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Tareq Alaows Koordinierungskreis Bewegung SEEBRUECKE
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Tareq Alaows: Der Grünen-Politiker zieht seine Bundestagskandidatur zurück, nachdem er rassistischen Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt war.

Rassismus

Außenminister Maas über Rassismus und Drohungen gegen Tareq Alaows: „Erbärmlich für unsere Demokratie“

  • VonMirko Schmid
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Nach rassistischen Drohungen zieht der Grüne Tareq Alaows seine Kandidatur zurück. Er wollte als erster Geflüchteter in den Bundestag. Außenminister Heiko Maas wettert.

Update von Dienstag, 30.03.2021, 19.02 Uhr: Die Reaktionen der Berliner Politik auf den Rassismus-bedingten Rückzug von Tareq Alaows fallen empört aus. Bundesaußenminister Heiko Maas nennt die Drohungen und verbalen Angriffe auf den Grünen-Politiker „erbärmlich für unsere Demokratie“. Alaows habe Solidarität verdient. Genau wie „alle, die sich ehrenamtlich engagieren und angefeindet werden“.

Auch Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, äußert sich entsetzt. Dass es für Tareq Alaows nicht möglich sei, für den Bundestag zu kandidieren, ohne seine eigene und die Sicherheit seiner Familie aufs Spiel zu setzen, nennt Göring-Eckardt auf Twitter „hochgradig beschämend für unsere demokratische Gesellschaft“. Ihre Forderung: „Wir müssen uns solchen rassistischen Anfeindungen noch wirksamer entgegenstellen!“

Tareq Alaows: Grüner Politiker zieht Bundestagskandidatur wegen Rassismus und Drohungen zurück

Erstmeldung von Dienstag, 30.03.2021, 15:49 Uhr: Dinsklaken - Der Grüne Tareq Alaows, der im Wahlkreis Oberhausen und Dinslaken im Rennen um ein Bundestagsmandat antreten wollte, hat seine Kandidatur zurückgezogen. Auf der Homepage der Dinslakener Grünen wird „insbesondere die Sicherheit seines engsten Umfelds“ als Grund dafür genannt. Unterdessen wächst die Unterstützung für Alaows, auf Twitter trendet der Hashtag #SolidaritätMitTareq.

Tareq Alaows selbst nennt „die hohe Bedrohungslage für mich und vor allem für mir nahestehende Menschen“ als wichtigsten Grund für die Rücknahme seiner Bundestagskandidatur. Ihn haben die „massiven Rassismuserfahrungen“, welche er seit dem Beginn seiner Kandidatur habe erfahren müssen, „erschreckt“: „Meine Kandidatur hat gezeigt, dass wir in allen Parteien, der Politik und der Gesellschaft starke Strukturen brauchen, die strukturellem Rassismus entgegentreten und Betroffenen helfen.”

Tareq Alaows, vor sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen, zieht Bundestagskandidatur zurück

Der vor sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohene Alaows sieht dennoch positive Seiten seiner Bereitschaft, für den Bundestag zu kandidieren. Die große öffentliche Aufmerksamkeit für seine Kandidatur habe gezeigt, „was für uns, geflüchtete Menschen, möglich sein kann.“ Es mangele gesellschaftlich „leider an diskriminierungsfreien Räumen in allen Bereichen des Lebens.“ Sein Appell: „Es ist an uns allen, dies konkret in unserem Umfeld anzugehen und zu verändern.”

Trotz seines von Rassist:innen erzwungenen Rückzuges dankt Tareq Alaows all jenen, die ihn auf seinem Weg begleitet und unterstützt haben. Er habe viele Situationen erlebt, die ihm „große Hoffnung“ gegeben hätten. Das gelte für seine Partei „und außerhalb“, dezidiert nennt er Einzelpersonen, die Zivilgesellschaft und sein Team. Die Oberhausener und Dinslakener Grünen nehmen die Ankündigung mit Enttäuschung und Verständnis auf: „Wir hätten uns gewünscht, weiterhin mit Herrn Alaows als unserem Bundestagskandidaten für eine humane Asyl- und Migrationspolitik streiten zu können. Leider ist dies aufgrund der angespannten Sicherheitslage nicht mehr möglich.“

Tareq Alaows zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück, Europaparlamentarier Marquardt startet Twitter-Trend

Für seine Entscheidung des Rückzuges von seiner Bundestagskandidatur zum Wohle der Sicherheit seines engsten Umfelds habe Tareq Alaows „Respekt verdient und unseren Rückhalt.“ Für die „Aufstellung einer neuen Bundestagskandidatin“ sei ausreichend Zeit, heißt es auf der Homepage der Grünen Dinslaken. Während Alaows selbst sich mit sofortiger Wirkung aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und darum bitten lässt, von Presseanfragen abzusehen, formiert sich auf Twitter breiter Rückhalt und Unterstützung für den Grünen-Politiker.

So twittert der Grüne Europaparlamentarier und Geflüchtetenhelfer Erik Marquardt: „Tareq Alaows zieht seine Bundestagskandidatur aufgrund rassistischer Anfeindungen und der Bedrohungslage für seine Familie zurück. Das macht nicht nur traurig, sondern wütend. Schaffen wir es auf Twitter ein Signal der Solidarität zu senden? Hashtag: #SolidaritätMitTareq.“ Und sein Aufruf verhallt nicht ungehört. Der Hashtag #SolidaritätMitTareq trendet in Deutschland auf Platz 1.

Tareq Alaows erfährt viel Rückhalt nach Rückzug aufgrund von Rassismus

Terry Reintke, ebenfalls für die Grünen im Europaparlament, twittert: „Rassistischer Hass zersetzt Demokratie. Das ist heute vielleicht offensichtlicher als sonst. Aber es stimmt jeden Tag. Die Nachricht von Tareqs Rückzug geht uns alle an. Und wir müssen alle dafür sorgen, dass wir Räume sicherer und inklusiver machen.“ Eileen O‘Sullivan, vormalige Spitzenkandidatin der Europa-freundlichen Partei Volt für die Kommunalwahl in Frankfurt, schließt sich an: „Das darf keine Realität sein. Aber sie ist es. Zeigt #SolidaritätmitTareq. Solche Einschüchterungen passieren seit Jahren und sind eine Bedrohung für unsere Demokratie. Es muss aufhören. Werdet lauter, Leute!“

Der Twitter-Account der geflüchteten-Initiative Seebrücke schreibt: „Unsere Gesellschaft ist nicht in der Lage, Menschen wie Tareq zu schützen, die mit Herzblut für ihre Themen kämpfen. Wir müssen Rassismus und Hass noch entschlossener bekämpfen und Räume schaffen, in denen Menschen mit Rassismuserfahrungen sich sicherer fühlen können.“ Ali Khademolhosseini, Europa-Koordinator der globalen Organisation junger Grüner, fühlt sich persönlich betroffen: „Was man über den Rücktritt von Tareq Alaows sagen kann, haben viele gesagt. Für mich, jemand der erst seit 5 Jahren in Deutschland wohnt und politisch aktiv ist, ist das ein Horrorszenario!
Aber auch ein Kampfaufruf gegen Rassismus, Hass und Faschismus!“

AfD-Abgeordneter Zimniok über Rassismus-Fall Alaows: „Herrlich.“

Warum Tareq Alaows nicht mehr für den Bundestag kandidieren will, zeigt auch ein Tweet des AfD-Europaabgeordneten Bernhard Zimniok. Er schreibt von „Rassismus-Vorwürfen, die nicht belegt werden“, um „in der Blase der Grünen eine #SolidaritätmitTareq zu erschwindeln.“ Der AfD-Politiker bezieht sich auf einen Bericht des „Spiegel“, in dem es heißt, dass Alaows die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt habe und seine Anwälte davon überzeugt seien, dass diese bis zur Bundestagswahl im September erteilt werden würde. Zimniok macht daraus: „Laut Spiegel besitzt Hr. Tareq nach wie vor nicht die Staatsbürgerschaft, dürfte also sowieso nicht kandidieren.“ Sein Schlusswort: „Herrlich.“ (Mirko Schmid)

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