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Afghanistan

Afghanistan: Taliban als Zielscheibe des Terrors

  • VonAgnes Tandler
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Angesichts des IS-Doppelanschlags in Afghanistans Hauptstadt Kabul gelten die Taliban plötzlich als gemäßigt. Doch es gibt einige Überschneidungen mit dem „Islamischen Staat“.

Kabul - „Wir haben mehr Leute verloren als die Amerikaner!“, klagte ein Taliban-Sprecher. „Wir sind nicht verantwortlich für den chaotischen Evakuierungsplan der ausländischen Staaten.“ Am Donnerstag hatten drei Selbstmordattentäter des „Islamischen Staats in der Khorasan-Provinz“ (Isis-K) sich am Flughafen in die Luft gesprengt, wo Tausende verzweifelte Familien ausharrten, um vor den Taliban zu fliehen. Mehr als 100 Menschen starben, darunter 13 US-Soldaten.

Das Attentat gelte den „Übersetzern und Kollaborateuren der US-Armee“, ließ Isis-K über eine Website wissen. Als Reaktion brachten die Taliban am Freitag, weitere Kämpfer aus der Provinz in die Hauptstadt, um die Sicherheit zu verbessern.

Vor einem Kabuler Krankenhaus warten Menschen auf Informationen über ihre Angehörigen.

Waren die Taliban bisher diejenigen, die Sprengsätze legten, so sind sie nun selbst Zielscheibe islamistischer Terroristen. In dieser Woche gab es in Koht-e-Sangi, im Westen Kabuls, zahlreiche Angriffe auf Taliban-Kämpfer mit einem Toten und drei Verwundeten. Am Donnerstag explodierten in Kabul auch magnetische Bomben an Militärfahrzeugen der Taliban.

Die Terrorgruppe Isis-K in Afghanistan hat mit dem IS in Syrien kaum mehr etwas gemeinsam

Vor ihrer Machtübernahme vor zwei Wochen hatten Taliban-Kämpfer solche Sprengsätze selbst genutzt, um Anschläge auf Fahrzeuge von Regierung, Militärangehörigen, Medienleuten und anderen Gegnern zu verüben. Plötzlich sind die Taliban die moderaten Kräfte, die sich gegen die Terrortaten der extremistischen Isis-K wenden. „Wir verurteilen die Bomben auf Zivilisten am Flughafen auf das Schärfste“, sagte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid. „Das Islamische Emirat achtet auf die Sicherheit und den Schutz ihrer Leute; böse Kräfte werden konsequent gestoppt werden.“

Eine der „bösen Kräfte“ ist als Isis-K in Afghanistan unterwegs. Es ist ein eigener Schlag von Kämpfern, die kaum mehr als den Namen mit der in Syrien beheimateten Terrororganisation IS gemein haben.

Viele unterschiedliche islamistische Kräfte sind in Afghanistan aktiv

Die Kämpfer rekrutieren sich aus abtrünnigen Taliban und anderen Splitterorganisationen. Der Isis-K hat in Afghanistan in den vergangenen Jahren gezielt Anschläge auf westliche Ziele verübt, als die Taliban diese bereits aussparten, um sich auf ihren Kampf gegen die afghanische Regierung zu konzentrieren.

Doch die Überschneidungen mit den Taliban, die eher ein lockeres Bündnis islamistischer Kämpfer sind, sind groß. Die Taliban-Fraktion, die die Doha-Gespräche mit den USA leitete, tritt in der Öffentlichkeit auf und präsentiert sich als Führung. Wie viel Macht sie wirklich hat, bleibt abzuwarten. In Afghanistan ist die Macht der Männer mit Waffen größer als die derjenigen, die „nur“ an Verhandlungstischen sitzen.

Die Taliban-Spitze muss nun eine einheitliche Linie finden

Teil der losen Taliban-Formation ist auch das von Pakistan unterstützte Hakkani-Netzwerk, das für viele Anschläge auf ausländische Soldaten und andere westliche Ziele in Afghanistan verantwortlich ist. Auch hier gibt es Überschneidungen mit Isis-K. Welche der verschiedenen Fraktionen sich am Ende in Kabul durchsetzen und herrschen wird, bleibt abzuwarten.

Kategorisierungen in Afghanistan stoßen stets schnell an ihre Grenzen. Identitäten sind fließend, ebenso wechseln die Loyalitäten. Die Taliban-Spitze, oder besser diejenigen, die sich als solche präsentieren, muss nun eine einheitliche Linie finden, um das Land zu regieren, Sicherheit zu gewährleisten und auch die Gegner in den eigenen Reihen in Schach halten. Wie das gelingen soll, bleibt im Moment ein Rätsel. (Agnes Tandler)

Rubriklistenbild: © Aamir Quereshi/afp

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