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Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, r) besucht das Feldwebel-Unteroffizieranwarterbataillon 2.

Bundeswehr

Tausende Patronen aus Kaserne verschwunden

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Die Bundeswehr meldet den Verlust von mehreren Dutzend Waffen und 100 Kilogramm Munition.

Die Bundeswehr hat seit Anfang 2014 den Verlust von 39 Waffen, 39 Waffenteilen und 19 445 Schuss Munition verbucht. Das geht aus einer als Verschlusssache eingestuften Auflistung des Bundesverteidigungsministeriums hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Laut dem Papier aus dem Büro von Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (CDU) sind bislang zwei Waffen, ein Waffenteil und 3474 Schuss Munition wieder aufgetaucht.

Bei den nach wie vor verschwundenen Waffen und Waffenteilen handelt es sich unter anderem um sechs Maschinengewehre vom Typ MG3, elf Gewehre vom Typ G3, vier Gewehre vom Typ G36, sechs Signalpistolen sowie zwei Pistolen vom Typ P8. Zudem fehlen 30 Waffenrohre für Maschinengewehre vom Typ MG3.

Der Großteil der Fälle von spurlos verschwundenen Waffen und Munition liegt bereits einige Jahre zurück. Die sechs Maschinengewehre vom Typ MG3 gingen im Mai 2015 im niedersächsischen Wilhelmshaven verloren, 30 dazu passende Waffenrohre gut einen Monat davor im bayerischen Erding. Unter den verschwundenen Waffen befindet sich auch eine Maschinenpistole vom Typ MP7, die ausschließlich von Behörden genutzt wird und für die es keine Munition auf dem freien Markt gibt.

Größter Verlust in Hilden im Jahr 2014

Nachfolger für den Tornado Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will im ersten Quartal des kommenden Jahres über ein Nachfolgemodell für das in die Jahre gekommene Kampfflugzeug Tornado entscheiden. Über die dafür nötigen Zertifizierungen habe sie auch mit ihrem US-Kollegen Mark Esper gesprochen, sagte die CDU-Politikerin bei ihrem Antrittsbesuch bei der Luftwaffe im rheinischen Nörvenich.

Das Ministeriumprüft, ob für besondere Aufgaben amerikanische Maschinen vom Typ „F/A-18“ gekauft oder – wie in weiten Teilen der Luftwaffe – auch auf den Eurofighter gesetzt werden soll. dpa

Der weitaus größte Anteil der verschwundenen Munition wurde im Juni 2014 im nordrhein-westfälischen Hilden gemeldet. Dort gingen mehrere hundert Kilogramm Munition verloren, insgesamt 14 833 Schuss. In der Waldkaserne Hilden sind rund 750 Soldaten stationiert – darunter auch Angehörige des Militärgeheimdienstes MAD.

Der MAD ist laut Verteidigungsministerium damit betraut zu prüfen, „ob Erkenntnisse mit Extremismusbezug zu möglichen Tatverdächtigen vorliegen“, wie es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Martina Renner heißt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind zurzeit 34 private Unternehmen mit 7012 Mitarbeitern in die Bewachung von Bundeswehrliegenschaften eingebunden. Zum Zeitpunkt der Waffen- und Munitionsverluste seien die besonders betroffenen Standorte in Wilhelmshaven, Hilden und Erding von privaten Sicherheitsunternehmen bewacht worden. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte, es handele sich um insgesamt 35 verschwundene Waffen. Angesichts von mehr als 300 000 Handwaffen der Bundeswehr liege diese Zahl jedoch im „Promille-Bereich“.

Angaben dazu, woher die gut tausend Schuss Munition stammten, die Ermittler bei einem Helfer des unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffiziers Franco A. vor zwei Jahren fanden, machte das Verteidigungsministerium mit Bezug auf laufende Ermittlungen nicht.

Umfang von Waffenverlusten „beängstigend“

Der Umfang von Waffen- und Munitionsverlusten bei der Bundeswehr sei „beängstigend“, sagte Martina Renner. Dies gelte umso mehr, da im Zuge von Ermittlungen kaum etwas wieder aufgefunden worden sei. Die Linken-Politikerin sprach von einer „dürftigen Bilanz“. Renner kritisierte, dass an der Auflistung nicht erkennbar sei, ob sich unter der verschwundenen Munition auch diejenige befinde, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffizier Franco A. gefunden worden sei. „Und das obwohl ein Unterstützer von Franco A. kürzlich wegen des Besitzes dieser Munition verurteilt wurde“, sagte Renner. Der mutmaßliche Terrorhelfer hat inzwischen Revision eingelegt.

Der Verlust von Waffen und Munition bei der Bundeswehr zieht eine strenge Aufarbeitung nach sich. Ab fünf Patronen muss der Vorgang dem Verteidigungsministerium gemeldet werden. Bereits bei einer Patrone wird der betroffene Soldat vernommen und ein Schadensvorgang angelegt. Ein Prozedere, dem auch ein Soldat in Wilhelmshaven nicht entging. Ihm war eine Patrone ins Hafenbecken gefallen.

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