maßnahmen stellen.

Michael Kretschmer und weitere Politiker fordern eine schärfere Beobachtung radikaler Gruppen auf Telegram. Rechtsextreme würden dort Propaganda, Hass und Hetze verbreiten. Justizminister Marco Buschmann (FDP) spricht sich für ein europäisches Vorgehen aus. (lrg)

Rubriklistenbild: © Sebastian Kahnert/dpa

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