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Afghanische Mädchen in der Grundschule: Strikt getrennt nach Geschlecht, der Zugang zur weiterführenden Schule bleibt verwehrt.
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Afghanische Mädchen in der Grundschule: Strikt getrennt nach Geschlecht, der Zugang zur weiterführenden Schule bleibt verwehrt.

Afghanistan

Taliban: Anweisung zu „ernsthaften Bemühungen“ für Frauenrechte – Bildung weiter außen vor

  • VonMirko Schmid
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Die Taliban wollen Frauenrechte in Afghanistan stärken. In ihrem Dekret fehlt allerdings die Wiederaufnahme von Mädchen in weiterführende Schulen.

Kabul – Die Taliban versuchen sich in zaghafter Modernisierung. Wohl auch um die seit ihrer Machtübernahme in Afghanistan versiegten Geldströme aus dem Ausland wieder anzapfen zu können, stellt ein aktuelles Dekret unter Verweis auf den nur selten in Erscheinung tretenden Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada Rechte von Frauen in den Mittelpunkt. Die beschlossenen Verbesserungen für Afghaninnen beziehen sich in erster Linie auf den Bereich der Ehe.

Keine Frau soll mehr „durch Zwang oder Druck zur Ehe gedrängt“ werden, außerdem sollen Witwen einen Anteil des Erbes ihres Mannes erhalten. Eine Angabe darüber, wie hoch dieser Anteil soll, fehlt im Dekret. Dafür soll das Kultur- und Informationsministerium Material zu Frauenrechten veröffentlichen, „um anhaltende Unterdrückung zu verhindern“.

Der im Ausland wohl am kritischsten beäugte Bereich – das mit der neuerlichen Machtübernahme der Taliban ausgesetzte Recht von Mädchen und Frauen, weiterführende Schulen zu besuchen – bleibt im Dekret allerdings genauso unerwähnt wie die Beschäftigung jener Frauen, welche aus Positionen im öffentlichen Dienst entfernt wurden. Unter ihnen befinden sich unter anderem ehemalige Bürgermeisterinnen wie die nach Deutschland geflohene Zarifa Ghafari.

Seit der Machtübernahme der Taliban wurden Frauenrechte abgebaut

Seitdem die Taliban die Macht in Afghanistan wieder an sich gezogen haben, wurden Frauenrechte massiv eingeschränkt. Schulunterricht findet seither strikt nach Geschlechtern getrennt statt, der Zugang an weiterführende Schulen bleibt Mädchen größtenteils verwehrt. An den Universitäten dürfen sich Frauen und Männer nicht mehr in die Augen sehen und werden mit Vorhängen voneinander getrennt. In Bussen sitzen Frauen in eigens verhängten Plätzen. Alle 32 Frauenhäuser im Land, in denen sich unter anderem um Opfer von Gewalttaten und sexueller Misshandlung gekümmert wurde, haben geschlossen. Zu groß sei die Angst vor Islamisten gewesen, berichtete Andreas von Brandt, der Leiter der EU-Mission in Kabul vor einem gemeinsamen Ausschuss des EU-Parlaments.

Shaharzad Akbar, Vorsitzende der unabhängigen afghanischen Menschenrechtskommission, sagte per Videoschalte vor den Ausschüssen: „Frauen und Mädchen sind wieder in die Unterdrückung und Ungleichheit der neunziger Jahre zurückgeworfen worden.“ Ihr Appell an die Europäer: „Bitte glauben Sie nicht eine Minute lang, dass die repressive Politik den Willen des afghanischen Volks darstellen.“ Wer diesem Irrglauben aufsitze, mache sich an der Situation der Frauen im Land mitschuldig.

Taliban verbessern Frauenrechte im Detail, um an Hilsgelder aus dem Ausland zu gelangen

Trotz dieser deutlichen Worte und weiterhin sichtbarer Einschränkungen für Frauen und Mädchen wollen die in Afghanistan herrschenden Taliban mit den nun eingeleiteten Verbesserungen im Detail erneut Zugang zu den Milliarden an Hilfsgeldern der Weltgemeinschaft kommen, die nach ihrer Machtübernahme vom Westen gesperrt worden waren. Damit reagieren sie auf den Druck der Geldgeber, die signalisiert hatten, die Situation der Frauenrechte im Land als Grundlage für die Wiederaufnahme von Hilfsleistungen zu erachten.

Die Forderungen des Westens sind auch deswegen so strikt, da vielerorts ein Rückfall in die Jahre von 1996 bis 2001, als die Taliban schon einmal in Afghanistan regierten. Seinerzeit waren Frauen praktisch entrechtet, durften sich nur in männlicher Begleitung und vollverschleiert in der Öffentlichkeit bewegen. An Schulbildung oder Lohnarbeit war für Frauen nicht zu denken. Sollten die sich Taliban diesen Zuständen wieder annähern wollen, ist eine Fortzahlung der Auslandshilfen aktuell trotz der humanitären Not im Land fast undenkbar. Und diese Not ist groß. Inzwischen gehen in Afghanistan viele verarmte Familien dazu über, ihre Töchter zu verkaufen. Am Ende sind es so weiterhin die Mädchen und Frauen im Land, die am schwersten an der Lage in Afghanistan zu tragen haben. (Mirko Schmid mit afp)

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