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Gleichgültigkeit im Konflikt mit China: Taiwan lässt die Geschichte hinter sich

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Von: Felix Lill

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Der Jadekohl (hier als Leihgabe in Tokio) ist eindeutig chinesisch. Beim Rest wird’s schon schwieriger.
Der Jadekohl (hier als Leihgabe in Tokio) ist eindeutig chinesisch. Beim Rest wird’s schon schwieriger. © Yoshikazu Tsuno/afp

Die Mehrheit der Menschen in Taiwan will den ambivalenten Status quo lieber beibehalten statt einen Konflikt auszutragen.

Taipeh – Im Nationalen Palastmuseum in Taipeh tummeln sich regelmäßig Neugierige um die Vitrine, in der der Jadekohl – eine grünweiße Edelsteinskulptur – ausgestellt ist. Einst gehörte das Prunkstück in die Verbotene Stadt in Peking. Aber heute ist es der wohl berühmteste Kunstgegenstand Taiwans – wo er auch Reisende aus Festlandchina anzieht, dessen Regierung in Peking das Stück bis heute ihr Eigen nennt.

Angesichts der Ursprünge des Jadekohls könnte man sogar sagen: Kaum etwas in Taiwan ist so chinesisch wie dieses Kunstwerk. Dies lässt sich aber auch deshalb behaupten, weil ansonsten Uneinigkeit darüber besteht, wie chinesisch die Insel ist. Als die im Chinesischen Bürgerkrieg unterlegenen Nationalisten 1949 von Festlandchina nach Taiwan flohen, etablierten sie mit einigen Reichtümern im Gepäck hier die „Republik China.“ Die siegreichen Kommunisten erkannten dies nicht an.

Konflikt mit China: Wie chinesisch ist Taiwan?

Peking nennt Taiwan einen „unverzichtbaren Teil Chinas“. Diese „Ein-China-Politik“ sieht die Regierung auch rechtlich legitimiert: Als durch einen Vertrag im Jahr 1979 die USA fortan nicht mehr Taiwan, sondern Festlandchina als das legitime China anerkannten, wurde zwar der weitere Austausch mit Taiwan gesichert, allerdings nicht mehr auf Regierungsebene. Die EU, Japan und andere folgten. Die Existenzlage von Taiwan, das sich weiterhin „Republik China“ nennt, ist umstritten.

Und dennoch ist offensichtlich, dass Taiwan ein eigenständiger Staat ist: Mit dem Vertrag von 1979 hat er nicht aufgehört zu existieren. Taiwan hat eine durch freie, demokratische Wahlen legitimierte Regierung, ein Militär und de facto auch Regierungsaustausch mit Staaten.

Und noch etwas stellt infrage, ob Taiwan so chinesisch ist, wie man in Peking behauptet: das Selbstverständnis der Menschen und die Geschichte. Über einen langen Zeitraum hatte die Insel höchstens lose Beziehungen zu Festlandchina. Teil dieses Staates war sie zumeist nicht.

Konflikt zwischen China und Taiwan: Das sind die historischen Hintergründe

Vom Ende des 18. Jahrhundert an gewann die chinesische Qing-Dynastie Einfluss auf der Insel, erklärte sie rund 200 Jahre später zu einer chinesischen Provinz. 1895 aber wurde Taiwan, nachdem China einen Krieg gegen Japan verloren hatte, japanische Kolonie, die es bis 1945 auch blieb. Nach dem Zweiten Weltkriegs wurde Taiwan an China zurückgegeben, wo aber der Bürgerkrieg zwischen den Nationalisten um Chiang Kai-shek, die die „Republik China“ ausgerufen hatten, und den von Mao Tse-tung angeführten Kommunisten befand.

Als die Kommunisten 1949 den Bürgerkrieg für sich entschieden, siedelten Chiang Kai-shek und 1,2 Millionen Chines:innen nach Taiwan um und wollten China von dort aus regieren. Chiang sollte über Jahrzehnte auch als legitimer Vertreter Chinas in der Welt gelten: Den ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat hatte die Republik China, also Taiwan, inne und nicht die Volksrepublik China. Dies änderte sich in den 70er Jahren, als bald auch die USA im ökonomisch und demografisch wachsenden Festlandchina den attraktiveren Partner sahen.

Taiwan: Modernes Achselzucken im Konflikt mit China

Fragt man heute die Menschen in Taiwan, ob ihre Insel das wahre China sei, sieht man häufig Achselzucken. Eine erdrückende Mehrheit wünscht in Befragungen weder die formale Unabhängigkeit von China noch eine Wiedervereinigung, sondern die Beibehaltung des ambivalenten Status quo. Im vergangenen Monat ergab zudem eine regelmäßig von der National Chengchi University in Taipeh durchgeführte Umfrage, dass sich 64 Prozent der Menschen heute ausschließlich als Taiwaner:innen fühlen. Je lauter die Rufe aus Peking kommen, Taiwan sei chinesisch, desto weniger scheint sich eine jüngere Generation von Menschen auf der Insel als chinesisch zu sehen. Auch wenn sie weiterhin in der „Republik China“ leben und ihr beliebter Jadekohl vom Festland kommt. (Felix Lill)

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