1. Startseite
  2. Politik

David gegen Goliath? Wie sich Taiwan gegen einen chinesischen Angriff schützen könnte

Erstellt:

Von: Stephanie Munk

Kommentare

Noch sind es Militärübungen, die China vor Taiwan gestartet hat. Wie könnte sich die Insel im südchinesischen Meer im Falle eines echten Angriffs des riesigen Nachbars verteidigen?

München - Die Bedrohung war schon vorher präsent - aber seit der Tabu-Reise der US-Abgeordneten Nancy Pelosi nach Taipeh lässt China gegenüber Taiwan noch mehr die Muskeln spielen. Was wäre, wenn aus den Militärübungen, die China als Reaktion startete, ernst würde? Wie könnte sich der Inselstaat Taiwan mit seinen 23 Millionen Einwohnern gegen das Riesen-Reich China mit 1,4 Milliarden Menschen verteidigen?

China sieht Taiwan als abtrünnigen Teil ihrer Volksrepublik und möchte sich die Insel am liebsten einverleiben - wie es zu diesem Konflikt kam, ist hier nachzulesen. Eine mögliche Invasion der chinesischen Volksarmee befürchten Experten schon seit Jahren, heißt es in einem Dossier der Bundeswehr zum Thema. China rüste merklich auf: Sowohl bei den Landungsschiffen der chinesischen Marine als auch der Marineinfanterie., berichtet merkur.de.

China gegen Taiwan: Militärische Übermacht ist überwältigend

Betrachtet man die reinen Zahlen, hätte Taiwan nicht die geringste Chance: Chinas Übermacht ist überwältigend. Eine Armee von zwei Millionen Mann steht Chinas Machthaber Xi Jinping zur Verfügung, das sind zehn Mal so viele wie in Taiwan. Laut einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums hat die chinesische Armee 355 Kriegsschiffe und U-Boote, Taiwan nennt dagegen nur vier U-Boote sein eigen. Ganz zu schweigen von der erdrückenden chinesischen Luftwaffe: Mit rund 2500 Kampfflugzeuge ist sie laut dem US-Bericht die drittgrößte weltweit, dazu zählen 176 Bomber. Die Zahl der taiwanesischen Bomber: Null.

Taiwan hat aber ein anderes Pfund in der Tasche, das gewaltig ist: Die Unterstützung der USA. Dieser kann sich Taiwan zwar nicht 100-prozentig sicher sein - eine Verpflichtung wie bei einem Nato-Bündnisfall gibt es nicht. Trotzdem gilt sie als wahrscheinlich. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNN stellte US-Präsident Joe Biden im Herbst 2021 klar in Aussicht, dass die USA Taiwan gegen China verteidigen würden: „Wir haben eine Verpflichtung, dies zu tun“, sagte er laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

USA liefern moderne Waffen an Taiwan - auch aus Eigennutz

Das wahrscheinliche Eingreifen der USA unterscheidet die Lage massiv vom Ukraine-Krieg, bei dem Washington eine direkte Beteiligung von Anfang an ausgeschlossen hat. US-Truppen sind zwar nicht in Taiwan stationiert, die USA haben aber mehrere Kriegsschiffe und Flugzeugträger in der Region. Washington verkauft zudem moderne US-Waffen an Taiwan. Darauf ist die Insel im südchinesischen Meer auch angewiesen, denn laut dem Dossier der Bundeswehr sei „kein anderer Staat aktuell noch bereit, China wegen Waffenverkäufen an Taiwan gegen sich aufzubringen“.

Die USA unterstützen die Insel nicht uneigennützig: Für sie ist die Unabhängigkeit der Insel von China geostrategisch wichtig für einen freien und offenen Indo-Pazifik. „Ein Verlust der Insel an China wäre für die USA und ihre Verbündeten eine gigantische Katastrophe“, heißt es im Bundeswehr-Bericht. Auch für Deutschland wäre eine Eskalation des Konflikts der Super-GAU.

Wie erfolgreich sich Taiwan gegen China verteidigen könnte, hängt also zum großen Teil vom Verhalten der USA und anderer Verbündeter ab. Die Entscheidung, ob er in einen Krieg eingreifen würde, obliegt dabei allein dem US-Präsidenten. Das hat der US-Kongress im Februar 2021 mit dem „Taiwan Invasion Prevention Act“ festgelegt.

Taiwans Küste könnte China Probleme machen - Perfekte Bedingungen für Guerilla-Kampf

Taiwan bietet aber noch einen geographischen Vorteil, der China eine schnelle Eroberung des Landes erschweren dürfte: Die Küste der Insel ist an vielen Stellen steil, gebirgig und von dichten Wäldern umgeben. Perfekt für einen Guerilla-Krieg, bei der die Verteidiger gegenüber den Angreifern im Vorteil sind. Auf Taiwan gibt es ein weitverzweigtes Bunker- und Verteidigungssystem, das auf einen langen Abwehrkampf ausgelegt ist. Ziel der Taiwanesen bei einem Angriff Chinas könnte also sein: So lange durchhalten, bis sich die USA einschalten.

Hohe Berge, dichte Wälder: Taiwans Küste ist schwer anzugreifen und gut zu verteidigen.
Hohe Berge, dichte Wälder: Taiwans Küste ist schwer anzugreifen und gut zu verteidigen. © David Henley/Imago

China gegen Taiwan: Angreifer müssten fatale Gegenschläge auf hoher See befürchten

China wäre wohl derzeit gar nicht zu einer großen Landeoperation an Taiwans unzugänglicher in der Lage, schreibt der Spiegel in einem Bericht und bezieht sich dabei auf die Fachzeitschrift Bulletin of the Atomic Scientists. Es wäre immens schwer, chinesische Konvois über das südchinesische Meer hinweg zu verteidigen - vor allem wegen der extrem leisen amerikanischen Atom-U-Boote. Auf hoher See müssten chinesische Angreifer fatale Gegenschlägen durch moderne U-Boote, Drohnen und Raketen befürchten.

Chinesische Militär-Hubschrauber fliegen über die Insel Pingtan, einer von Chinas nahe gelegensten Punkte an Taiwan - ein Teil der Militärübungen, die auf den Besuch von Nancy Pelosi in Taiwan gefolgt sind.
Chinesische Militär-Hubschrauber fliegen über die Insel Pingtan, einer von Chinas nahe gelegensten Punkte an Taiwan - ein Teil der Militärübungen, die auf den Besuch von Nancy Pelosi in Taiwan gefolgt sind. © Hector Retamal/AFP

Nach Reise von Nancy Pelosi: China probt die echte Invasion

Dennoch: Die aktuellen Militärübungen geben China jetzt die Chance, für eine echte Invasion in Taiwan zu üben, heißt es in einem Artikel der New York Times. Die Chinesen würden mit den Militärbungen, die als Reaktion auf Pelosis Reise folgten, trainieren, wie die Insel eingekesselt, von der Unterstützung Verbündeter abgeschnitten und dann attackiert werden könne. „Obwohl das gerade Übungen sind, die nur wie ein echter Kampf aussehen, kann es jederzeit zu einem echten Kampf werden“, wird General Meng Xiangqing, Professor für militärische Strategie an der Nationalen Verteidigungs-Universität von Peking, zitiert. (smu)

Auch interessant

Kommentare