Technisches Hilfswerk schickt Team nach Irak

Schily: "Bundesregierung unterstützt Wiederaufbau" / US-Experten erwarten fünf Jahre Besatzungszeit

BAGDAD/BERLIN, 18. Juli (dpa/rtr/ap). Ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks (THW) wird nach Angaben von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) am Montag zunächst nach Kuwait und dann weiter nach Irak reisen. Dort soll es die Bedingungen prüfen, unter denen das THW beim Aufbau der zerstörten Wasser- und Stromversorgung des Landes helfen könnte. Die Regierung in Washington habe ein entsprechendes Angebot Deutschlands "mit Dank angenommen", sagte Schily am Freitag in Berlin. "Die Bundesregierung wird den Aufbau in Irak mit zivilen Hilfeleistungen unterstützen", erklärte der Innenminister.

Nach Einschätzung von US-Zivilverwalter Paul Bremer werden die Iraker bereits im kommenden Frühjahr über ihre künftige Regierung abstimmen dürfen. Der Verlauf der Verfassungsarbeit im inzwischen eingesetzten irakischen Verwaltungsrat werde entscheidend sein für den Wahltermin, sagte Bremer am Freitag in Bagdad.

Ein US-Expertenteam lobte die bisherigen Aufbauleistungen in Irak. Für die weitere Arbeit fehlten allerdings Personal, Geld und Flexibilität. Die US-Verwaltung müsse schnell reagieren, um das Vertrauen und die Unterstützung der Iraker in die Zivilverwaltung nicht zu verlieren. Die nächsten drei Monate seien hierfür entscheidend, heißt es in dem 15-seitigen Bericht der fünf Experten. Unter Leitung von John Hamre, dem Chef des Zentrums für Strategische und Internationale Studien in Washington, hatten die Fachleute vor Ort die Situation in Augenschein genommen. Ihrer Meinung nach werden die alliierten Besatzungstruppen noch mindestens fünf Jahre in Irak bleiben müssen.

Überraschend reiste US-Vizeverteidigungsminister Wolfowitz am Freitag nach Bagdad. Eine US-Militärsprecherin bestätigte den Besuch des Pentagon-Vertreters, machte aber keine Angaben über seine Pläne. Wolfowitz ließ mitteilen, er freue sich, "aus eigener Anschauung zu erfahren, was es für das irakische Volk heißt, von einer jahrzehntelangen brutalen Unterdrückung befreit zu sein". Gemeinsam mit US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gilt Wolfowitz seit langem als wichtigster Befürworter des Irak-Krieges.

Der Widerstand gegen die alliierten Besatzungstruppen in Irak hält unvermindert an. Am Freitag starb erneut ein US-Soldat bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi. Ein offenbar selbst gebastelter Sprengsatz detonierte, als die Fahrzeugkolonne westlich der Stadt Falludscha eine Brücke überquerte.

Bei einer Routinepatrouille im Westen von Bagdad nahe der Flughafen-Autobahn entdeckten US-Einheiten am Freitag eine große Bombe, die in einem Container verborgen war. Bereits in der Nacht hatten die Soldaten ein umfangreiches Waffenarsenal mit 250 Sturmgewehren, zwei Tonnen Sprengstoff und rund 11 000 Granaten in der Stadt Tikrit entdeckt.

Dossier: Irak nach dem Krieg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion