Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zustand ungewiss: Seit zwei Wochen tritt Präsident John Magufuli nicht mehr öffentlich auf.
+
Zustand ungewiss: Seit zwei Wochen tritt Präsident John Magufuli nicht mehr öffentlich auf.

Seit zwei Wochen abwesend

Tansanias Präsident John Maguguli: Vom Corona-Leugner zum Patienten?

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
    schließen

Tansanias Präsident Magufuli ist laut Opposition und Medienberichten an Covid-19 erkrankt. Die Regierung dementiert.

Womöglich ist Tansanias Präsident John Magufuli derzeit dringender auf seinen unerschütterlichen Glauben angewiesen als jemals zuvor. Wenn die Berichte der Opposition des ostafrikanischen Staates sowie der kenianischen Presse stimmen, dann liegt der 61-jährige Staatschef gegenwärtig in einer Privatklinik in Nairobi – mit dem Coronavirus infiziert und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Ausgerechnet der Politiker, der seit Monaten behauptet, das Virus in seiner Heimat durch Gebete bezwungen zu haben: Wiederholt hatte sich Magufuli über das Tragen von Gesichtsmasken und importierte Covid-Tests lustig gemacht. Den Ärzten und Ärztinnen des Landes wurde verboten, Corona-Diagnosen auszustellen, seit Mai 2020 meldet das Gesundheitsministerium keine Neuinfektionen mehr bei der Weltgesundheitsorganisation WHO nach Genf. Als einer von wenigen Staaten der Welt bemühte sich Tansania bislang um keine Impfstoffe.

Nun ist der im Volksmund als „Dampfwalze“ bekannte Präsident seit zwei Wochen nicht mehr an die Öffentlichkeit getreten. Ein virtuelles Gipfeltreffen der ostafrikanischen Staatschefs fand ohne ihn statt, an den vergangenen beiden Sonntagen präsentierte sich der gläubige Christ nicht wie sonst üblich nach dem Gottesdienst der heimischen Presse, um seine Einsichten – auch über die Pandemie – zum Besten zu geben. Bei diesem Anlass hatte Magufuli seine Landsleute einst zu einem dreitägigen Gebetsmarathon aufgerufen, um das Virus zu verjagen, das „im Leib Christi nicht überleben“ könne. Danach war Tansania zumindest seiner Auffassung nach „virenfrei“.

Unterdessen kommen jedoch immer neue Gerüchte über die ungehinderte Ausbreitung des Erregers in dem ostafrikanischen Staat auf. Auch sollen mehrere hohe Amtsträger bereits an Covid erkrankt sein. Im Februar starb der Vizepräsident des Teilstaats Sansibar, Seif Sharif Hamad, nachdem er zuvor Covid-positiv getestet worden war. Als Magufuli westliche Impfstoffe als „nutzlos“ und „gefährlich“ abtat, sah sich schließlich WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zur Intervention gezwungen: Tansania solle sich endlich mit „robusten Aktionen“ um den Schutz der eigenen und der Bevölkerung der Nachbarstaaten kümmern.

Womöglich als Reaktion auf die Schelte korrigierte Magufuli kürzlich den Kurs seines Alleingangs ein wenig, indem er zumindest einräumte, dass einige seiner Verwandten womöglich an Covid erkrankt seien. Dann riet er sogar zum Tragen von Masken – allerdings nur der in Tansania hergestellten. Ausländische Mundschutze seien „nicht vertrauenswürdig“, fügte der Präsident in einem seiner Auftritte vor der Presse nach dem Gottesdienst hinzu. „Bitte benützt nur die von unserem Gesundheitsministerium produzierten Masken. Wenn ihre Hersteller bisher nicht gestorben sind, dann müssen sie gut für uns sein.“

Der Rat kam für das Staatsoberhaupt selbst womöglich zu spät. Oppositionschef Tundu Lissu, der Ende vergangenen Jahres ins belgische Exil fliehen musste, forderte jetzt die Regierung auf, der Bevölkerung Tansanias reinen Wein einzuschenken. „Wenn der Staatschef ins Krankenhaus eingeliefert wird, dann müssen wir das wissen“, sagt Lissu. Seinen Informationen zufolge sei der Präsident nicht mehr bei Bewusstsein und solle von Nairobi in ein Krankenhaus in Indien geflogen werden.

D ie Regierung dementierte inzwischen alle Berichte über Magufulis Erkrankung. Der Präsident sei „kein TV-Moderator, der für sein Programm nicht aufgetaucht ist“ und „kein Jogging-Trainer, der sich täglich im Stadtteil blicken lassen sollte“, twitterte Justizminister Mwigulu Nchemba. Informationsminister Innocent Bashungwa warnte zudem die Medien, dass die Verbreitung von Gerüchten als „offizielle Information“ die Gesetze des Landes verletze.

Folgt man dieser Logik, heißt das: Außer Bashungwas Hinweis ist kein Satz dieses Textes als „offizielle Information“ zu verstehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare