Techniker des Hasses

Am 43. Tag nach dem vierfachen Mord in Köln und der Entführung von Hanns-Martin Schleyer haben die Terroristen die grausigen Drohungen wahrgemacht und ihr

Von Roderich Reifenrath

Am 43. Tag nach dem vierfachen Mord in Köln und der Entführung von Hanns-Martin Schleyer haben die Terroristen die grausigen Drohungen wahrgemacht und ihr Opfer "hingerichtet". Nach der Befreiungsaktion von Mogadischu und dem makabren Abgang in den Stammheimer Zellen gab es wohl kaum jemanden in der Bundesrepublik, der noch die Hoffnung gehabt hätte, ein letzter Rest von Mitgefühl werde die Terroristen davon abhalten, eine völlig gescheiterte Aktion mit einer "Liquidierung" zu beenden. Man muß die "Vollzugsmeldung" der jungen Männer und Frauen lesen, um zu ahnen, welch unglaublicher Verlust an Menschlichkeit diese Techniker der nackten Gewalt beherrscht. Bedrohlich wie alles, was sie bisher getan haben, ist auch die Ankündigung, daß nun weiter gemordet werde. Eine kalte Sprache soll Überlegenheit demonstrieren, in Wahrheit ist sie nur das Endprodukt krankhaften Hasses.

Natürlich wird jetzt auch wieder die Frage gestellt, ob Schleyer wirklich nicht zu retten gewesen wäre, ob man nicht doch die Gefängnisse hätte öffnen, ein Leben gegen die Freiheit von Verbrechern einlösen sollen. Auf diese Frage gibt es keine absolut richtige Antwort. Aber wer möchte jetzt dem Bundeskanzler und dem Krisenstab vorwerfen, sie hätten in einem manchmal verzweifelten Nervenkrieg die falsche Entscheidung getroffen?

FR vom 20. Oktober 1977

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