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IS, Al-Kaida, Boko Haram

Taliban-Triumph in Afghanistan lässt Afrikas Islamisten jubeln

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Durch den Sieg der Taliban in Afghanistan fühlen sich Boko Haram und Co. gestärkt. In Mali wächst die Skepsis gegenüber den internationalen Truppen.

Während sich Terrorexpert:innen fragen, welche Folgen der Sieg der Taliban in Afghanistan auf die afrikanischen Hochburgen der Extremisten haben werde, gaben diese bereits auf ihre Weise eine Antwort. Am Mittwoch überfielen islamistische Kämpfer im Nordosten Burkina Fasos einen Militärkonvoi. Dabei kamen mehr als 80 Menschen, darunter fast 60 Zivilisten, ums Leben. Einen Tag später schlugen Extremisten in Malis Landesmitte zu: Bei der Explosion eines mit Sprengstoff gefüllten Fahrzeugs wurden dort 15 Soldaten getötet.

Iyad Ag Ghali, Chef der mit der westafrikanischen „Al Kaida im Maghreb“ verbündeten „Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime“ (GSIM), wartete erst gar nicht auf die Einnahme Kabuls durch die Taliban, um in einer Radio-Botschaft bereits die Geburt des „Islamischen Emirats Afghanistan“ zu feiern. Sie sei das Ergebnis eines „zwei Jahrzehnte währenden geduldigen Kampfs der Dschihadisten“, triumphierte der malische Extremistenführer.

Taliban-Triumph in Afghanistan: Breitet sich nun der IS in Afrika weiter aus?

Der Tuareg geht davon aus, dass westliche Soldaten und Soldatinnen bald auch die Mali, Burkina Faso und den Niger umfassende Krisenregion in der Sahelzone verlassen werden – wofür es Hinweise gibt. Frankreich will zumindest die Truppenstärke ihrer dortigen Mission „Barkhane“ vermindern oder sogar ganz abziehen: Was dann aus der UN-Mission in Mali „Minusma“ wird, an der auch knapp eintausend Bundeswehrsoldaten beteiligt sind, steht in den Sternen.

Ein Fahrzeug des „Islamischen Staats“ (IS) in Afrika. (Archivbild)

UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnt vor einer „alarmierenden Ausbreitung“ der Aktivitäten des „Islamischen Staats“ (IS) in Afrika – als Konsequenz des Siegs der Taliban im Tausende von Kilometern entfernten Kabul.

Entweder mit Al-Kaida oder dem IS verbündete Extremisten sind derzeit in fünf südlich der Sahara gelegenen Regionen aktiv: Außer in der Sahelzone im Norden Nigerias (Boko Haram), in Somalia (Al-Shabaab), vermutlich auch in der Demokratischen Republik Kongo (Allied Democratic Forces, ADF) sowie zumindest lose verknüpft mit den ebenfalls Al-Shabaab genannten Rebellen im Nordosten Mosambiks. Den Umtrieben der Extremisten fallen jährlich Zigtausende von Menschen zum Opfer: Daran hat auch die Beteiligung europäischer und US-Soldat:innen am „Kampf gegen den Terror“ – zumindest beim Training heimischer Regierungstruppen – nichts geändert. Auch in Somalia begannen die US-Streitkräfte schon zu Trump-Zeiten ihre Spezialeinheiten und Ausbilder abzuziehen – unwahrscheinlich, dass die Biden-Regierung diese Entscheidung wieder zurück nimmt.

Sieg der Taliban in Afghanistan stärkt das Selbstbewusstsein der Islamisten in Afrika

Die Ereignisse in Afghanistan stärkten das Selbstbewusstsein der afrikanischen Islamisten, ist der Direktor des „Westafrikanischen Zentrums für Counter-Extremismus“, Mutaru Mumuni Muqthar, überzeugt: „Sie sehen sich in ihren Umtrieben legitimiert“.

Eine Somalierin demonstriert Anfang 2020 nach einem Anschlag in Mogadischu gegen die dschihadistische Gruppe Al-Shabaab.

Schon seit längerer Zeit üben die Extremisten in einzelnen Regionen des Kontinents – wie im nordostnigerianischen Bundestaat Borno oder im ländlichen Somalia – die Regierungsgewalt aus: Sie leisten Dienste, die von den kollabierenden Staaten nicht mehr gewährleistet wurden. Doch den Terror könne man nur bekämpfen, indem man der Bevölkerung eine bessere Alternative zum Leben unter den Extremisten biete, meint der südafrikanische Sicherheitsexperte Ryan Cummings: „Mit Waffen geht das nicht.“

Taliban-Vorschmarsch: Art und Weise des US-Abzugs sorgt in Afrika für Unmut

Die Bilder aus Kabul von der von Menschen erklommenen rollenden Herkules-Maschine wurden in Mali besonders aufmerksam verfolgt, heißt es. Wie die US-Regierung jetzt ihre afghanischen Verbündeten im Stich gelassen habe, werde sich auch Frankreich irgendwann in Mali aus dem Staub machen, meint der malische Anwalt Cheick Oumar Konaré: „Und wir bleiben mit den terroristischen Wüterichen alleine zurück.“

Der größte Fehler der amerikanischen Afghanistan-Politik sei der Ausschluss der Taliban von Gesprächen gewesen, räumte der ehemalige US-Präsidentenberater David Kilcullen jüngst in einem Webinar ein. In Afrikas Hochburgen der Extremisten gab es solche Gespräche bislang erst gar nicht. (jod)

Rubriklistenbild: © Audu Marte/AFP

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