Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Senator sorgt für Empörung

Wetterchaos in Texas: Desaster von Ted Cruz wird zur Chance für die Demokraten

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
    schließen
  • Christian Stör
    Christian Stör
    schließen

Nach seinem Mexiko-Urlaub inmitten des Wintersturms in Texas steht Ted Cruz in der Kritik. Einem Demokraten könnte sein Missmanagement nützen.

  • Texas erlebt einen harten Wintereinbruch: Hunderttausende Menschen waren zeitweise ohne Strom und Wasser.
  • Mitten im Wetterchaos verlässt Senator Ted Cruz die USA und fliegt nach Mexiko – es hagelt Kritik.
  • Die Republikaner kommen in der Krise nicht gut weg, die Demokraten sehen ihre Chance.

Update vom Donnerstag, 25.02.2021, 11.46 Uhr: Dass der texanische Senator Ted Cruz während des Sturms in seinem Bundesstaat das Weite gesucht hat, könnte einem anderen Mann - oder gar einer ganzen anderen Partei - Türen geöffnet haben: Der Demokrat Beto O‘Rourke hat einem Politico-Bericht zufolge die Chance der Krisenlage genutzt, um Menschen in Texas zu helfen und sich wieder als Politiker ins Spiel zu bringen. O‘Rourke saß von 2013 bis 2019 im Repräsentantenhaus. 2018 hatte er sich für den Senat zur Wahl gestellt, doch Ted Cruz gewann den Sitz. Er wollte auch 2020 bei der Präsidentschaftswahl antreten, beendete seine Kampagne jedoch früh und unterstützte Joe Biden.

In der Notlage in Texas sammelte O‘Rourke dem Magazin zufolge Spenden für die Opfer des Sturms und verteilte Wasser mit seinem Pick-up. All das teilte er öffentlichkeitswirksam auf Facebook. Für die Demokraten in Texas könnte das heißen: Beto O‘Rourke ist als Politiker zurück. Bereits im Januar deutete er an, 2022 Gouverneur von Texas werden zu wollen, das Amt hat derzeit der Republikaner Greg Abbott inne.

Beto O‘Rourke bei einem „Meet and Greet“. Der US-Demokrat erwägt, Gouverneur von Texas zu werden. (Archivbild)

Das republikanisch geprägte Texas könnte offener für einen Demokraten an der Spitze werden, nachdem die Republikaner im Krisenmanagement des Sturms nicht gut weggekommen sind. „Nachdem ganz Texas zugefroren ist wegen schlechter Führung, denke ich, dass es ein anderer Staat Texas als vor zwei Wochen“, sagte der Anwalt Mikal Watts gegenüber Politico, der für die Demokraten Wahlkampfgelder sammelt.

Sturm in Texas: Ted Cruz flieht, Demokrat O‘Rourke sammelt Spenden

Laut dem texanischen Demokraten Eliot Shapleigh ist O‘Rourke „der perfekte Kontrast“ zu den Republikanern. „Nehmen wir Ted Cruz. Ted Cruz düst nach Cancun, lügt darüber, kommt zurück und macht eine Schau daraus, wie er Wasserfalschen verteilt“, so Shapleigh. In der Zwischenzeit hat O‘Rourke dem Bericht zufolge dagegen beispielsweise 1,4 Millionen Dollar Spenden gesammelt und mit einer Legion Freiwilliger das Wohlbefinden von mehr als 900.000 Senior:innen abgefragt. „Wähler reagieren darauf“, so Shapleigh.

O‘Rourke habe vor allem den Umgang des texanischen Gouverneurs Abbott mit dem Coronavirus satt und dessen Forderung, dass Texas zu einem Staat werden solle, der das Second Amendment der Verfassung ‒ der Zusatzartikel zum Waffenrecht ‒ zu einem Heiligtum mache.

Ted Cruz, Senator von Texas, am Cancun International Airport in Cancún. Mitten in der Winterwetter-Krise handelte sich der prominente texanische Senator Ted Cruz scharfe Kritik ein.

Wetterchaos in Texas: Ted Cruz macht Urlaub und beleidigt seine Nachbarn

Update vom Mittwoch, 24.02.2021, 10.34 Uhr: Ted Cruz hat in einem Interview seine eigenen Nachbarn beschimpft, die von seiner Frau Heidi Cruz eingeladen wurden, mit ihnen nach Mexiko zu fliegen. Am Dienstag (23.02.2021) war Cruz in dem Podcast „Ruthless“ zu Gast. Im Interview beschwerte er sich darüber, dass die Textnachrichten seiner Frau mit der Nachbarschaft durchgesickert sind. Auch seine Frau Heidi Cruz sei darüber „ziemlich sauer“. In seiner Straße lebten „eine Reihe von Republikanern“, aber auch „eine Menge Demokraten“.

„Hier ist ein Vorschlag, seien Sie einfach nicht solche Arschlöcher. Behandeln Sie einander lieber als Menschen, haben Sie ein gewisses Maß, ein klein wenig Respekt“, schimpfte Ted Cruz auf seine Nachbarn. Das ist allerdings nicht die einzige Geschmacklosigkeit, die sich Cruz im Interview leistete. Er sagte auch: „Schauen Sie, ich habe nicht mehr so viel negative Presse gehabt, seit Nordkalifornien in den 1960er Jahren.“ Damit bezieht er sich auf einen Serienmörder, der „The Zodiac Killer“ genannt wird. Unter diesem Pseudonym ermordete er zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 in der San Francisco Bay Area fünf Menschen. Zwei weitere überlebten seine Angriffe schwer verletzt.

Auf Twitter gibt es auch auf diese Aussagen von Ted Cruz bereits Kritik und Spott. Ein Nutzer schreibt, dass aus „Lyin‘ Ted“ – dem lügenden Ted – nun „Cryin‘ Ted“, also der weinende Ted, geworden sei.

Demonstranten stehen vor dem Haus von Texas-Senator Ted Cruz und fordern seinen Rücktritt. Mitten in der Winterwetter-Krise handelte sich der prominente texanische Senator Ted Cruz scharfe Kritik ein.

Wetterchaos in Texas: Ted Cruz wütet bei Fox News gegen Medien

Update vom Dienstag, 23.02.2021, 14.58 Uhr: Nach seinem umstrittenen Trip nach Mexiko hat der texanische US-Senator Ted Cruz erneut mit dem konservativen Fernsehsender Fox News gesprochen. In einem Interview mit Sean Hannity am Montagabend (22.2.2021, Ortszeit) sagte der Republikaner, die US-Medien seien „besessen“ von dem Urlaubsskandal, weil sie unter „Trump-Entzug“ leiden würden.

Sean Hannity sprang Ted Cruz zur Seite und vertrat die Meinung, Nachrichtenagenturen, Fernsehsender und Zeitungen würden der Reise zu große Aufmerksamkeit schenken. Daraufhin verwies er auf den demokratischen Gouverneur New Yorks, Andrew Cuomo, und seinen kritisierten Umgang mit der Corona-Pandemie. „Wo ist die Verhältnismäßigkeit von dem Mob und den Medien?“, fragte der Moderator.

Senator Ted Cruz (l.) wird von Fox News-Moderator Sean Hannity interviewt.

Ted Cruz antwortete: „Sie haben recht und ich denke, die Medien leiden unter Trump-Entzug, wo sie Trump jeden Tag für vier Jahre angegriffen haben. Sie wissen nicht, was sie tun sollen. Darum sind sie davon besessen, dass ich meine Mädchen mit zum Strand nehme.“ Zuvor verteidigte der Republikaner seinen Trip nach Mexiko und sagte, er hätte ein „guter Vater“ sein wollen.

Wetterchaos in Texas: US-Senator flieht nach Mexiko – und widerlegt eigene Stellungnahme

+++ 15.55 Uhr: Sean Hannity von Fox News wollte Ted Cruz in Schutz nehmen. Der Senator hatte sich nach Cancun (Mexiko) begeben, während in seinem Bundesstaat Texas inmitten eines Wintersturms Millionen von Haushalten ohne Strom und Heizung sind. Hannity wiederholte dabei eine Stellungnahme, die Cruz zuvor abgegeben hatte, wonach er lediglich seine Töchter in Cancun abgesetzt hätte und sich sofort wieder auf die Rückreise machen wollte. Bereits vor dem Interview gestand der Senator allerdings, dass diese Stellungnahme nicht korrekt war.

Veröffentlichte Textnachrichten zeigten, dass Ted Cruz bis Sonntag in Mexiko bleiben wollte. Das gab er auch gegenüber Sean Hannity zu. Allerdings behauptet der Senator auch, sofort „Bedenken“ gehabt zu haben, weshalb er bald darauf wieder die Rückreise nach Texas antrat.

Senator Ted Cruz (l.) wird von Fox News Sean Hannity interviewt.

Wetterchaos in Texas: US-Senator lässt Menschen und Haustier im Stich und flieht nach Mexiko

Erstmeldung vom Freitag, 19.2.2021, 12.09 Uhr: Austin – So eine Krise hat Texas noch nicht erlebt. Der beispiellose Wintereinbruch stellt die Menschen in dem US-Bundestaat im Süden der USA vor nie gekannte Probleme, Hunderttausende harren seit Tagen ohne Strom aus, die Wasserversorgung funktioniert hinten und vorne nicht. In der Stadt Kyle bei Austin ging ein dramatischer Appell an die Menschen: „Bitte verwenden Sie Wasser nur, um das Leben aufrechtzuerhalten. Wir stehen kurz davor, dass die Wasservorräte in Kyle zur Neige gehen.“

Doch einen kümmerte das Wetterchaos nicht im Geringsten. Ausgerechnet Ted Cruz, der den Staat als Senator im Kongress vertritt, hat sich mitten in der Krise einfach mal so eben in den Flieger nach Mexiko gesetzt und ist am Mittwoch (17.02.2021) mit seiner Familie in den sonnigen Ferienort Cancun geflogen.

Mitten in der Krise handelt sich der prominente texanische Senator Ted Cruz scharfe Kritik ein.

Wintereinbruch in Texas: Senator Ted Cruz fliegt mitten in der Krise in den Urlaub nach Mexiko

Das allerdings tat Ted Cruz nicht unbemerkt. Noch am Mittwochabend tauchten im Internet die ersten Fotos von ihm und seiner Familie auf, die am Flughafen auf den Start des Fliegers nach Cancun wartete. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. In den Sozialen Medien wurde dem Senator aus Texas vorgeworfen, die Menschen in seinem Bundesstaat inmitten großer Not im Stich zu lassen, um sich selbst in der Sonne zu amüsieren.

Zudem hatte Ted Cruz die Menschen in Texas Anfang der Woche in einem Radiointerview noch vor unnötigen Reisen angesichts des Wintereinbruchs in Texas gewarnt: „Es könnte passieren, dass in dieser Woche bis zu 100 Menschen in Texas ums Leben kommen, also riskieren Sie es nicht, bringen Sie Ihre Familie in Sicherheit und bleiben Sie einfach zu Hause und drücken Sie Ihre Kinder.“

Reise nach Mexiko: Senator Ted Cruz verstrickt sich in Widersprüche

Als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, verstrickte sich Ted Cruz dann auch noch in Widersprüche. Nach Stunden der Funkstille zitierten US-Medien zunächst aus einer Stellungnahme, in der der Senator aus Texas erst einmal seinen Töchtern die Schuld in die Schuhe schob. Da der Schulunterricht gestrichen sei, hätten seine Töchter einen Trip mit Freunden machen wollen. Als „guter Vater“ sei er mit ihnen weggeflogen und wollte danach sofort nach Texas zurückkehren. Auch dem TV-Sender Telemundo sagte Ted Cruz vor seinem Rückflug nach Texas, er habe seine Töchter lediglich in Cancun abgesetzt und sei nun auf dem Weg, „um den Strom wieder zum Laufen zu bringen“.

Doch die Sache lag wohl doch ein wenig anders. Aus Textnachrichten, die der New York Times zugespielt wurden, geht hervor, dass die Familie kurzfristig einen Ferientrip bis Sonntag geplant hatte. In ihrem Haus sei es eiskalt, schrieb die Ehefrau von Ted Cruz in einem Gruppenchat und schlug den dort vertretenen Freund:innen und Nachbar:innen einen gemeinsamen Kurzurlaub bis zum 21. Februar vor. Heidi Cruz lud alle Chatmitglieder dazu ein, sich ihnen im Ritz-Carlton in Cancun anzuschließen, wo sie „viele Male“ übernachtet hätten. Sie nannte auch den Zimmerpreis (309 Dollar pro Nacht) und lobte den hohen Sicherheitsstandard vor Ort. Wer aber musste zu Hause bleiben? Der Hund der Familie. Auch den Pudel, der den treffenden Namen Snowflake trägt, ließ Ted Cruz also im Stich. Immerhin kümmerte sich ein Wachmann um das Tier.

Ted Cruz
Geburtstag22. Dezember 1970
GeburtsortFoothills Medical Centre, Calgary, Kanada
EhepartnerinHeidi Cruz (verh. 2001)
KinderCaroline Camille Cruz, Catherine Christiane Cruz
AmtSenator aus Texas (Republikanische Partei)

Reise nach Mexiko: Senator Ted Cruz verstrickt sich in Widersprüche

Tatsächlich musste Ted Cruz einräumen, dass er ursprünglich das gesamte Wochenende mit seiner Familie in Cancun bleiben und von dort per Telefon und Videoschalte arbeiten wollte. Er habe aber dann kurzfristig Zweifel bekommen, ob dies richtig sei, und zwar „fast in dem Moment, als ich mich ins Flugzeug setzte“. Er könne verstehen, warum die Menschen verärgert seien, sagte Ted Cruz nach seiner Rückkehr nach Texas. „Es war offensichtlich ein Fehler, und im Nachhinein hätte ich es nicht getan.“ Ihm sei klar geworden, dass er in Texas sein müsse „und deshalb bin ich zurückgekommen.“

Die Demokraten in Texas riefen Ted Cruz unterdessen per Tweet zum Rücktritt auf. Und vor seinem Haus versammelten sich am Donnerstag (18.02.2021) etliche Menschen, die den Senator per Gesang zum Rücktritt aufforderten: „Hey hey, ho ho, Ted Cruz has got to go.”

Ted Cruz war Präsidentschaftsbewerber der republikanischen Partei für die US-Wahl 2016. Später tat er sich als loyaler Verbündeter von Donald Trump hervor. Inzwischen werden Ted Cruz auch Ambitionen für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bei der US-Wahl 2024 nachgesagt. (Christian Stör)

Rubriklistenbild: © Dan Christian Rojas

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare