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Taktische Gelegenheiten

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Von: Peter Rutkowski

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Ukrainische Vorstöße in Nord und Süd.

Meteorologie ist – nicht erst durch den Klimawandel – in die Nähe von Astrologie gerückt, was die Verlässlichkeit angeht. Aber es braucht kaum Wetterkundige, um das Ende der derzeitigen Kriegsphase auszumachen: Frühestens in vier Wochen, im Oktober, sollte in der Ukraine der Sommer in den Herbst umschlagen. Und das bedeutet, dass Regenfälle das Land in eine Schlammwüste verwandeln. Im November gesellt sich dann wohl noch der erste Frost hinzu. Militärische Bewegungen gehen damit fast wortwörtlich unter.

Aber noch ist Sommer und die ukrainischen Truppen nutzen die Wetterlage, so gut sie können. Während im Süden bei Cherson die eher langsam und methodisch vorgetragene Gegenoffensive (sie wurde ja wochenlang vorher immer wieder großspurig angekündigt, was keinen Frontkommandeur freuen konnte) vorankommt, müssen russische Truppen eiligst nach Süden verlegt werden. Das schwächt die Fronten im Norden und verschafft ukrainischen Einheiten dort taktische (also örtlich beschränkte) Gelegenheiten: Ein Gegenstoß in der Oblast Charkiw hat die Russen hinter den Siwerskyj Donez zurückgeworfen; um ihren Rückzug zu sichern, mussten sie Brücken über den Fluss zerstören.

Bei Cherson beschießen ukrainische Artillerie und Luftwaffe weiter Ziele entlang des Dnepr: Flussübergänge, Fähren, Depots, rückwärtige Stellungen ... Die Absicht ist klar: Russische Einheiten sollen auf dem Nordwestufer zwischen Dnepr-Bogen bis zum Delta am Schwarzen Meer isoliert werden. Gelingt das bis zum Wintereinbruch und müssen dann vielleicht 10 000 russische Soldaten sich ergeben, würde der Ukraine-Krieg nach neun Monaten eine echte Wende durchmachen.

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