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Ein US-Helikopter hat am Wochenende in der Provinz Helmand unschuldige Zivilisten getötet.
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Ein US-Helikopter hat am Wochenende in der Provinz Helmand unschuldige Zivilisten getötet.

Afghanistan

Taliban starten Terroroffensive

  • Christine Möllhoff
    VonChristine Möllhoff
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Die Taliban haben in Afghanistan eine massive Anschlagswelle gestartet - und scheinen ihre Taktik zu wechseln: Immer öfter nehmen sie auch Führungsfiguren ins Visier. Die Nato hat sich derweil für die versehentlich getöteten Zivilisten entschuldigt.

Die Taliban haben in Afghanistan eine massive Anschlagswelle gestartet - und scheinen ihre Taktik zu wechseln: Immer öfter nehmen sie auch Führungsfiguren ins Visier. Die Nato hat sich derweil für die versehentlich getöteten Zivilisten entschuldigt.

Die Männer fuhren 50 Kilometer durch die Nacht zur Provinzhauptstadt Lashkar Gah, um die Leichen ihrer Kinder dem Gouverneur zu zeigen. Und um so der Welt zu beweisen, was sich in ihrem entlegenen Bezirk Nawzad abgespielt hat. „Seht her“, schrien sie, als sie die Kinderleichen durch die Stadt trugen, „sie sind keine Taliban“, berichten Augenzeugen. Wieder hat die Isaf in Afghanistan versehentlich Unschuldige getötet.

In der südlichen Provinz Helmand bombardierten US-Helikopter am Wochenende zwei Wohnhäuser, in die sich, so dachte man, nach einem Überfall auf US-Soldaten Taliban-Kämpfer zurückgezogen hatten. Mindestens fünf Mädchen, sieben Jungen und zwei Frauen starben – die Jüngsten waren zwei Jahre alt. Nun entschuldigte sich die Isaf zwar offiziell dafür. Doch ihr blieb auch kaum mehr anderes übrig, nachdem die Fotos der toten Kinder durch die Presse gingen. Bei dem vorhergehenden Gefecht war ein US-Soldat getötet worden.

Der Krieg am Hindukusch wird immer blutiger. Und es könnte noch schlimmer kommen. Sowohl die USA als auch die Taliban wollen aus einer Position der Stärke in mögliche Friedensgespräche ziehen. Der frühere Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hatte den Schutz der Zivilisten über die Jagd auf Terroristen gestellt.

Sein Nachfolger David Petraeus änderte diesen Kurs. Er setzt in erster Linie auf militärische Härte, um die Taliban in die Knie zu zwingen. Doch oft zahlen Unschuldige den Preis für diese Strategie. Obgleich die Taliban für den größten Teil der zivilen Todesopfer verantwortlich sind, wächst der Zorn der Afghanen auf die ausländischen Truppen.

Wie gefährlich diese Wut inzwischen ist, musste Mitte Mai auch die Bundeswehr erfahren. Im Norden, in Talokan, kam es zu gewaltsamen Protesten vor dem deutschen Camp, nachdem vier Menschen bei einem nächtlichen Einsatz getötet worden waren. Bei den Tumulten wurden 17 Menschen erschossen.

Der Tod des Polizeichefs Daud ist ein harter Schlag für die Abzugspläne der Nato

Inzwischen haben die Taliban eine massive Anschlagswelle gestartet. Am Montag wurden in Herat bei einem Doppelanschlag nahe eines italienischen Nato-Stützpunktes erneut mindestens fünf Menschen getötet. Dabei scheinen die Taliban ihre Taktik zu wechseln und immer öfter gezielt Führungsfiguren ins Visier zu nehmen. Am Samstag war ihnen einer ihrer spektakulärsten Schläge gelungen: In Talokan töteten sie den Polizeichef von Nordafghanistan, General Mohammed Daud Daud. Der deutsche General Markus Kneip wurde bei der Attacke verletzt. Dahinter steht Strategie: Bis Ende 2014 will die Nato schrittweise ihre Truppen abziehen und die Verantwortung an die Afghanen übergeben. Als besonderes geeignete Bezirke gelten Regionen im relativ friedlichen, von der Bundeswehr kommandierten Norden. Die Taliban dürften versuchen, dies mit Attacken zu untergraben. So galt Daud als wichtige Figur im Übergabeprozess. Sein Tod wird die Rückzugspläne der Nato erschweren.

Die Bundeswehr muss sich auf gefährliche Monate einstellen. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) macht sich nichts vor. „Mir macht das sehr große Sorgen“, sagte er am Montag in Neu-Delhi. Weitere „schreckliche Rückschläge“ könne man nicht ausschließen, aber ein „geordneter“ Abzug sei notwendig, um den Einsatz am Hindukusch nach zehn Jahren zu beenden. „Es sollen keine weiteren zehn Jahre werden.“

Derweil scheint es, dass sich die USA und Pakistan zumindest in Ansätzen auf eine Strategie verständigt haben. Wie die Zeitung The News berichtete, will Pakistans Militär nun doch eine Offensive in der Grenzregion Nord-Waziristan starten, wie es die USA seit langem von Islamabad fordern.

In Nord-Waziristan soll das Haqqani-Netzwerk sitzen, dessen Milizen immer wieder in Afghanistan zuschlagen und dort die ausländischen Truppen angreifen. Nehmen die Pakistaner das Haqqani-Netzwerk von ihrer Seite in die Zange, dürfte dies auch den Amerikanern in Afghanistan Luft verschaffen.

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